Vor dem G20-Gipfel: Politiker-Gerüchte und Währungs-Spekulation

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Im November ist es für Bundeskanzlerin Angela Merkel wieder Zeit für den G20-Gipfel

Kolumne von Henning Krumrey

Je näher der G20-Gipfel rückt, desto mehr Gerüchte und Falschmeldungen verwirren die politische Landschaft. Fragliche Positionen und verfälschte Personalien kommentiert Henning Krumrey.

Man kennt das von der Börse: Gerüchte treiben die Kurse, lassen Chancen erblühen oder Risiken klaffen. Ob’s stimmt, ist erst mal zweitrangig – die Spannung wächst mit jedem Raunen im Börsensaal.

Auf dem politischen Parkett ist es nicht anders. In den vergangenen Tagen häuften sich die Nachrichten zur Währungspolitik – und damit auch die Falschmeldungen. Je näher der G20-Gipfel in Seoul rückt, desto voller wird es im Zeitungsentengatter. Ende der Woche bereiten die Finanzminister das Treffen der wichtigsten Staaten vor, das Mitte November in Südkoreas Hauptstadt steigt. Erstmals präsidiert ein Land, das nicht zu den alten G8 gehört.

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Hinter den Kulissen wird heftig um Einfluss gerangelt – und um wirtschaftspolitische Prinzipien. Die Franzosen möchten das Diskussionsforum der Staatenlenker mit einem Sekretariat ausstatten und so ein wenig in Richtung weltweiter Wirtschaftsregierung drücken; auch in der EU verfolgen sie ja diesen Kurs. Prompt erschienen auch in deutschen Zeitungen Meldungen, die Bundesregierung neige ebenfalls einem solchen Sekretariat zu.

Merkel schätzt spontane Gespräche

Im Kanzleramt ist davon nichts bekannt. Angela Merkel möchte lieber, dass jeder Kollege eigene Schwerpunkte für die Treffen setzt. Frische Ideen und neue Debatten sind ihr lieber als eingefahrene Konferenzrituale, und auch die G8 hatten nie einen eigenen Apparat. Merkel, die sich mit Leidenschaft in solche Beratungen stürzt, seit sie vor 15 Jahren der Weltklimakonferenz vorsaß, schätzt gerade die spontanen Gespräche. Momentan können sich die deutschen Unterhändler aber nur schwer vorstellen, dass Chinas Staatspräsident Hu Jintao oder der König von Saudi-Arabien sich zusammen mit der Kanzlerin in eine Ecke hocken und im Text der Abschlusserklärung herumstreichen. Für Merkel ist das ständige Gipfel-Übung.

Im Auftrag von Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy, lautete die nächste Überraschungsnachricht, arbeite eine internationale Expertengruppe Vorschläge für ein neues Währungssystem aus. Das Beraterteam bereite so einen glänzenden Auftritt des Pariser Gernegroß vor, der als Nächster die G20 führt. Als deutscher Fachmann im Team: Horst Köhler. Ganz so, als diene der ehemalige Bundespräsident dem Neuzeit-Napoleon als intellektueller Hiwi, wenn es ums große Geld geht.

Nun haben nicht nur Lügen kurze Beine – außer den Namen stimmte nicht viel. Weder hat der Kreis ein Mandat noch einen Auftrag – vom Internationalen Währungsfonds nicht, nicht von den G20 oder gar von Frankreich. Und die Gruppe tagte auch nicht beim IWF in Washington, sondern traf sich ganz informell in Warrenton, Virginia.

Der Zirkel ist eine private Initiative, eine Runde von Elder Statesmen aus dem Finanzsektor. Der ehemalige US-Notenbankpräsident Paul Volcker, 83, ist dabei und Michel Camdessus, 77, der frühere Direktor des Internationalen Währungsfonds. Er war es auch, der Köhler für den Diskussionskreis gewann. Mit 67 ist dieser eher der Nachwuchs-Star der Runde, führte einst als Camdessus’ Nachfolger den IWF, bevor er Deutschlands Staatsoberhaupt wurde. Und wie in seinem Amt kann Köhler hier nicht auf garantierten Einfluss oder rechtliche Macht setzen, sondern allein auf die Kraft der Worte – diesmal einer gelehrten Kaminrunde.

Vor Jahresende wollen sich die Experten zumindest noch einmal treffen. Doch welche Vorschläge sie wann präsentieren, das haben sie noch nicht vereinbart. Raum also für neue Währungs-Spekulation.

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