Unternehmensführung: Ohne Quote zu mehr Frauen in Chefetagen

Unternehmensführung: Ohne Quote zu mehr Frauen in Chefetagen

von Cornelia Schmergal

Klaus-Peter Müller, der Vorsitzende der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex, will den Frauenanteil in Vorstandsetagen und Aufsichtsräten erhöhen.

„Es ist mir vollkommen unverständlich, warum unsere Land zwar eine Kanzlerin, Landesbischöfinnen oder eine oberste Verfassungsrichterin hervorgebracht hat, aber keine Vorstandsvorsitzende eines Dax-Konzerns“, sagte Müller. Schließlich verfüge Deutschland als hochentwickelte Industrienation „über ein großes Potenzial an geeigneten und hochqualifizierten Frauen“.

Am Mittwoch hatte die Corporate-Governance-Kommission beschlossen, in den Kodex für gute Unternehmensführung konkrete Anforderungen aufzunehmen, um den Anteil von Frauen in Aufsichtsräten zu steigern. Frauen sollen künftig nach „den Gegebenheiten des Unternehmens angemessen“ vertreten sein. Börsennotierte Unternehmen müssten künftig aufzeigen, welche Ziele sie mit Blick auf Frauen im Aufsichtsrat hätten und wie es um die Umsetzung stehe, sagte Müller. „Ich bin mir sicher, dass Medien, Aktionäre und Frauenverbände jede Abweichung vom Kodex kritisch verfolgen. Und die Unternehmen werden alles tun, um schlechte Presse zu vermeiden“, sagte Müller, der auch Vorsitzender des Aufsichtsrates der Commerzbank ist. Der Kodex sei „wirkungsvoll“, weil er Transparenz schaffe.

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Anders als erwartet will die Kommission den Frauenanteil nicht nur in Aufsichtsräten, sondern auch im Management steigern. So müssen Unternehmen künftig erklären, ob sie bei der Besetzung von Vorstands- und Führungskräftepositionen Frauen angemessen berücksichtigen wollen. Die Kommission habe „die Regelungen für den Vorstand nachgeschärft“, sagte Müller. Sie sei der Auffassung gewesen, dass „bei der Besetzung aller Führungspositionen“ Frauen stärker berücksichtigt werden sollten. „Wir müssen endlich die Voraussetzungen schaffen, dass auch Frauen ihre Karrieren frei verfolgen können. Männer genießen dieses Privileg schon seit Jahrhunderten“, sagte Müller.

Eine konkrete Frauen-Quote lehnte Müller jedoch ab. Die Kommission wolle einen „flexibleren Weg“ gehen. „Ein Unternehmen wie die Telekom oder eine Bank hat in der Regel einen hohen Anteil weiblicher Beschäftigter. Bei einem Unternehmen wie Heidelberger Zement ist  das vermutlich anders“, sagte Müller. Daher müsse man die Unterschiedlichkeit der Unternehmen berücksichtigen. „Eine allgemeinverbindliche Quote gäbe keinen Sinn.“

Allerdings brauche es noch besondere Anstrengungen, um geeignete Kandidatinnen für die Aufsichtsräte zu finden, sagte Müller dem Magazin. „Natürlich kennen Dax-Vorstände derzeit mehr männliche als weibliche Kandidaten – in den Vorständen sitzen bislang ja fast ausschließlich Männer.“ Daher forderte Müller: „Wir brauchen in Deutschland eine Art Pool für qualifizierte Kandidatinnen.“ Idealerweise müssten Personalberater und Frauenverbände Datenbanken erstellen und dort autorisierte Profile qualifizierter Frauen sammeln. „Es bringt nichts, wenn die Unternehmen guten Willens sind und nicht wissen, wie sie geeignete Aufsichtsrätinnen finden“, sagte Müller.

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