Verbraucherministerin Ilse Aigner: "Wir Deutschen sollten unsere Esskultur mehr pflegen"

Verbraucherministerin Ilse Aigner: "Wir Deutschen sollten unsere Esskultur mehr pflegen"

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Ilse Aigner

von Christian Ramthun

Die Ernährungsindustrie trickst, und Verbraucher sind achtlos, sagt die Ministerin und will eine neue Esskultur.

WirtschaftsWoche: Frau Ministerin, kommt bei Ihnen Tiefkühlpizza auf den Tisch?

Aigner: Ich koche lieber selbst, mit frischen Zutaten vom Markt. Aber wenn es schnell gehen muss, der Kühlschrank leer ist und der nächste Termin drängt, ist es nicht schlecht, wenigstens eine Pizza im Tiefkühlfach zu haben – für den Notfall.

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Dann essen Sie also auch Analogkäse und Klebeschinken?

Ich achte beim Einkaufen genau auf die Zutaten, auch wenn solche Imitate unter gesundheitlichen Aspekten völlig unbedenklich sind…

... aber auch nicht das, was die Verbraucher auf einer Pizza erwarten.

Das ist richtig. Deshalb muss das auf der Verpackung gekennzeichnet sein.

Gucken Sie immer nach?

Früher weniger, aber heute schaue ich genauer hin. Im Prinzip sind Imitate anhand der Zutatenliste zu erkennen. Wenn etwa nur pflanzliche Fette draufstehen, ist kein richtiger Käse drin. Problematisch wird es bei Mischungen. Dann kann es ein Verbraucher kaum erkennen.

Dann werden die Verbraucher also getäuscht?

Deshalb möchte ich, dass auf Analogkäse oder auch Klebeschinken auf der Packung gut sichtbar hingewiesen wird. Dies können wir aber nicht im nationalen Alleingang regeln, weil alle verpflichtenden Kennzeichnungen europäisches Recht sind.

Das kann dauern. Wie lange werden die Verbraucher wegen Brüssel noch versehentlich zur Analogkäsepizza greifen?

Schwer zu sagen. Auch wenn es zuweilen ein einsamer Kampf ist: Wir dringen in Brüssel auf eine unmissverständliche Kennzeichnung. Viele im Europäischen Parlament sind auf unserer Seite, aber die EU-Kommission und einige Mitgliedstaaten sind noch zurückhaltend.

Neben den mickrigen Kennzeichnungen stechen die opulenten Serviervorschläge hervor. Führt die Ernährungsindustrie uns Verbraucher planmäßig hinters Licht?

Wenn keine Kirsche im Joghurt drin ist, darf auch keine Kirsche drauf sein. Die zuständigen Kontrollbehörden der Bundesländer müssen Hinweisen auf Täuschung nachgehen und Rechtsverstöße entschlossener und konsequenter ahnden. Eine andere Frage ist, wie viel Kirsche ein Kirschjoghurt enthalten muss? 100 Prozent Frucht geht nicht, sonst wäre kein Platz mehr für den Joghurt. Aber welcher Anteil ist ausreichend?

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