Verbraucherlaune: Konsumenten im Benzinpreis-Würgegriff

Verbraucherlaune: Konsumenten im Benzinpreis-Würgegriff

Bild vergrößern

Das Konsumklima in Deutschland wird getrübt

Ständig neue Rekordstände an den Zapfsäulen und weitere drohende Preiserhöhungen haben der Verbraucherstimmung in Deutschland wieder einen Dämpfer versetzt.

Nach einem vorübergehenden Anstieg von 4,7 auf 5,6 Punkte im Mai erwartet die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) in Nürnberg einen Rückgang des Konsumklimaindex auf 4,9 Punkte. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Analysten hatten lediglich mit einem leichten Rückgang gerechnet. Neben der zunehmenden Inflation machten den Verbrauchern Ängste vor einem Abflauen der Konjunktur zu Schaffen, schrieben die Forscher. Dies überlagere positive Faktoren wie den jüngsten Abbau der Arbeitslosigkeit.

Die alltägliche Präsenz des Themas Inflation lasse die Verbraucher zunehmend um ihre Kaufkraft fürchten, sagte GfK- Konsumforscher Ralf Bürkl in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. So ist der Indikator für die Konjunkturerwartung im Mai um knapp zehn Zähler gesunken. Er erreichte mit 13,4 Punkten den niedrigsten Wert seit Dezember 2006.

Anzeige

Die Diskussion um steigende Preise überlagert nach Angaben der GfK auch die positiven Tarifergebnisse der vergangenen Monate. Vor allem wegen der hohen Energiekosten gehen die Verbraucher davon aus, weniger Geld in der Tasche zu haben. Der Indikator für die Einkommenserwartungen sackte nach drei Monaten mit Zuwächsen nun um 14,8 Zähler ab und liegt nun 4,3 Punkte im Minus. Nach der Befragung von 2000 Verbrauchern brach auch der Indikator für die Einkommenserwartung im Mai um 14,8 Zähler auf minus 4,3 Punkte ein. Als Folge der Inflationsängste ging auch die Anschaffungsneigung um 15,7 Zähler auf minus 20,4 Punkte zurück.

Allerdings sei die deutsche Wirtschaft noch in einer so robusten Verfassung, dass die Inflationsrate von zuletzt 2,4 Prozent noch nicht auf die Konjunktur durchschlage. „Die Gefahr einer Rezession sehe ich nicht“, sagte Bürkl. Bereits für Mai sei aber wieder mit einem Anstieg der Inflationsrate zu rechnen, durch die ein Großteil der Lohn- und Gehaltssteigerungen aufgezehrt werde. „Es wird von der weiteren Entwicklung der Lebenshaltungskosten abhängen, ob sich die günstigen Rahmenbedingungen wie der florierende Arbeitsmarkt wieder durchsetzen und die Konsumlust beflügeln“, erklärte Bürkl.

„Auch die gute Beschäftigungsentwicklung mit den daraus resultierenden positiven Effekten für die Einkommensentwicklung wird derzeit vom Thema Inflation in den Schatten gestellt“, so die GfK. Die Finanzkrise und schlechte Signale aus den USA trübten zudem die Erwartungen für die Entwicklung der Wirtschaft ein. Mit 13,4 Punkten liegt das Barometer knapp zehn Zähler unter seinem Niveau vom April. Die Verbraucher trauten der Wirtschaft offensichtlich nicht zu, dass sie ihr Tempo vom ersten Quartal halten kann, und stellten sich auf eine Abkühlung ein. In den ersten drei Monaten war das Bruttoinlandsprodukt mit 1,5 Prozent so stark gewachsen wie seit etwa zwölf Jahren nicht mehr.

Größere Käufe legen die Verbraucher deswegen erst einmal auf Eis. Die Anschaffungsneigung brach um 15,7 Zähler auf minus 20,4 Punkte ein. Dies dürfte in erster Linie auf die Inflationsängste zurückzuführen sein, teilte die GfK mit. „Wenn aufgrund gestiegener Energie- und Lebensmittelpreise sowie der Furcht vor weiteren Preiserhöhungen mehr finanzielle Mittel gebunden werden, stehen sie für andere Anschaffungen nicht zur Verfügung.“ Entscheidend für die weitere Entwicklung des Konsumklimas sei, ob die Inflation nachlasse. „Nur wenn die Haushalte davon ausgehen können, dass ihr Einkommen auch real in diesem Jahr steigen wird und zudem die Inflationsängste weichen, werden sie auch wieder verstärkt ihren Geldbeutel öffnen.“

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%