Ursula von der Leyen im Interview: „Kitas bringen Produktivität“

Ursula von der Leyen im Interview: „Kitas bringen Produktivität“

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Familienministerin Ursula von der Leyen

Die Familienministerin kündigt ein neues Förderprogramm für Betriebskindergärten an.

WirtschaftsWoche: Frau von der Leyen, Unternehmen sollen Gewinne erwirtschaften und Arbeitsplätze schaffen. Warum sollen sie sich auch noch um die Kinderbetreuung kümmern?

Von der Leyen: Der demografische Wandel macht Fachkräfte rar. Unternehmen werden eine höhere Produktivität haben, wenn es ihnen heute gelingt, Fachkräfte zu binden. Das sind häufig junge Väter und Mütter. 80 Prozent der jüngeren Arbeitnehmer sagen, sie würden den Arbeitgeber wechseln, wenn die Vereinbarkeit von Beruf und Familie nicht mehr stimmt. Jeder vierte hat dies schon getan. Mir sagte neulich ein renommiertes Unternehmen in Hamburg: Wenn Headhunter bei uns anrufen, sagen unsere Väter und Mütter, wir bleiben hier, auch wenn das Angebot finanziell attraktiver ist. Hier haben wir eine gute, flexible Kinderbetreuung.

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Sie wollen deshalb Betriebskindergärten fördern. Wie?

Ab heute stellen wir aus dem Europäischen Sozialfonds 50 Millionen Euro für neue Plätze in Betriebskitas bereit. Wir fördern maximal 6000 Euro Betriebskosten pro Kind und pro Jahr, über zwei Jahre. Dieses Geld steht Unternehmen mit weniger als 1000 Beschäftigten bis 2011 zur Verfügung.

Wie beantragt man die Förderung?

Infos gibt es im Internet – www.erfolgsfaktorfamilie.de – oder bei der Servicestelle unter der Telefonnummer 0 80/00 00 09 45

Mit wie vielen zusätzlichen Plätzen rechnen Sie?

In den Betriebskitas können bis zu 4300 neue Plätze für Kinder unter drei Jahren entstehen.

Werden staatliche und private Kitas gleich behandelt?

Ja, denn der Bund fördert ja nicht nur die Betriebskitas, sondern seit Januar 2008 mit vier Milliarden Euro auch das große Programm des allgemeinen Ausbaus der Betreuung für Kinder unter drei Jahren. Gefördert werden dabei sowohl gemeinnützige als auch privat-gewerbliche Träger.

Bisher wurden gemeinnützige Träger etwa bei Subventionen bevorzugt. Dies will die Regierung noch in diesem Jahr abschaffen. Was ändert sich dann?

Es entsteht ein vielfältiges, flexibles Angebot für die Eltern.

Wie entwickelt sich die Gesamtzahl der Kitas?

Sie nimmt schon deshalb zu, weil immer mehr Träger erkennen: Unsere enormen Wartelisten können wir jetzt zügig abbauen, weil das nachhaltig finanziert wird. Seit Januar können Mittel aus den vier Milliarden Euro abgerufen werden, um Plätze für die unter Dreijährigen auszubauen. Gerade für Eltern mit dem ersten Kind ist es sehr wichtig, positive Erfahrung mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu machen. Dann haben sie eher den Mut zum zweiten und dritten Kind.

Noch streiten sich CDU und SPD um das geplante Betreuungsgeld. Die SPD möchte keine Transfers an Eltern, die ihr Kind zu Hause behalten. Haben Sie den Streit mit dem Finanzminister schon beigelegt?

Wir reden noch in diesem Monat darüber. Ich bin sicher, dass wir eine Lösung finden, denn SPD und Union stehen geschlossen hinter dem Ziel, bis 2013 die Betreuung bedarfsgerecht auszubauen. Niemand wird dieses große Ziel aufs Spiel setzen.

Vier Milliarden steckt der Bund in den Ausbau der Kitas. Gleichzeitig will die Union 2009 das Kindergeld erhöhen, pro Kind um etwa zehn Euro. Davon haben die Familien kaum etwas, aber den Staat kostet es zwei Milliarden Euro. Ist das nicht Politik mit der Gießkanne?

Eltern brauchen gute Kindergärten und Schulen, aber genauso gezielte finanzielle Hilfen. Das Kindergeld bekommen nur die fleißigen Familien mit kleinen Einkommen. Eltern, die zusammen über 63.000 Euro pro Jahr verdienen, nutzen den höheren Steuerfreibetrag. Hartz IV-Empfänger erhalten das rund 50 Euro höhere Sozialgeld. Das heißt, wenn jemand drei Kinder hat und Arbeit aufnimmt, fallen ihm pro Kind schon mal 50 Euro Sozialgeld weg, weil er dann nur noch Kindergeld bekommt. Diese 150 Euro muss er erst mal am Markt netto mehr verdienen. Das Kindergeld sollte erhöht werden, um diese Schwelle am Arbeitsmarkt zu senken.

Sollen Familien für jedes Kind dieselbe Summe erhalten?

Ich will gezielt kinderreichen Familien helfen. Das Kindergeld soll nach Geschwistern höher gestaffelt werden, damit Eltern, die erwerbstätig sind und mehrere Kinder haben, gestärkt werden. Ab dem dritten oder vierten Kind steigen die sogenannten Sprungfixkosten: Sie brauchen eine größere Wohnung, die Waschmaschine läuft öfter. Und: Spätestens ab drei Kindern ist es eine Heldentat, alles zu wuppen, wenn beide Eltern arbeiten.

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