Verfassungsschutz: Nazi-Trio sollte zum Aussteigen bewegt werden

Verfassungsschutz: Nazi-Trio sollte zum Aussteigen bewegt werden

, aktualisiert 03. Dezember 2011, 12:15 Uhr
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Beate Zschäpe (l-r), Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos - das Nazi-Trio soll weitere Kreise gezogen haben.

Quelle:Handelsblatt Online

Mit milderen Strafen wollte der Verfassungsschutz das mörderische Nazi-Trio zum Ausstieg überreden. Doch der Plan scheiterte. Offenbar waren die drei in mehr Attentate verstrickt als bisher angenommen.

Jena/BerlinDer Thüringer Verfassungsschutz wollte das Jenaer Neonazi-Trio 1999 mit einem Ausstiegsangebot aus dem Untergrund holen, behauptet der damalige Anwalt von Uwe Böhnhardt, Gerd Thaut. Doch die Staatsanwaltschaft habe sich geweigert, den drei ein Jahr zuvor untergetauchten Bombenbauern im Gegenzug eine mildere Strafe zu versprechen, sagte er dem Nachrichtenmagazin „Focus“. Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe waren 1998 untergetaucht, nachdem ihre vier selbstgebauten Rohrbomben entdeckt worden waren. 

Thaut berichtete, ein Verfassungsschutz-Mitarbeiter habe im März 1999 seine Kanzlei aufgesucht und - angeblich im Auftrag von Behörden-Chef Helmut Roewer - vorgeschlagen, die Drei nicht wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung zu belangen, sondern nur wegen Sprengstoffbesitzes. Er, Thaut, habe das Angebot Böhnhardts Mutter übermittelt, die die Initiative unterstützt habe. Der damals zuständige Geraer Oberstaatsanwalt Arndt Peter Koeppen habe eine Absprache zur Strafminderung jedoch mit der Begründung abgelehnt, die Untergetauchten würden ohnehin bald gefasst. 

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Unterdessen soll sich der inhaftierte mutmaßliche Helfer des Trios, Holger G. aus Niedersachsen, zu den Vorwürfen gegen ihn umfangreich geäußert haben. Dabei soll der 37-Jährige andere Unterstützer der Zelle belastet haben, berichtet das Magazin unter Berufung auf einen Ermittler. G. wird vorgeworfen, dem Trio seine Papiere überlassen zu haben 

Wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtete,  besteht offenbar eine Verbindung zwischen dem Bombenanschlag auf die Wehrmachtsausstellung in Saarbrücken im Frühjahr 1999 sowie einer Serie von Brandstiftungen im saarländischen Völklingen zu den mutmaßlichen Terroristen aus Zwickau. 

Nach Informationen der „FAZ“ erhielt eine türkische Einrichtung in Völklingen die zwölfte DVD, die die mutmaßliche Komplizin von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt, Beate Zschäpe, nach dem Tod der beiden Männer am 4. November an verschiedene Medien und  Organisationen verschickt hatte. Überdies hätten sich in einem Drohbrief, der nach dem Bombenanschlag auf das Volkshochschulzentrum in Saarbrücken am 9. März 1999 bei den Behörden einging, Hinweise auf einen ostdeutschen Verfasser gefunden, berichtete die „FAZ“ unter Berufung auf den saarländischen Generalstaatsanwalt Ralf-Dieter Sahm. 

Die zehn Brandstiftungen zwischen dem 3. September 2006 und dem 3. September 2011 in Völklingen richteten sich gegen Wohngebäude im Zentrum der Stadt, in denen vor allem türkischstämmige Einwanderer sowie Araber und Afrikaner lebten. Bei den Bränden  wurden 20 Menschen verletzt, es entstand hoher Sachschaden. In allen Fällen wurden die Ermittlungen eingestellt, die Polizei hatte nach eigenen Angaben keine Hinweise auf einen fremdenfeindlichen Hintergrund. 

Die Grünen dringen auf eine raschere parlamentarische Aufklärung der Ermittlungspannen im Zusammenhang mit der Neonazi-Mordserie. „Wir kommen an einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss nicht vorbei“, sagte der Grünen-Abgeordnete Hans-Christian Ströbele in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa in Berlin. Die Diskussion über eine von SPD und Union favorisierte Bund-Länder-Kommission behindere und verzögere unnötig die Aufklärung durch den Bundestag. 

„Die Bevölkerung erwartet, dass wir uns ganz heftig mit der Sache befassen“, sagte Ströbele, der Mitglied im parlamentarischen Gremium zur Kontrolle der Geheimdienste (PKGr) ist. Bis Weihnachten werde aber im Parlament in diesem Zusammenhang nicht mehr viel passieren.

Quelle:  Handelsblatt Online
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