Urheberrecht: Kunst muss anständig bezahlt werden

KommentarUrheberrecht: Kunst muss anständig bezahlt werden

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Umsonst im Netz: Die Aufhebung des Urheberrechts würde die kulturelle Vielfalt gefährden

von Christopher Schwarz

Wer das Urheberrecht aufheben und Musik, Film und Literatur gratis verfügbar machen will, gefährdet die kulturelle Vielfalt. Denn hinter jeder Schöpfung steht ein Schöpfer, der von seiner Arbeit leben muss.

Wer heute noch bei Saturn oder anderswo CDs kauft, kommt sich mittlerweile wie ein Volltrottel vor. Wie ein Fossil des analogen Zeitalters. Gibt‘s doch alles umsonst, per Download. Jedes Kind lädt heute die neue Folge seiner Lieblingsserie bei Piratebay herunter. Was Wunder, dass darüber die gute alte Regel, auch für ein Stück Unterhaltung oder Information sei gefälligst zu zahlen, in Vergessenheit geraten ist. Kunst und Kultur gelten neuerdings wieder als volkseigen. Die Folgen sind jetzt schon absehbar: Die allgegenwärtige digitale Verfügbarkeit von Musik, Film und geschriebenem Wort führt tendenziell dazu, dass sich der Eigentumsbegriff auflöst. Und damit auch der Respekt vor den immateriellen Leistungen, ob von Wissenschaftlern oder von Künstlern.

Zorn gegen Gratis-Mentalität

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Nicht weniger als der Schutz der „persönlichen geistigen Schöpfung“, wie es im Urheberrecht heißt, steht damit auf dem Spiel. Das hat der Musiker und Schriftsteller Sven Regener gemeint, als er in einem Hörfunk-Interview mit dem Bayrischen Rundfunk die Praktiken des illegalen Kopierens anprangerte: Das Urheberrecht werde mit Füßen getreten, unter dem Deckmantel einer coolen Demokratisierung der Kunst würde den Künstlern die Lebensgrundlage entzogen; das sei nichts anderes, „als dass man uns ins Gesicht pinkelt und sagt, euer Kram ist eigentlich nichts wert“.

Natürlich richtete sich der fünfminütige Zorn-Monolog, der Regener die Bewunderung von Künstler-Kollegen und die Ablehnung der Online-Szene eintrug, gegen die Piratenpartei und ihre Sympathisanten samt deren Gratis-Mentalität. Offensichtlich legen sie Eigentum, wie weiland der französische Anarchist Proudhon, als Diebstahl an der Allgemeinheit aus – und verstehen das Urheberrecht nicht als ein existenzsicherndes Schutzschild des Einzelnen gegenüber den Ansprüchen der Vielen, sondern als Hindernis auf dem Weg in ein Schlaraffenland, in dem jedermann das Wahre, Gute und Schöne wie eine reife Frucht vom digitalen Himmel in den Schoß fällt. „Kultur für alle“ – das unerfüllte sozialdemokratische Versprechen des Siebzigerjahre soll endlich Wirklichkeit werden, kosten- und anstrengungslos via Internet. Die Gedanken sind frei – warum sollen sie dann nicht auch frei verfügbar sein?

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Schutz der Schöpfung

Ganz einfach, weil ihre konkrete Gestalt nicht automatisch allen gehört. Weil der Schutz des Eigentums, wie der Rechtsanwalt Konstantin Wegner in der „Süddeutschen Zeitung“ schreibt, erst die ökonomische Basis schafft für Kreativität und kulturelle Vielfalt. Bei aller Euphorie über das Geschenk des Internets gerät eine fundamentale Banalität leicht aus dem Blick: Dass hinter jeder Schöpfung immer auch ein Schöpfer steht, der von diesen Schöpfungen lebt. Deshalb, nur zur Erinnerung: Kunst ist, nach Karl Valentins tiefer Einsicht, schön, macht aber leider viel Arbeit - und sollte deshalb geschützt und anständig bezahlt werden.

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