Verkehrsexperte Stölzle: "Die Qualität der deutschen Straßen sinkt"

Verkehrsexperte Stölzle: "Die Qualität der deutschen Straßen sinkt"

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Verkehrsexperte Wolfgang Stölzle sieht den Ausbau von Verkehrsnetzen immer im Konkurrenzverhältnis zu anderen politischen Zielen.

von Max Haerder

Der Verkehrsexperte Wolfgang Stölzle warnt: In Zukunft werden noch mehr Autos und Lastwagen unterwegs sein. Der Staat müsse mehr investieren – denn schon jetzt fällt das Niveau.

WirtschaftsWoche: Herr Stölzle, in Zukunft wird der Güterverkehr auf deutschen Straßen weiter steigen. Was bedeutet das?

Stölzle: Die Infrastruktur wird, sofern keine harten Strukturbrüche auftreten, definitiv überlastet sein. Es gibt jetzt schon chronisch überfüllte Strecken. Bisher wuchs der Güterverkehr immer stärker als die Wirtschaft selbst, besonders auf der Straße. Auch bei schrumpfender Bevölkerung müssen wir künftig von noch mehr Lkw ausgehen.

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Reichen dann die Mittel, um die Infrastruktur zu erhalten und auszubauen?

Ausbau und Modernisierung der Verkehrsnetze konkurrieren in der Politik immer mit anderen Zielen. Was der Staat derzeit für Straße und Schiene ausgibt, reicht aber nicht, um das Niveau zu halten. Die Qualität sinkt.

Wie lautet die Konsequenz?

Die Politik muss sich auf Engpässe konzentrieren und dort gezielt investieren. Meistens sind nicht fehlende Abschnitte von Hunderten Kilometern Autobahn das Problem, sondern ein paar hundert Meter, etwa ein Tunnel. Dort entstehen gewaltige Staus, welche die Leistung des Gesamtnetzes belasten.

Jedes Bundesland bekommt aber Projekte, ob dort Not herrscht oder nicht.

Der Föderalismus steht optimierten Investitionen in die Infrastruktur klar entgegen. Oft werden lokale Projekte von Politikern aus der jeweiligen Region gefördert und durchgesetzt – zu Lasten von effektiveren Alternativen aus Sicht des gesamten Netzes.

Wären Verträge zwischen Bund und Ländern, mit konkreten Vorgaben und konkreter Finanzierung, eine Lösung?

Es ist auf jeden Fall eine Überlegung wert. Ein zentraler Blick auf die bundesweiten Problemzonen ist überfällig. Zudem sollte das Haushaltsrecht für Baumaßnahmen modifiziert werden: für überdurchschnittlich zügige Bauleistungen müssten höhere Ausgaben erlaubt werden. Bei gegebener Leistung und Qualität sollte also nicht der billigste, sondern der schnellste Anbieter den Zuschlag bekommen dürfen.

Was ließe sich sonst tun?

Wir müssen Verkehr intelligenter steuern. Ein Beispiel: Am Münchner Ring wird bei Bedarf von einem Leitsystem der Standstreifen freigegeben. Wenn vier statt drei Fahrbahnen zu Verfügung stehen, schafft man ein Drittel mehr Kapazität, ohne Asphalt zu verbauen.

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Sie lehren in der Schweiz. Was könnte sich Deutschland dort abschauen?

Konsequentes Handeln im Einvernehmen mit der Bevölkerung. Die Schweiz verlagert nach einer Volksinitiative systematisch den Güterverkehr von der Straße auf die Schiene – etwa mit einer Lkw-Maut auf allen Straßen und Mautsätzen, die etwa vier bis fünf Mal so hoch sind wie die deutschen. Dafür wird aber auch kräftig investiert. In Deutschland ist die Leidensfähigkeit der Bürger wohl noch nicht ausgeschöpft, um solch eine strikte Neuausrichtung durchzusetzen.

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