Wahl in Bremen: Garantierter Erfolg trotz schlechter Bilanz

Wahl in Bremen: Garantierter Erfolg trotz schlechter Bilanz

Bild vergrößern

Wahlplakate in Bremerhaven

von Max Haerder

Das Bundesland mit den meisten Schulden und der schlechtesten Leistungsbilanz wählt. Und zwar so wie immer.

Von Wilhelm Kaisen, ihrem ersten Nachkriegsbürgermeister, erzählen die Bremer Sozialdemokraten noch heute gerne mit dem Zusatz "der Legendäre". Sein Nachfolger in den Neunzigerjahren, Henning Scherf, wurde bekannt als "der Knutscher", weil er herzlichen Körpereinsatz als legitimes Mittel der Politik verstand. Nur Jens Böhrnsen, der amtierende Chef in der Hansestadt, kommt ganz ohne Beinamen aus. Ihm reicht schon vollkommen, einer anderen Tradition Genüge zu tun: Seit 66 Jahren regiert an der Weser ununterbrochen die SPD, zuletzt mithilfe der Grünen. Und wenig deutet darauf hin, dass sich daran bei der Wahl am 22. Mai etwas ändert.

Nicht nur die Politik, auch die Leistungsbilanz ist in Bremen rot. Fast 27 000 Euro Schulden zählt die Statistik für jeden einzelnen Einwohner, das ist deutscher Minusrekord. Bremen ist trotz hoher Millionärsdichte ein Dauerempfänger im Länderfinanzausgleich. Beim Bildungstest Pisa rangierten die Schüler des Stadtstaates zuletzt auf beschämenden Plätzen. Und die Arbeitslosigkeit liegt mit rund zwölf Prozent deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Doch diese Zeugnisse, in anderen Ländern potenzieller Stoff für gleich mehrere Parlamentswahlen, sorgen bei den Wählern für Achselzucken.

Anzeige

Heimspiel

Die Frage nach den Gründen stellt sich Rita Mohr-Lüllmann in diesen Tagen ziemlich häufig. Die Spitzenkandidatin der CDU hat nur die Antwort noch nicht gefunden: "Da gibt es bei mir selbst ganz viele Fragezeichen." Eigentlich ist Resignation so gar nicht die Sache der Unternehmerin. Doch im Wahlkampf zündet wenig, klagt sie, "nichts emotionalisiert". Und so kann die grüne Regierungspartei im Wahlprogramm offen über eine City-Maut nachdenken, Rockerbanden dürfen mitten in der Stadt ihre brutalen Revierkriege austragen. Die Bremer (und Bremerhavener) bleiben gelassen. "Wenn Sie Wahlkampf wollen, brauchen sie Duellanten", sagt Mohr-Lüllmann.

Der Mann, mit dem sie sich gern messen würde, steht stattdessen an einem schmalen Pult im Bürgerzentrum Neue Vahr und macht nicht den Eindruck, als müsse er hier irgendwas gegen irgendwen gewinnen. Die Neue Vahr gehört zu den bescheidenen Gegenden Bremens, der Bürgertreff ist ein trister Kasten, eingeklemmt von einem Spielkasino, den Pott Kaffee gibt es im "Nichtraucherkaffee" zu einsfuffzig. Jens Böhrnsen hat hier ein Heimspiel.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%