Vor der Bundestagswahl: Merkel distanziert sich von AfD

07. September 2013, aktualisiert 07. September 2013, 14:00 Uhr
AfD: Für Kanzlerin Merkel keine Alternative für Deutschland. Quelle: dpaBild vergrößern
AfD: Für Kanzlerin Merkel keine Alternative für Deutschland. Quelle: dpa
Quelle: Handelsblatt Online

Die AfD ist die große Unbekannte vor der Wahl. Parteichef Lucke glaubt, dass es „locker“ für den Bundestag reicht – und denkt über eine Koalition mit der Union nach. Die Kanzlerin wiegelt ab: Die Frage stelle sich nicht.

BerlinBundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich entschieden von der eurokritischen Alternative für Deutschland (AfD) abgegrenzt. „Die meisten Bürger wissen: Der Euro ist gut für Deutschland und sichert Arbeitsplätze“, sagte Merkel der Zeitung „Bild am Sonntag“. „Umfragen zeigen, dass weniger Bürger denn je sich die D-Mark zurückwünschen.“ Zur Möglichkeit einer Koalition mit der AfD sagte die CDU-Vorsitzende: „Die Frage stellt sich nicht.“

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Nach Einschätzung von Experten hat die konservative AfD trotz jüngster Umfragewerte realistische Chancen auf einen Einzug in den Bundestag. Viele Protestwähler verweigerten sich Umfragen und sorgten am Wahlabend für Überraschungen, sagten Wahlforscher dem Nachrichtenmagazin „Focus“. In Umfragen kommt die AfD auf drei bis vier Prozent und würde damit den Einzug in den Bundestag verpassen. Es sei jedoch „nicht auszuschließen, dass die AfD die Fünf-Prozent-Hürde überspringt“, sagte Forsa-Chef Manfred Güllner

Die AfD selbst sieht sich zwei Wochen vor der Wahl im Aufwind und denkt laut über eine Koalition mit der Union nach. Bei CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt holte sich AfD-Chef Bernd Lucke allerdings am Samstag einen Korb. Mit der Forderung nach einem Euro-Austritt spiele die AfD mit dem Feuer. Weil weiterhin weder Union und FDP noch SPD und Grüne eine klare Mehrheit vor Augen haben, kochte die Debatte über ein rot-rot-grünes Bündnis erneut hoch. Diesmal stemmte sich SPD-Vize Olaf Scholz gegen solche Spekulationen. Auch Hans-Peter Schöppner von TNS Emnid hält es für möglich, dass die AfD den Sprung ins Parlament schafft. Manche Wähler hätten den Impuls, schlicht die Partei zu wählen, „mit der man die Etablierten am meisten ärgern kann“, sagte er.

Lucke gab sich siegesgewiss. „Es wird locker reichen“, sagte er dem „Focus“. Die AfD werde klar über fünf Prozent liegen, „vielleicht nahe an zweistellig“. Die AfD werde zwar nur mit Parteien in Koalitionsgespräche eintreten, die bereit seien, sich grundlegend von der aktuellen Euro-Rettungspolitik abzuwenden. Allerdings hätten bestimmte Parteiführungen „in der Vergangenheit schon eine ganze Reihe überraschender Kehrtwenden vollzogen“. So habe die CDU in der vergangenen Wahlperiode die Wehrpflicht, die Kernkraft oder die Absage an einen Mindestlohn über Bord geworfen.

Hasselfeldt, die die CSU-Abgeordneten im Bundestag anführt, sagte der „Neuen Osnabrücker Zeitung“, die AfD müsse mit Argumenten gekontert werden. Wer einen Austritt aus dem Euro fordere, bringe die Wirtschaftskraft Europas und Deutschlands in Gefahr: „Das müssen wir den Menschen immer wieder erklären.“ Deutschland profitiere enorm von einem stabilen Euro und sei auch im eigenen Interesse solidarisch mit den Krisenstaaten.

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Kommentare | 23Alle Kommentare
  • 07.09.2013, 14:47 UhrJens

    Seit wann weiß Mutti, was die Bürger wissen? Sie weiß ja selbst nichts, wie sie immer wieder betont, um sich mit dem Plebs auf eine Stufe zu stellen.
    Die AfD als potentieller Koalitionspartner der CDU? Der Partei, die uns in diesen Schlamassel hineingeritten hat? Wo ist denn da die Alternative? Das ist genau das, was ich nicht sehen will. Da wähle ich dann doch besser die Linke.

  • 07.09.2013, 15:24 UhrCarla

    Frau Merkel sollte solche Worte nicht wählen .
    Es geht um Demokratie , und eine Kanzlerin sollte sich deshalb nicht von einer anderen demokratischen Partei distanzieren wollen , sie sollte sich fachlich und sachlich dieser und jeder anderen demokratischen Partei stellen und auseinandersetzen - dann wird der Wähler sehen , wo kompetente Politikerpersönlichkeiten miteinander das Land gestalten können.
    Wiederholt zu äußern, von was allem man sich distanziere ist zu schwach , es sind Antworten auf zu lösende Aufgaben gefragt.

  • 07.09.2013, 16:29 UhrKabus-wiwo

    @Jens

    Wenn, dann hat Rot/Grün uns mit dem Euro reingeritten, indem man alle Warnungen zu Griechenland und sonstigen Fehlbesetzungen, diese nicht in die €-Zone zu lassen, in den Wind geschlagen hat. Die CDU hätte es möglicherweise aber auch nicht anders gemacht.

    Und was die AfD angeht, kommt es ganz sicher nicht zu einer Koalition mit der CDU, sondern so, wie es Herr Lucke am Donnerstagabend bei Frau Illner gesagt hat - es wird eine große Koalition kommen. Die wäre mir allerdings im Vergleich das wesentlich größere Übel.

    Die Linke zu wählen ist eine faktisch verlorene Stimme.

    1. Weil Rot-Rot-Grün eigentlich auszuschließen ist.

    2. Wenn die AfD in den Bundestag kommt, reicht es grundsätzlich nicht für Rot-Rot-Grün - einzige Ausnahme, die FDP käme nicht in den BT.

    Mir ist es unter dem Strich letztlich lieber, die Merkel fällt mit Ihrer Rettungsgesinnung um und akzeptiert Positionen der AfD, als mit Steinmeier und Co noch schneller auf den Abgrund zuzufahren. Und Lucke ist ganz sicher kein "Philipp", der Spaß daran hat, die Temperatur im Froschbad permanent zu steigern.

    Nur wird Merkel tatsächlich nicht mit der AfD machen, denn dann stünde die ja wie der Kaiser ohne Kleider da und Alle würden wissen, was die vor der Wahl so alles zusammengelogen hat. Damit kann man dann in den nächsten 4 Jahren den Koalitionspartner nicht mehr klein und häßlich machen.

    Also Jens, entweder verschenken Sie ihr "Kreuz" nutzlos an die Linke oder Sie machen etwas vernünftiges damit. Das "Kreuz" entscheidet.

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