Wachstumsmotor: Alles passt in der niedersächsischen Landwirtschaft

Wachstumsmotor: Alles passt in der niedersächsischen Landwirtschaft

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Landwirtschaft in Niedersachsen als Wachstumsmotor

Die niedersächsische Landwirtschaft wird im Zeichen des weltweiten Strukturwandels zum Wachstumsmotor – allen ordnungspolitischen Sünden zum Trotz.

Bioenergie ist out – aber nicht in Niedersachsen. Zwar spricht es sich auch außerhalb der Fachwelt langsam herum, dass Ethanol als Kraftstoff der Umwelt insgesamt mehr schadet als Benzin aus Erdöl, dass Diesel aus Pflanzenöl ökologisch bedenklich ist und dass die Energiebilanz von Biogas enttäuschend ist (WirtschaftsWoche 16/2007). Doch in Niedersachsen ist offenbar alles gut und richtig, was den Landwirten nützt.

„Dynamisch und zukunftsweisend“, nennt das niedersächsische Landwirtschaftsministerium die Bioenergie. Und tatsächlich wird mehr als ein Drittel des deutschen Biostroms in Niedersachsen produziert – in 550 Biogas-Anlagen mit einer Gesamtleistung von 300 Megawatt. Die niedersächsische Nordzucker AG hat in Klein Wanz- leben, ein paar Kilometer östlich der ehemaligen Zonengrenze, eine Ethanolfabrik gebaut, die groß genug ist, mehr als ein Fünftel der Ernte aus dem Zuckerrübenland Niedersachsen in Treibstoff zu verwandeln.

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„Dynamisch und zukunftsweisend“ – das ist die niedersächsische Landwirtschaft aber wirklich im Vergleich mit der Wirtschaftskraft der Bauern in anderen Teilen Deutschlands. Die Landwirte zwischen Nordsee und Harz haben den gewaltigen Strukturwandel ihres Gewerbes seit der Mitte des 20. Jahrhunderts gut überstanden, sind produktiver denn je und profitieren jetzt vom globalen Aufschwung der Agrarindustrie. Das gilt für die großen Schweine- und Hühnermäster auf den kargen Böden im westlichen Niedersachsen wie für die Milchbauern im feuchten Wiesengebiet des Nordens und die Getreidebauern im hügligen Süden von Hannover bis Göttingen. Die Zahl der Höfe ist zwar seit 1975 um fast zwei Drittel zurückgegangen, die Zahl der landwirtschaftlich Beschäftigten sank um über die Hälfte, aber die bestellte Fläche blieb fast gleich – und der Output stieg.

Niedersachsen ist darum heute Agrarland Nummer eins in Deutschland. Zusammen mit Forstwirtschaft und Fischerei erwirtschaftet die niedersächsische Landwirtschaft 2,79 Milliarden Euro im Jahr oder 1,6 Prozent der gesamten Bruttowertschöpfung, das ist ein höherer Anteil als in allen anderen westdeutschen Bundesländern. Natürlich ist Niedersachsen trotzdem vor allem Industrieland, aber einer der wichtigsten und dank der Preisentwicklung wachstumsträchtigsten Industriezweige wäre ohne die Agrarwirtschaft undenkbar.

Das ist die Lebensmittelbranche von der großen Keksfabrik bis zur kleinsten Bäckerei. Ihre 69.000 Beschäftigten erwirtschaften mit 22 Milliarden Euro im Jahr einen höheren Umsatz als Maschinenbau und chemische Industrie im Lande zusammen. Gemeinsam beschäftigen Agrarproduzenten und Lebensmittelverarbeiter mehr Menschen in Niedersachsen als der Fahrzeugbau mit seinen 139.000 Mitarbeitern – trotz Volkswagen in Wolfsburg, Europas größtem Automobilhersteller. Doch Autos können schon bald auch aus Indien importiert werden und Medikamente aus Griechenland.

Bei Wurst und Käse sieht das anders aus. „Was wir als einheimische Produzenten den einheimischen Konsumenten anbieten, ist Qualität“, meint Friedrich-Otto Ripke, „und da kann uns so schnell keiner Konkurrenz machen.“ Im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit auf dem platten Land ist das ein großes Plus: „Gerade in ländlichen Räumen ist die vielfach mittelständisch geprägte Ernährungswirtschaft unverzichtbar“, sagt Landwirtschaftsminister Hans-Heinrich Ehlen – unverzichtbar als Arbeitgeber und als Kunde der Bauern aus der Region.

Und so stammt fast jede zweite in Deutschland gegessene Kartoffel aus Niedersachsen und auch jeder vierte auf deutschen Bäumen gereifte Apfel. Im Nachbarland Niederlande, berichtet Staatssekretär Ripke aus dem niedersächsischen Landwirtschaftsministerium, wird mehr Gouda aus Niedersachsen als aus dem eigenen Land verkauft.

Überhaupt, das Landwirtschaftsministerium: Wer hier „wir“ sagt, meint in der Regel nicht etwa die Regierung des CDU-Ministerpräsidenten Christian Wulff, sondern die Bauern des Landes. „Die wohlhabende Bevölkerung in aller Welt steigt, und dafür sind wir gut aufgestellt“, heißt das etwa aus dem Mund des Staatssekretärs. Der ist Bauernsohn, war einmal Referatsleiter im Pflanzenschutzamt der Landwirtschaftskammer und Fachjournalist für die Agrarpresse. Minister Ehlen ist Landwirt mit Meisterprüfung und hat seinen Hof (Getreide, Schweine) heute verpachtet.

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