Volkswagen, Siemens, Eon: Wirtschaftslenker würdigen Helmut Kohl

Volkswagen, Siemens, Eon: Wirtschaftslenker würdigen Helmut Kohl

, aktualisiert 18. Juni 2017, 12:43 Uhr
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Der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl weiht 1992 mit dem französischen Staatspräsidenten Jaques Chirac die Fertigungsstätte für den Kleinwagen Smart des Daimler-Konzerns ein.

Quelle:Handelsblatt Online

Der Einsatz des verstorbenen Altkanzlers für die Wiedervereinigung Deutschlands und die europäische Integration ist für Wirtschaftsgrößen das wichtige politische Erbe Kohls. Seine Entschlossenheit bleibt in Erinnerung.

DüsseldorfDas Wirken des am Freitag verstorbenen Altkanzlers Helmut Kohl wird von Vorstandschefs gewürdigt. „Helmut Kohl war ein großer deutscher und europäischer Patriot“, sagt Volkswagen-Chef Matthias Müller. Kohl habe „für die deutsche Einheit und für die europäische Einigung gekämpft.“ Er sei ein herausragender Staatsmann gewesen, geachtet und respektiert in der ganzen Welt.

Kohl hat Deutschland von 1982 bis 1998 als Bundeskanzler regiert - 16 Jahre, so lange wie bisher niemand vor und nach ihm. Er war treibende Kraft für die EU und eine gemeinsame Währung. Er ist am 16. Juni im Alter von 87 Jahren gestorben.

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Als sein größter Erfolg gilt aber die deutsche Wiedervereinigung. Kohl erkannte nach der friedlichen Revolution in der DDR 1989, dass das Fenster für die deutsche Einheit nur kurz geöffnet sein würde. Unter Hochdruck handelte er mit den Staats- und Regierungschefs der USA, der Sowjetunion, Großbritanniens, Frankreichs sowie den Verantwortlichen der Europäischen Union die Modalitäten dafür aus.

„Die friedliche Wiedervereinigung Deutschlands ist sein herausragendes politisches Vermächtnis“, sagt Siemens-Vorstandschef Joe Kaeser. Kohl stehe „wie kein anderer Politiker seiner Zeit für Europa“.

In der Wirtschafts-, Sozial- und Innenpolitik hatte Kohl während seiner Amtsjahre höchstens kleine Akzente gesetzt. Rentenprobleme, Steuersätze, Wirtschaftspolitik: Das war für ihn nicht ganz vorne auf seiner Agenda. Die stetig steigende Staatsverschuldung nahm er wie ein Naturgesetz hin. Kohl gab lieber Geld aus, sein bestes Mittel, in Bund und Ländern Loyalitäten zu sichern.

Sein Einsatz für die Währungsunion war vor allem politisch getrieben. Die umstrittenen Maastricht-Kriterien für den Beitritt zur europäischen Gemeinschaftswährung und eine fehlende Wirtschaftsregierung erwiesen sich als Schwachstellen in der Konstruktion des Euro. „Er hat immer gesagt, eine gemeinsame Währungsunion ohne politische Union und gemeinsame Wirtschafts- und Finanzpolitik – das geht schief. Er hatte allerdings gehofft, dass das von alleine kommt, weil alle einsehen, dass es anders nicht geht. Das ist leider nicht geschehen“, so Außenminister Sigmar Gabriel (SPD).


Eon-Chef Teyssen: „Ein unbeirrbarer Politiker“

Kohls Leidenschaft für den europäischen Gedanken sei davon geprägt, dass er „Zweiten Weltkrieg, Unrecht, Vertreibung und Zerstörung noch am eigenen Leib erlebt“ habe, so Georg Fahrenschon, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV). „Wir alle bleiben aufgefordert, Europa und unsere gemeinsamen Interessen in seinem Sinne weiter zu entwickeln.“

Die mit politischem Instinkt von Kohl rasch herbeigeführte Wiedervereinigung hat eine ökonomische Revolution im Osten des Landes ausgelöst. Die von ihm versprochenen „blühenden Landschaften“ sollten durch Milliardeninvestitionen geschaffen werden, die vor allem mit Hilfe des – heute noch von allen Deutschen gezahlten – Solidaritätszuschlags finanziert wurden. Umstritten war in seinen Jahren als aktiver Politiker eine umstrittene Nähe zu Konzernen, etwa im Flick-Skandal oder durch seine enge Freundschaft zu Medien-Manager Leo Kirch.

„Helmut Kohl war ein streitbarer und besonders unbeirrbarer Politiker“, sagt Eon-Vorstandschef Johannes Teyssern. „Ohne seine Entschlossenheit hätte auch die Energiewirtschaft in den neuen Bundesländern nicht so schnell modernisiert werden können – saubere Energie und Erdgas statt ineffizienter Braunkohle und Stadtgas. Das Wohnen in den Städten und Dörfern wurde so lebenswerter.“

Der frühere Chef des Gaskonzerns Wintershall und heutige CEO des österreichischen Ölkonzerns OMV, Rainer Seele, meint: „Das Ableben von Helmut Kohl sollte uns auch daran erinnern, dass Europa wieder mehr Gemeinschaftlichkeit in seinem Sinne braucht."

Quelle:  Handelsblatt Online
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