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exklusivVolkswagen: Was wusste Wulff?

von Martin Seiwert

Banken, Versicherungen und Fonds fordern 1,8 Milliarden Euro Schadensersatz von Bundespräsident Christian Wulff wegen vermeintlicher Versäumnisse als VW-Aufsichtsrat.

Christian Wulff neben einem VW-Logo (2008) Quelle: AP
Der damalige niedersächsische Ministerpräsident Wulff bei einer Porsche-Betriebsversammlung (2008) Quelle: AP

Als niedersächsischer Ministerpräsident war Christian Wulff stolz auf seine Nähe zur Wirtschaft. So sehr, dass er sich „Vorstandsvorsitzender von Niedersachsen“ nannte. Jene Nähe wird für Wulff immer mehr zum Problem. 67 Banken, Versicherungen, Pensions-, Staats- und Hedgefonds behaupten, Wulff habe in seiner Zeit als VW-Aufsichtsrat Pflichten verletzt und den Porsche-Eignern, den Familien Porsche und Piëch, in die Hände gespielt.

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Als VW-Aktionäre hatten die Investoren nach eigenen Angaben hohe Summen verloren, weil Porsche im Übernahmekampf mit VW Marktteilnehmer rechtswidrig getäuscht habe, so der Vorwurf. Mitschuldig sei Wulff, der als Ministerpräsident für den 20-Prozent-Anteil des Landes Niedersachsen an VW verantwortlich war. Er habe gewusst, dass Porsche Anleger belogen habe. So soll er beispielsweise schon vor Oktober 2008 erfahren haben, dass Porsche VW übernehmen wollte.

Erst da hatte Porsche die Übernahmepläne öffentlich bekannt gegeben. Wulff, so der Vorwurf der Investoren, habe es aber versäumt, dafür zu sorgen, dass die anderen VW-Aktionäre und Marktteilnehmer rechtzeitig darüber informiert worden seien. Die Geldhäuser fordern deshalb von Wulff 1,79 Milliarden Euro Schadensersatz, wie aus einem Antrag auf Einleitung eines außergerichtlichen Gütetermins hervorgeht, der der WirtschaftsWoche vorliegt.

Bundespräsident unter Druck

Als Bundespräsident stand Christian Wulff am Höhepunkt seiner Karriere. Doch sein jäher Aufstieg - von der Schüler-Union bis an die Spitze der deutschen Politik - endete jäh. Denn je höher er kam, desto unachtsamer wurde er und desto mehr Patzer erlaubte er sich. Ein Rückblick auf die Karriere des 2012 zurückgetretenen Bundespräsidenten.

Bild: dpa

Der Antrag, der an die staatlich anerkannte Gütestelle CenaCom in Karlsruhe gerichtet ist, wurde am 28. Dezember von der Berliner Prozessführungsgesellschaft ARFB gestellt, an die die 67 Investoren ihre Ansprüche abgetreten haben. Experten halten den Ausgang des Verfahrens für völlig offen. Dem Antrag zufolge hätten die angeblichen Falschaussagen von Porsche zu Kurskapriolen der VW-Aktie geführt.

Wulff habe „schweigend und untätig zugesehen, wie Porsche Nutznießer der Kapriolen wurde und 5,4 Milliarden Euro Beute machte“, heißt es in dem Antrag. Wulff, sein Rechtsanwalt und das Bundespräsidialamt äußerten sich inhaltlich nicht zu den Vorwürfen. Wulff sei das Güteverfahren bislang nicht bekannt gewesen, so der Anwalt des Bundespräsidenten. Porsche und VW bestreiten alle Vorwürfe.

Die von Wulff geforderte Summe ist identisch mit der, die die Investoren von Porsche und VW fordern. Eine entsprechende Klage wurde im September am Landgericht Braunschweig eingereicht und kurz vor Jahresende erweitert. Zu den ursprünglich 41 Klägern kamen 26 weitere. Die Forderung erhöhte sich von 1,1 auf 1,8 Milliarden Euro. Fünf weitere Investoren fordern in einer neuen Zusatzklage noch einmal 351 Millionen Euro von Porsche.

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16 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 09.01.2012, 11:32 Uhrjardinera

    Schock gib nach, stoppt die Ausschüttung von Adrenalin. Wie kann es sein, dass wir seit 5 Wochen dermassen an der Nase gerführt werden. Ich finde die Politiker sind hier gefragt, die genug Menschen um sich haben, die ich mitbezahle, die ihnen die richtigen Informationen beschaffen können, wenn sie denn nur wollten. Auf spanisch heisst es so schön: no hay más ciego que aquel que podría ver pero no quiere - niemad ist blinder als der, der sehen könnte aber nicht sehen will. Sogar in Sachen Korruption schrecken wir nicht vor Ordnung zurück, welch ein Armutszeugniss für mein Land.

  • 08.01.2012, 18:18 UhrDr.NorbertLeineweber

    Dr.NorbertLeineweber: Wulff hat Milliarden an Volksvermögen verschleudert und niemand hat`s bemerkt. Noch viel schlimmer wiegt die Tatsache, dass Wulff unfähig war den Börsenhype auszunutzen um Niedersachsen zu entschulden. Er hätte jetzt die Vorwürfe nicht, wenn er damals zu 500€ verkauft hätte . Wulff hat nicht nur als Aufsichtsrat versagt, er hat auch Milliarden an Volksvermögen verschleudert, nur um seinen Aufsichtsratposten zu sichern. Wulff ist in jedweder Hinsicht ein Dilettant, spätestens wenn herauskommt, wie sehr er Niedersachsen geschadet hat. Der Autor hat das leider vor der BILD gewusst, weil die nur auf ein paar Euro Hypothekenzinsen aus war. Der Bild fehlen die Ressourcen um Derartuiges aufzuspüren. Die Wirtschaftswoche hat sie damit umsonst. Der Autor war nämlich schlauer. Beweis: Auf google "Präsident non-event" eingeben und der Artikel erscheint. Nun Merckle hat sich dann ja umgebracht, weill Wulff auf seinen 1000€ pro Aktie bestand. Man kann nur hoffen, dass sich seine Amtsführung genauso als Schall und Rauch herausstellt wie die ungenutzten Börsengewinne.

  • 07.01.2012, 19:58 UhrSeniorenAG

    doch ich finde schon ,dass uns das was angeht. Das sind Mafiamethoden. Da werden Freunde mit Frauen und Häusern versorgt.Kleine Gefälligkeiten in Form von Urlaub. Und dafür werden auch Gegenleistungen erwartet bzw. man gibt bestimmte Informationen nur an die Freunde, die damit Geschäfte machen. Es ist naiv hier von Mücke und Elefanten zu sprechen. Berlusconi in D

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