Ursula von der Leyen: "Hire and Fire geht zuende"

Ursula von der Leyen: "Hire and Fire geht zuende"

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CDU-Parteivorsitzende von der Leyen im Steinsaal des Bundesarbeitsministeriums

von Henning Krumrey und Cornelia Schmergal

Die Bundesarbeitsministerin über die neue Abhängigkeit der Chefs von ihren Beschäftigten, die Arbeitswelt der Zukunft und wie sie selbst Beruf und Privates trennt.

WirtschaftsWoche: Frau von der Leyen, in den nächsten Jahren wird die Zahl der Arbeitskräfte in Deutschland dramatisch fallen. Löst die Demografie ganz automatisch das Problem Arbeitslosigkeit?

Von der Leyen: Das ist mit Sicherheit kein Selbstläufer. Der demografische Wandel birgt Risiken und Chancen: Die Arbeitsmöglichkeiten verteilen sich auf weniger Menschen, gleichzeitig steigt die Nachfrage nach Fachkräften. Künftig wird es daher entscheidend sein, ob die Berufe und Qualifikationen der Arbeitsuchenden zu den Anforderungen der Arbeitgeber passen.

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Die Erfahrung zeigt: Sie passen oft nicht zusammen.

Genau. Wenn wir diesen Prozess gut lenken, werden in Zukunft zwar weniger Menschen arbeiten, aber innovativer und effizienter. Wenn wir die Wende aber verstolpern, droht das Szenario eines wachsenden Fachkräftemangels mit gleichzeitig hoher Arbeitslosigkeit. Dagegen müssen wir etwas tun.

Müssen Arbeitnehmer flexibler werden?

Der Markt dreht sich. Nicht mehr nur die Arbeitgeber werden künftig Flexibilität einfordern, sondern die Fachkräfte selbst. Natürlich werden Menschen mit geringer Qualifikation auch dann mal zwischen den Betrieben hin und her wechseln müssen. Die Fachkräfte sind aber in einer anderen Position.

Sie glauben also, dass sich das Abhängigkeitsverhältnis der Arbeitnehmer von den Arbeitgebern umkehren wird?

Die eher amerikanische Hire-and-fire-Philosophie geht ihrem Ende zu.

Dann müsste es mit der Vollbeschäftigung doch bald wieder klappen.

Deutschlands Stärke ist seine Innovationskraft. Vollbeschäftigung kann es daher nur geben, wenn wir auch in Zukunft genügend gut qualifizierte Menschen finden. Fehlen uns Fachkräfte, hat die Industrie nur drei Reaktionsmöglichkeiten: Erstens könnte sie Betriebe ins Ausland verlagern – das wäre für die Arbeitnehmer hier schlecht. Zweitens könnte sie Arbeit verdichten oder die Wochenstundenzahl erhöhen. Das katapultiert aber alle aus dem Erwerbsleben, die Kinder oder Eltern pflegen. Die dritte Möglichkeit ist die Automatisierung – das aber zerstört Jobs für gering Qualifizierte. Wenn wir wieder Vollbeschäftigung wollen, dann müssen wir darauf achten, dass die Art der Jobs und die Qualifikation der Arbeitsuchenden zueinanderpassen. Dabei dürfen wir die Gruppen nicht vergessen, die bislang weit unter ihren Möglichkeiten arbeiten.

Wen genau meinen Sie damit?

Wir müssen Arbeitsuchende so qualifizieren, dass sie den Wiedereinstieg schaffen. Vor allem aber müssen wir das Erwerbsleben für die vielen gut ausgebildeten Frauen attraktiver machen, die heute aus freien Stücken nicht oder nur wenige Stunden berufstätig sind. Sie brauchen anständige Löhne, Führungsperspektiven und Ganztagsschulen für ihre Kinder.

Werden die Unternehmen nicht zwangsläufig um diese Gruppen werben, wenn ihnen die Mitarbeiter ausgehen?

Das müssen Unternehmen und Politik gemeinsam angehen. Nehmen Sie mal die älteren Arbeitnehmer. Hier hat die Politik in den vergangenen Jahren viele Hausaufgaben gemacht und viele Fehlanreize beendet: Wir haben die Altersteilzeit auslaufen lassen und führen schrittweise die Rente mit 67 ein. Jetzt spielt die Musik bei den Unternehmen, die für die Älteren neue Arbeitsformen finden müssen. Wer kräfteschonende Produktionsstraßen entwickelt, kann damit Marktführer werden und diese Innovationen ins Ausland exportieren.

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