
Die alternde Gesellschaft
Tun die Arbeitgeber genug, um Ältere auf dem Arbeitsmarkt zu halten?
Noch zu viele Arbeitgeber sehen zwar die alternde Gesellschaft, ziehen aber keine Konsequenzen für den eigenen Betrieb. Die Weiterbildung beispielsweise bricht bei den 50-Jährigen schlagartig ab. Außerdem müssen wir in jenen Berufen, die körperlich anstrengen, mehr auf kräfteschonende Verfahren setzen. Vor allem brauchen wir mehr Prävention psychischer Erkrankungen, die durch den Wandel der Arbeitswelt enorm zunehmen. Sie sind inzwischen der häufigste Grund für die Erwerbsminderungsrente. Viele 40-Jährige steigen heute aus dem Arbeitsleben aus, weil sie ausgebrannt sind.
Und wieso mischt sich die Politik da ein?
Als Ministerin bin ich für den Arbeitsschutz zuständig. Die bestehenden Gesetze regeln nicht nur den Schutz vor körperlichen Gefahren, sondern auch vor psychischen, das weiß nur kaum jemand. Das Arbeitsschutzgesetz ist knallhart, es geht bei Verstößen von saftigen Geldbußen über Betriebsstilllegungen bis hin zu Freiheitsentzug für Unternehmensverantwortliche, die das Thema hartnäckig ignorieren.
Wollen Sie es noch verschärfen?
Das ist nicht nötig, weil es meist nicht am guten Willen, sondern eher am Wissen mangelt. Es geht um praktische Anleitung, Techniken, Gefährdungsanalysen und Lösungen, aber natürlich auch um Erfolgskontrolle
Entlastet das die Sozialsysteme?
Mittelfristig auf alle Fälle. Allein die jährlichen Behandlungskosten für psychische Erkrankungen werden heute auf 27 Milliarden Euro geschätzt. Auch die Rentenversicherung muss in jedem Jahr Milliarden Euro für Rehabilitation oder Erwerbsminderungsrenten für Menschen aufbringen, die aus psychischen Gründen nicht mehr arbeiten können. Hier schlummert ein enormes Sparpotenzial.
Von Entlastungen ist nicht viel zu sehen. Sie versprechen milliardenschwere Leistungsausweitungen in der Rentenversicherung. Ist das Sparen vorbei?
Natürlich muss die Rente immer auf ihre finanzielle Balance achten. Die nachkommende Generation wird viel arbeiten müssen, um die Generation ihrer Eltern im Alter gut versorgen zu können. Die Älteren werden länger arbeiten müssen. Trotzdem sollte die Rente als gerecht akzeptiert werden.
Und gerecht bedeutet, dass es teurer wird? Allein Ihre Pläne für eine Zuschussrente werden die Rentenkasse rund drei Milliarden Euro kosten.
Genaue Zahlen gibt es noch nicht. Aber Schutz vor Altersarmut ist nicht zum Nulltarif zu haben. Mein geschätzter Vorgänger Norbert Blüm hat mal gesagt. Die Rente ist sicher...
...ist sie das?
...ich würde den Satz gern erweitern: Die Rente ist so sicher, wie noch sicher ist, dass wir Kinder haben. Das hat die Rentenversicherung, die ja auf einem Generationenvertrag basiert, nie wirklich berücksichtigt. Es gibt Frauen, die Kinder erzogen, privat vorgesorgt und Teilzeit gearbeitet haben. Diese Frauen stellen am Ende fest, dass ihre Rente zum Lebensunterhalt nicht reicht. Sie landen in der Grundsicherung wie jemand, der nie fürs Alter vorgesorgt hat. Da bricht die Gerechtigkeit. Das Gleiche gilt für den Geringverdiener, der sein Leben lang gearbeitet hat und als Rentner trotzdem Grundsicherung beantragen muss. Hier greift künftig unsere Zuschussrente.














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Alle Kommentare lesen18.05.2012, 22:15 UhrAnonymer Benutzer: no.name
Es stimmt, daß es ein Altersarmutsproblem gibt- bei Selbständigen und Arbeitnehmern. Einige Staaten und Institutionen sagen, das läge an zu niedrigen Einkommen, diese müßten folglich erhöht werden. Andererseits, wo soll in jüngster Zeit, das Geld dafür herkommen- Arbeitgeber sind auch oft insolvent oder haben Sparvorgaben, unsere EU-Staaten/Kommunen/Bundesländer haben auch oft kaum finanzielle Spielräume, um zu geringe Einkommen/Renten aufzustocken oder zu subventionieren. Arbeitnehmer und Selbständige können auch nicht immer mehr Beiträge zahlen- eine Höherversicherung in der gesetzlichen Rentenversicherung ist auch nicht mehr möglich, falls eine solche gewünscht wäre. Die Verdienste sind zudem noch schwankend- Vollbeschäftigung, Überstunden, Kurzarbeit,, bis zu Sozialhilfe können sich im Laufe der Jahre abwechseln. Unsere Sozialsysteme sind bisher nicht flexibel, um auch zudem noch Auslandszeiten mit zu berücksichtigen. Die Sozialversicherung, wie sie von Kanzler Adenauer weiterentwickelt wurde, paßt immer weniger auf die Erwerbsbiographien. Sie ist zu reformieren, nur in welche Richtung- das ist die Frage. Gute Ideen werden leider nicht immer zu guten Gesetzen- dank den vielen Lobbys. Anstatt die PrivatVersicherungen weiter zu fördern, könnten flexiblere Regelungen auch in der gesetzlichen Sozialversicherung eingerichtet werden. Die Privatversicherungen haben in der Finanzkrise selbst ihre eigenen finanziellen Probleme und Schwächen. Die letzte große Weltwirtschaftskrise und Hyperinflation in den 20/30igern und den Weltkriegen hat v.a. die staatliche Rentenversicherung überlebt. Die meisten Versicherungsgesellschaften sind dadurch endgültig verschwunden und die Renten ihre Kunden mit. Frau von der Leyen hat das Altersarmutsproblem richtig erkannt. Wenn im bisherigen Lösungsmuster weiter verfahren wird, sind Nebenwirkungen unerwünschter Art gehäuft zu erwarten. Die Agenda 2010 ist solch ein Beispiel.
14.04.2012, 06:12 UhrAnonymer Benutzer: pedro
Die CDU ist nicht mehr wählbar da von der Banken und Versicherungswirtschaft geführt.
Das sind keine Politiker mehr.
13.04.2012, 22:50 UhrAnonymer Benutzer: ohne-Hoffnung
"Pokern auf Kosten der Allgemeinheit dürfe es nicht mehr geben."
Mir grausst es vor soviel Sachverstand! Alles ander als Rentenversicherung ist also "Pokerspiel"?
Das von der Regierung die aberhunderte Milliarden im grieschen-Poker einsetzt, auf Kosten der Allgemeinheit!
Ein Finannzberater der Anleger zu an diesen Poklertisch setzt wird eingebuchtet, was wird mit unsere Politiker geschehen, wenn die Karten auf den Tisch kommen?