Von China bis in die USA: Wo Zäsuren für ganze Branchen drohen

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Von China bis in die USA: Wo Zäsuren für ganze Branchen drohen

Liefern sie Blaupausen für Wettbewerber? Oder den Beweis, wie schnell auf den Aufstieg der Absturz folgen kann? Unternehmen rund um den Globus treffen 2014 Entscheidungen, die den Wendepunkt für sie selbst und ganze Branchen bedeuten können.

Von Angela Hennersdorf, Philipp Mattheis, Martin Fritz, Silke Wettach, Jürgen Salz, Matthias Hohensee, Martin Seiwert

Washington Post / USA

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Jeff Bezos tauchte Anfang Dezember bei der beliebten US-Fernsehnachrichtenshow „60 Minutes“ auf. Der Chef des Internet-Händlers Amazon verkündete grinsend wie immer, demnächst Pakete per Drohnen zu verschicken. Mit den kleinen ferngesteuerten Flugzeugen sei die gewünschte Ware in 30 Minuten an Ort und Stelle beim Kunden.

Bringen die unbemannten Flieger demnächst auch die „Washington Post“ und ersetzen den Zeitungsboten? Sollte es jemals so weit kommen, muss der König des Online-Handels erst einmal entscheiden, was er mit der traditionsreichen US-Zeitung vor hat. Anfang August kaufte er das Blatt für 250 Millionen Dollar. Seitdem wartet die Medienbranche, dass der erfindungsreiche 49-Jährige endlich die magische Formel für die „Washington Post“ präsentiert, die als Blaupause für alle angeschlagenen Zeitungshäuser dienen könnte.

Wie viele andere Wettbewerber weltweit kämpft das Blatt, das mit der Aufdeckung des Watergate-Skandals den damaligen US-Präsidenten Richard Nixon zum Rücktritt brachte, mit sinkender Printauflage und weniger Werbeeinnahmen durch die Konkurrenz im Internet.

Die Digitalisierung des Blattes wolle er vorantreiben, so viel verriet Bezos. Dass er sein Privatvermögen in den Ausbau der Online-Redaktion und neue digitale Formate steckt, ist unwahrscheinlich. Die „Post“ müsse auch wachsen, betont Bezos. Überleben allein reiche nicht.

Aber wie schwierig es ist, mit digitalen Nachrichten zu wachsen, beweist gerade das US-Magazin „Forbes“. Obgleich der Verleger in den vergangenen Monaten viel Geld in den Digital-Ausbau investierte, steht „Forbes“ zum Verkauf. Ein kleiner Verlag, heißt es in der Branche, könne das Geschäft mit News einfach nicht mehr gewinnbringend betreiben.

Immerhin, mehr als die Hälfte des Kaufpreises für die Post hat Bezos schon wieder eingespielt. Das historische Hauptquartier der Zeitung nahe dem Weißen Haus wird zum März 2014 für 159 Millionen Dollar an eine Immobiliengesellschaft verkauft. Jetzt muss für die Redakteure des Blattes erst einmal eine neue Bleibe gefunden werden.

Schon wird in Washington gemunkelt, es gehe Bezos gar nicht um die Neu-Erfindung des Zeitungsgeschäftes. Vielmehr wolle der Unternehmer mehr Einfluss auf die amerikanischen Politiker gewinnen. Schließlich ist die „Washington Post“ bei den Regierenden in den USA und den Parlamentariern eine mächtige Stimme. Bezos könnte sie nutzen, um für Gesetze Stimmung zu machen, die Amazon nützten – zum Beispiel für die zivile Nutzung von Drohnen. Der US-Kongress will demnächst darüber befinden, ob, und wenn ja, in welchem Umfang unbemannte Flugkörper für den kommerziellen Einsatz genutzt werden dürfen.

Umstritten ist mit Bezos’ neuer Rolle als Zeitungsverleger ein weiteres Projekt seines Unternehmens. Amazon, inzwischen einer der größten Anbieter von Cloud-Computing-Dienstleistungen, will für den US-Geheimdienst CIA ein virtuelles Rechenzentrum aufbauen. Der Besitzer einer der einflussreichsten US-Zeitungen kollaboriert mit den Geheimdiensten? Und das, nachdem „Washington Post“-Redakteure die weltweite Überwachung der Internet- und Telefonkommunikation durch den US-Geheimdienst NSA mit aufdeckten?

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