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Ursula von der Leyen: Auskömmlich, nachhaltig und pfändungssicher

Ursula von der Leyen: "Selbstständige sollten eine Pflicht zur Altersvorsorge haben"

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Schäuble - von der Leyen Quelle: dapd
Suchen das Gespräch: Finanzminister Schäuble und Arbeits- / Sozialministerin von der Leyen. Quelle: dapd

Auskömmlich, nachhaltig und pfändungssicher

Fühlt sich der Vollzeit arbeitende Mann nicht verschaukelt, wenn er mit der Rente kaum seine eingezahlten Beiträge herausbekommt, aber die Teilzeitarbeit einer Frau höher bewertet wird?

Das stimmt nur, wenn sie ausschließlich auf den Beitrag in Geld schauen. Ohne Kinder gibt es für keinen eine Rente. Entweder hat der Vollzeit arbeitende Mann keine Kinder, dann sollte er sich ohnehin an der Finanzierung der Renten und der Erziehungsleistung beteiligen. Oder er hat Kinder und dennoch Vollzeit gearbeitet – dann sollte er sich fragen, wer ihm ermöglicht hat, mit Kindern Vollzeit zu arbeiten. Ich plädiere bei unserer schrumpfenden Gesellschaft dafür, die Lebensleistung aus Erwerbsarbeit, Pflege und Kindern in den Blick zu nehmen.

Ursprünglich hatten Sie geplant, kleine Renten von langjährig Versicherten pauschal auf 850 Euro aufzustocken. Daran gab es viel Kritik. Bessern Sie nach?

Wir werden in unseren Gesetzentwurf viele Anregungen des Rentendialoges aufnehmen. Wer lange Zeit gearbeitet, sich gekümmert und zusätzlich vorgesorgt hat, der kann damit rechnen, dass wir seine jährlichen Rentenbeiträge aufstocken. Wir wollen die erworbenen Rentenpunkte von Arbeit, Kindern und Pflege insgesamt besser stellen. Voraussetzung ist allerdings, dass die Menschen selbst privat vorgesorgt haben. Der Deckel für die Zuschussrente wird bei 850 Euro bleiben.

Bislang ist die Finanzierung umstritten. Wird Ihnen Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble Geld für die Reform bereitstellen?

Wir sind mitten im Gespräch. Schon jetzt ist die Rente ein Mix aus Beiträgen und Steuern, und auch die Zuschussrente wird ein Mix aus Beiträgen und Steuern sein.

Die Selbstständigen müssen sich zurzeit nicht rentenversichern. Sollten sie?

Von den viereinhalb Millionen Selbstständigen ist nach Schätzungen nur eine Million in der gesetzlichen Rentenversicherung oder einem berufsständischen Versorgungswerk abgesichert. Alle Selbstständige sollten im Grundsatz eine Pflicht zur Altersvorsorge haben, weil sonst das Risiko bei der Gemeinschaft liegt, die Grundsicherung zahlt, wenn am Ende das Geld nicht reicht.

Müssen Selbstständige demnach künftig in die gesetzliche Rentenkasse einzahlen?

Nein, es gibt auch andere akzeptable Formen verlässlicher Altersvorsorge. Es muss eine Wahlmöglichkeit geben. Der Porsche in der Garage oder der Rembrandt an der Wand werden sicher nicht reichen. Die Altersvorsorge für Selbstständige muss auskömmlich, nachhaltig und pfändungssicher sein.

Viele Selbstständige werden Sie mit einer Vorsorgepflicht nicht begeistern.

Es wird Widerstand geben vor allem von jenen, die bisher keine Altersvorsorge betreiben. Die werden fragen: Warum zwingt ihr mich? Irgendwann werde ich das große Geld verdienen, dann wird es reichen. Die Lebenserfahrung zeigt aber, dass diese Pokerei zu oft schiefgeht. Trittbrettfahrer auf Kosten der Allgemeinheit darf es nicht geben.

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15 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 18.05.2012, 22:15 UhrAnonymer Benutzer: no.name

    Es stimmt, daß es ein Altersarmutsproblem gibt- bei Selbständigen und Arbeitnehmern. Einige Staaten und Institutionen sagen, das läge an zu niedrigen Einkommen, diese müßten folglich erhöht werden. Andererseits, wo soll in jüngster Zeit, das Geld dafür herkommen- Arbeitgeber sind auch oft insolvent oder haben Sparvorgaben, unsere EU-Staaten/Kommunen/Bundesländer haben auch oft kaum finanzielle Spielräume, um zu geringe Einkommen/Renten aufzustocken oder zu subventionieren. Arbeitnehmer und Selbständige können auch nicht immer mehr Beiträge zahlen- eine Höherversicherung in der gesetzlichen Rentenversicherung ist auch nicht mehr möglich, falls eine solche gewünscht wäre. Die Verdienste sind zudem noch schwankend- Vollbeschäftigung, Überstunden, Kurzarbeit,, bis zu Sozialhilfe können sich im Laufe der Jahre abwechseln. Unsere Sozialsysteme sind bisher nicht flexibel, um auch zudem noch Auslandszeiten mit zu berücksichtigen. Die Sozialversicherung, wie sie von Kanzler Adenauer weiterentwickelt wurde, paßt immer weniger auf die Erwerbsbiographien. Sie ist zu reformieren, nur in welche Richtung- das ist die Frage. Gute Ideen werden leider nicht immer zu guten Gesetzen- dank den vielen Lobbys. Anstatt die PrivatVersicherungen weiter zu fördern, könnten flexiblere Regelungen auch in der gesetzlichen Sozialversicherung eingerichtet werden. Die Privatversicherungen haben in der Finanzkrise selbst ihre eigenen finanziellen Probleme und Schwächen. Die letzte große Weltwirtschaftskrise und Hyperinflation in den 20/30igern und den Weltkriegen hat v.a. die staatliche Rentenversicherung überlebt. Die meisten Versicherungsgesellschaften sind dadurch endgültig verschwunden und die Renten ihre Kunden mit. Frau von der Leyen hat das Altersarmutsproblem richtig erkannt. Wenn im bisherigen Lösungsmuster weiter verfahren wird, sind Nebenwirkungen unerwünschter Art gehäuft zu erwarten. Die Agenda 2010 ist solch ein Beispiel.

  • 14.04.2012, 06:12 UhrAnonymer Benutzer: pedro

    Die CDU ist nicht mehr wählbar da von der Banken und Versicherungswirtschaft geführt.
    Das sind keine Politiker mehr.

  • 13.04.2012, 22:50 UhrAnonymer Benutzer: ohne-Hoffnung

    "Pokern auf Kosten der Allgemeinheit dürfe es nicht mehr geben."

    Mir grausst es vor soviel Sachverstand! Alles ander als Rentenversicherung ist also "Pokerspiel"?

    Das von der Regierung die aberhunderte Milliarden im grieschen-Poker einsetzt, auf Kosten der Allgemeinheit!

    Ein Finannzberater der Anleger zu an diesen Poklertisch setzt wird eingebuchtet, was wird mit unsere Politiker geschehen, wenn die Karten auf den Tisch kommen?

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