Urheberrecht: Musiker rechnet mit Youtube ab

Urheberrecht: Musiker rechnet mit Youtube ab

, aktualisiert 23. März 2012, 01:26 Uhr
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Bestseller-Autor Sven Regener bei der Vergabe des Deutschen Hörbuchpreises 2012.

von Bernd KupilasQuelle:Handelsblatt Online

Der Musiker Sven Regener hat in einem Interview eine atemlose Wutrede gehalten. Er rechnet ab mit der Kostenlos-Kultur, wettert gegen Youtube-Deppen und schimpft über die Verlogenheit der Piratenpartei.

In dem fünfminütigen Interview-Ausschnitt, den der Bayerische Rundfunk ins Netz gestellt hat, bricht der erfolgreiche Musiker und Bestseller-Autor („Herr Lehmann“, „Neue Vahr Süd“) eine Lanze für das Urheberrecht – und wehrt sich gegen einen Zeitgeist, der Urhebern ihre Rechte abspricht und für die Leistung von Musikern nicht bezahlen möchte. Wenn Musiker auf ihren Rechten beharrten, würde auf ihnen herumgetrampelt. „Man pinkelt uns ins Gesicht“, schimpft Regener. Er mache Verträge mit Plattenfirmen, „weil wir sonst unsere Musik nicht machen können“. Es werde aber so getan „als machten wir Kunst als exzentrisches Hobby“. Die Urheberrechts-Verweigerer würden damit aber zum Ausdruck bringen: „Euer Kram ist nichts wert, und wir scheißen darauf, was Du willst oder nicht.“ Regener: „Eine Gesellschaft, die so mit ihren Künstlern umgeht, ist nichts wert.“

Rock’n’Roll-Musiker würden „jede Mark, die wir bekommen, selber verdienen“, sagt Regener, „alles andere ist Subventionstheater, alles andere ist Straßenmusik. Aber ich möchte kein Straßenmusiker sein.“ Für Musik zu bezahlen sei eine Frage des Respekts und des Anstands. „So wie es eine Frage des Anstands und Respekts ist, nichts im Supermarkt zu klauen, selbst wenn man wüsste, dass man nicht erwischt würde.“ Man gelte als uncool, wenn man auf dem Urheberrecht beharre, sagt Regener. „Und das letzte, was man als Rockmusiker gebrauchen kann, ist, als uncool zu gelten.“ Also, so Regener, „halten alle schön die Schnauze und schauen weiter zu, wie alles den Bach runter geht“. Längst seien die kleinen, unabhängigen Platten-Labels „alle tot“, schimpft Regener.

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Verlogene Piratenpartei

Regener rechnet auch mit der Video-Plattform Youtube und dessen Mutter Google ab, einem „milliardenschweren Konzern“, der nicht bereit sei, den Künstler etwas zu bezahlen. Weder Google noch Youtube „haben uns irgendetwas zu bieten – außer, was andere Leute geschaffen haben.“ Die großen Internetkonzerne seien als Lobbygruppe viel stärker als die Plattenindustrie, und wenn Künstler sich verweigerten und ihre Videos nicht zur Verfügung stellten, brächten die Konzerne „als Hilfstruppen dann die ganzen Deppen mit, die jammern: „Warum kann ich denn das Video nicht auf Youtube gucken?’“ Weil sich Regner gerade so schön in Rage geredet hat, bekommt auch die Piratenpartei gleich einen Hieb ab. „Der örtliche Chef hier von der Piratenpartei, der hat eine Firma, die machen Apps fürs iPhone – das ist ein geschlossenes System, das ist hundert Prozent Copyright, mit Anwälten, mit allem Drum und Dran.“ Und solche Typen sprächen dann von Freiheit im Internet, echauffiert sich Regener. Die „ganze Verlogenheit“ sei ihm „höchstgradig unangenehm“.

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Im Internet verbreitet sich Regeners Rede gerade wie ein Lauffeuer. In den sozialen Netzwerken wird der Link zu der Audioaufnahme vielfach geteilt und kommentiert. „Nehmt das, ihr verdammten Piraten und Anti-Acta-Bewegten“, kommentiert ein Facebook-Nutzer süffisant. Regeners wütende Worte dürften auch in den kommenden Tagen noch Reaktionen hervorrufen. Sein „Instant-Pamphlet“ (Bayerischer Rundfunk) hat sogar das Zeug, eine grundsätzliche Debatte über das Thema Urheberrecht anzustoßen. Schließlich ist er nicht irgendwer, sondern einer der bekanntesten deutschen Indie-Musiker mit einer großen und treuen Fangemeinde. Erste Gelegenheit für eine Diskussion hätten die Angesprochenen schon dieses Wochenende. Da versammelt sich die nordrhein-westfälische Piratenpartei zu ihrem Landesparteitag in Münster. Mal sehen, wie Regeners Wutrede dort aufgenommen wird.

Quelle:  Handelsblatt Online
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