Vertrag mit Krauss-Maffei Wegmann: Bundeswehr deckt sich mit Second-Hand-Panzern ein

Vertrag mit Krauss-Maffei Wegmann: Bundeswehr deckt sich mit Second-Hand-Panzern ein

, aktualisiert 08. Mai 2017, 18:09 Uhr
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Die ersten Fahrzeuge sollen 2019, die letzten 2023 ausgeliefert werden.

Quelle:Handelsblatt Online

Nach zweijähriger Verhandlungen steht fest: Die Bundeswehr kauft für 760 Millionen Euro zusätzliche Panzer – die bereits ausgemustert waren. Die Second-Hand-Fahrzeuge sollen zu modernen Kampfpanzern aufgerüstet werden.

KoblenzDie Bundeswehr bekommt 104 zusätzliche Kampfpanzer. Nach zwei Jahren Verhandlungen hat das Bundesamt für Ausrüstung der Bundeswehr den Vertrag mit dem Rüstungsunternehmen Krauss-Maffei Wegmann (KMW) unterschrieben, wie das Koblenzer Amt am Montag bekannt gab. Vergangene Woche hatten Haushalts- und Verteidigungsausschuss des Bundestages dem Auftrag über 760 Millionen Euro bereits zugestimmt. Es handelt sich um 104 ausgemusterte Kampfpanzer und 32 gebrauchte Fahrgestelle, die seit Jahren bei KMW lagern und eigentlich nur noch als Ersatzteillieferanten dienen sollten.

Angesichts der neuen Bedrohungslage hatte der Bundestag bereits vor zwei Jahren entschieden, die gebrauchten Panzer für die Bundeswehr modernisieren zu lassen: Bis 2023 soll damit die von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) festgelegte Zahl von 328 Panzern bei der Bundeswehr erreicht werden, heißt es in der Pressemitteilung des Bundesamts.

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Wirklich zufrieden sind damit die Verteidigungspolitiker des Bundestages nicht. „Vor zwei Jahren hätte man auch den Kauf von modernen Panzern beschließen können. Das wäre kaum teurer geworden“, sagte SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold dem Handelsblatt. „Das hätte nur wenig mehr Geld gekostet und hätte kaum länger gedauert“, meinte er.

Beim Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) ist man dagegen zufrieden, dass die Bestellung nun in trockenen Tüchern ist.  „Die sicherheitspolitischen Entwicklungen der vergangenen Jahre haben uns die Bedeutung der Panzertechnologie für unsere Verteidigungsfähigkeit eindrücklich vor Augen geführt“, sagte der Vizepräsident des Amts, Armin Schmidt-Franke. „Mit dem heutigen Vertragsschluss legen wir das wehrtechnische Fundament für die notwendige Stärkung der Panzertruppe.“

Die Leopard-Panzer sollen modernisiert werden. „Es sind bestehende Modelle, die aufgearbeitet werden“, sagte ein Sprecher in Koblenz. Nach seinen Angaben ist es aufwendig, beispielsweise aus einem Leopard des Typs 2 A4 einen 2 A7V zu machen. Dafür müssten die Waffenanlage geändert werden und ein neues Informationssystem hinzukommen. Der Leopard 2 A7V sei deutlich besser ausgelegt für Kämpfe in der Nacht und für den Einsatz in heißen Gebieten. Die ersten Fahrzeuge sollen 2019, die letzten 2023 ausgeliefert werden.

Woher die gebrauchten Panzer genau stammen, war zunächst unklar. Dazu kommen Fahrgestellte des Typs Leopard 2 A4. Sie sollen erst einmal ins Lager kommen, um in Zukunft als Grundlage für weitere Fahrzeuge wie zum Beispiel einen neuen Brückenlege-Panzer zu dienen.

Der Wehrbeauftragte Hans-Peter Bartels (SPD) hatte bei der Vorstellung seines Jahresberichts im Januar gesagt, die Truppe leide nach wie vor unter mangelhafter Ausrüstung. Er nannte das Beispiel Kampfpanzer. Die vorhandenen Kampfpanzer sollten um 100 gebrauchte, modernisierungsbedürftige Leopard 2 aufgestockt werden, der Zeitraum für den Rückkauf betrage aber sieben Jahre. Ein Nato-Beschluss verlangt, dass die Mitgliedsstaaten bis 2024 mindestens zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) fürs Militär ausgeben sollen. Derzeit gibt Deutschland 1,2 Prozent des BIP für Verteidigung aus.

Quelle:  Handelsblatt Online
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