Wahl in Hamburg: Alles rot an der Elbe

KommentarWahl in Hamburg: Alles rot an der Elbe

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Der Spitzenkandidat der Hamburger SPD, Olaf Scholz, lässt sich gemeinsam mit seiner Ehefrau Britta Ernst in der Fabrik in Hamburg nach den ersten Prognosen zur Bürgerschaftswahl von den Parteianhängern feiern.

von Cornelia Schmergal

Die SPD ist der große Gewinner der Wahl in Hamburg - und die FDP der kleine. Ein Kommentar von WirtschaftsWoche-Reporterin Cornelia Schmergal.

Olaf Superstar. Kein Hamburger Politiker hätte noch Geld dagegen gewettet, dass der neue Erste Bürgermeister mit Nachnamen Scholz heißen wird. Aber dass die SPD an diesem Sonntag sogar die Hälfte der Wählerstimmen abräumte, versetzte gestandene Sozialdemokraten in völlige Ekstase.

Es geht also doch. Absolute Mehrheiten in einem Fünf-Parteien-System galten bislang als völlig undenkbar. Mit einem klaren Wirtschaftswahlkampf hat Olaf Scholz allerdings frustrierte, ehemalige CDU-Wähler für seine Partei begeistert. Ganz abgesehen davon, dass das nach dem Bruch der schwarz-grünen Koalition auch ziemlich leicht war. Der SPD wird das historische Spitzen-Ergebnis Rückenwind für das Superwahljahr geben. Aber eines dürfte auch klar sein: Einen so großen Erfolg wie in Hamburg werden die Sozialdemokraten bei den nächsten Landtagswahlen nicht mehr feiern. Der Kurs der strengen wirtschaftlichen Vernunft passt zu den Elb-Genossen. Und nur zu diesen. Schon in Rheinland-Pfalz  oder Baden-Württemberg halten die Sozialdemokraten von Schuldenbremse oder Sparprogrammen weitaus weniger. Vielleicht könnten sie von Hamburg lernen.

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FDP sorgt für Überraschung

Für die Union war die historische Schlappe absehbar. Ein Debakel bleibt sie trotzdem – und ein denkbar schlechter Start in das Superwahljahr. Nie in der Hamburger Nachkriegsgeschichte haben die Konservativen schlechter abgeschnitten. Für die Unions-Wahlkämpfer in den anderen Ländern ist die Hamburg-Wahl eine schwere Bürde. Der Überraschungssieger dieses Abends allerdings heißt FDP. Die Liberalen haben den Einzug in die Bürgerschaft wieder geschafft. Und darauf hätten wohl die wenigsten Demoskopen gewettet. Noch bei der letzten Hamburger Wahl war die Partei mit mageren 4,8 Prozent an der Fünf-Pozent-Hürde gescheitert.

Aufmerksame Beobachter bemerken nun, dass die Liberalen sich in den Ländern für Bündnispartner jenseits der CDU erwärmen. Vor allem in Hamburg hat die FDP sich vor der Wahl offensiv der SPD als Koalitionspartner angedient. Wenige Tage vor dem Urnengang hatten die Liberalen sogar mit ihrer eigenen Schwäche kokettiert. Über die Plakate ihrer Spitzenkandidatin Katja Suding, die im Wahlkampf mehr durch ihren knallgelben Friesennerz als durch ihre Redekunst aufgefallen war, hatten die Liberalen gekritzelt: Wer eine Alleinregierung der SPD verhindern wolle, müsse FDP wählen. Und so ist es die wohl größte Paradoxie dieses Abends, dass die FDP es in die Bürgerschaft schafft – und die SPD trotzdem die absolute Mehrheit erreicht.  

Guido Westerwelle wird sich den Einzug in das Parlament auch als seinen Erfolg anheften, obwohl die FDP bei der aktuellen Sonntagsfrage auf Bundesebene weiter um die fünf Prozent herumdümpelt. Die Partei kann nun auf ein kleines Rückenwindchen hoffen. Das Schicksal des Parteichefs wird sich allerdings wohl erst nach der Wahl in Baden-Wüttemberg entscheiden. Dort liegt das Stammland der Liberalen – und nicht etwa in Hamburg.

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