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Urteil: Verfassungsgericht: Mehr Geld für Flüchtlinge

von Konrad Fischer

Die staatlichen Hilfen für Asylbewerber müssen in etwa auf das Niveau von Sozialhilfe und Hartz IV erhöht werden. Dies hat das Bundesverfassungsgericht entschieden.

Bundesverfassungsgericht Quelle: dapd
Entscheidung in Karlsruhe. Wie hoch darf die finanzielle Zuwendung für Asylbewerber ausfallen? Quelle: dapd

Die Höhe der Geldleistungen von 225 Euro sei evident unzureichend, weil sie seit 1993 trotz erheblicher Preissteigerungen in Deutschland nicht verändert worden sei, urteilte der erste Senat. Die entsprechenden Regelungen seien daher mit dem Grundrecht auf Gewährleistung eines menschenwürdigen Existenzminimums unvereinbar. Der Gesetzgeber müsse die Leistungen unverzüglich neu festsetzen. Bis zu einer Neuregelung müssten die rund
130.000 Asylbewerber und Flüchtlinge ab sofort und zum Teil rückwirkend Leistungen erhalten, die sich an den Sozialleistungen für Deutsche orientierten. (Az.: 1 BvL 2/11) Der Senat entschied über eine Vorlage des
Landessozialgerichtes Nordrhein-Westfalen. Dem Gericht liegen die Klagen eines irakischen Kurden und einer inzwischen eingebürgerten minderjährigen Tochter einer seit 14 Jahren in Deutschland lebenden Nigerianerin vor. Das Gericht hielt die Leistungen für zu niedrig und daher für verfassungswidrig.

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Beispiel zeigt: Besser nicht arbeiten!

Der Unterschied zwischen dem Dorf Roßdach und einem Gefängnis offenbart sich Siamak Wosoughi Parsa nur einmal am Tag, frühmorgens um 6.05 Uhr. Das ist die Zeit, wenn der Frankenbus Nummer 968 das 97-Seelen-Dorf am Rande der Fränkischen Schweiz passiert. Es ist der einzige Bus am Tag, und er bringt ihn nach Bamberg. Weiter darf Parsa nicht, denn für ihn gilt „Residenzpflicht“, er darf den Landkreis nicht verlassen, aber immerhin. Denn in Roßdach ist es für ihn und die anderen 22 Flüchtlinge aus allen Herren Ländern kaum auszuhalten. In einer ehemaligen Pension sind sie untergebracht, teilen sich eine Waschmaschine, es gibt zwar zwei kleine Küchen, aber keinen Kühlschrank. Das Essen bekommen Sie vom Amt zugeteilt, es ist immer das gleiche.

Ihre einzige Beschäftigung dort: warten. Auf eine Entscheidung des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge, das in Deutschland über Asylgesuche entscheidet. Deutsch lernen, arbeiten, Verwandte besuchen, alles verboten. Deshalb ist Parsa beim letzten Mal nicht wieder zurückgefahren sondern in Bamberg geblieben. Mit zwei anderen Flüchtlingen hat er in der Innenstadt ein Zelt aufgeschlagen und ein Plakat davorgestellt, um auf die unmenschliche Situation aufmerksam zu machen.

Jenseits jeder humanitären Regel

Parsa ist einer von 120.000 Menschen, die in Deutschland jenseits jeder humanitären Regel ihr Dasein fristen. Heute entscheidet das Bundesverfassungsgericht, ob das zulässig ist, zumindest der gesunde Menschenverstand muss diese Frage rundheraus verneinen. Seit 1993 gilt für Flüchtlinge in Deutschland das Asylbewerberleistungsgesetz, das ihnen Leistungen im Wert von 225 Euro zugesteht. Das war schon damals wenig, dennoch wurde der Satz seitdem nie angepasst, obgleich die Verbraucherpreise inzwischen um mehr als 35 Prozent gestiegen sind.

Schon in der Verhandlung hat das Gericht erkennen lassen, dass es mehr als skeptisch ist, was die Rechtmäßigkeit der Sätze angeht. Die meisten Beobachter gehen deshalb davon aus, dass es die Leistungen für verfassungswidrig erklären wird. Wie nach dem Urteil über die Hartz-IV-Sätze müsste dann ein neues Gesetz her. Doch im Gegensatz dazu kann es diesmal nicht darum gehen, um einstellige Eurobeträge zu feilschen, sondern das Asylrecht grundlegend zu modernisieren.

3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 18.07.2012, 12:00 UhrWerner

    Unhaltbar ist nicht der Geldbetrag den sie bekommen - dazu kommt ja noch einiges mehr an Sachleistungen - unhaltbar ist der Zustand, dass diese Leute nicht die Chance erhalten sich zu beweisen. Asylbewerber die hierher kommen brennen oft vor Ehrgeiz. Viele der jungen Leute träumen davon eine handwerkliche Ausbildung zu erhalten und dann bei uns ein normales Leben zu führen oder anschliessend in ihre Heimat zurückzugehen - was wären das für Botschafter für unser Land.
    Stattdessen sind sie gezwungen hier Zeit abzusitzen, sie sehen wie ihr Leben unnütz dahinfliesst, und alle halbe Jahr muss der deutsche Anwalt bestochen werden, damit die Verlängerung durchgeht. Ein Trauerspiel, verordnet von Politikern die ganz nah am Volk sind, direkt am Stammtisch.

  • 18.07.2012, 11:21 UhrNichtDumm

    Dann aber bitte trotzdem weiterhin und generell in allen Bundesländern als Sachleistung. Sonst werden die sog. Asylbewerber wieder bei uns Schlange stehen und die Empfänger von Harz 4 Leistungen werden zu Asylanten degradiert im eigenen Land.

  • 18.07.2012, 10:12 UhrRealist

    Sozialromantik pur! Mir wird schon ganz warm ums Herz...

    Aber leider ist die BRD vollkommen pleite und hat eigentlich keinen Cent um jetzt noch Horden von Asylbewerbern zu finanzieren. Ich bezweifle dann auch stark, dass es sich hierbei um einen Ingenieurs, Chefarzt oder Facharbeiterstrom aus Afrika handelt. Darüber hinaus ist dem Autor wohl nicht klar das irgendwelche Abschlüsse aus dem Kongo und Co. in der BRD aus gutem Grund nicht anerkannt werden. Sie entsprechen nämlich gewaltig niedrigeren Standards als ihre deutschen Pendants.
    Deshalb ist mehr als fraglich, ob diese Leute dem deutschen Arbeitsmarkt am Ende nicht als Niedriglohnsklaven dienen, die nur weiteren Druck auf den Niedriglohnsektor aufbauen. Damit ist weder denen noch unseren niedrigqualifizierten Leuten geholfen. Der Staat müsste denen gleich eine Ausbildung oder Studium finanzieren, was utopisch ist und noch nichtmal mit Einheimischen passiert. Vorher brauchen die natürlich alle jahrelange Sprachkurse und müssten sich einleben.

    Naja setzt man Anreize für einen schönen Aufenthalt in der BRD, dann haben wir bald ein neues Kostenproblem.

    Man sollte lieber nachgewiesenermaßen qualifizierte Leute (wie in den USA gerade praktiziert) ins Land holen und nicht irgendwelche Bürgerkriegsflüchtlinge, deren einzige Qualifikation das schnelle Nachladen einer AK 47 ist und der Hoffnung, dass sich dahinter ein Ingenieur verbirgt.

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