SPD in Schleswig-Holstein: Akute Abstiegsgefahr

KommentarWahl in Schleswig-Holstein: Akute Abstiegsgefahr

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SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz.

von Gregor Peter Schmitz

Martin Schulz wollte im Sturmlauf erst drei Bundesländer erobern und dann das Kanzleramt. Aber der SPD-Star scheitert nicht nur an starker CDU-Verteidigung – er hat sich selbst verdribbelt.

3:0. Das war der Schlachtruf in jenen schon jetzt verklärt anmutenden Frühlingstagen, als die SPD Martin Schulz wie einen Retter präsentierte, der sie (endlich) aus dem Abstiegskeller führen würde. Drei Siege bei den Landtagswahlen im Saarland, in Schleswig-Holstein und in Nordrhein-Westfalen sollten den Weg ebnen zum klaren Elfmeter, den Schulz bei der Bundestagswahl im September nur noch gegen Angela Merkel verwandeln müsste.

Nun droht aber das, was auch viele Fußballvereine im Abstiegskampf immer wieder erfahren müssen – vermeintliche Retter sorgen vielleicht für einen kurzen Aufschwung, aber noch lange nicht in jedem Fall für ein flüssiges Spiel oder gar eine Sieggarantie.

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0:2 lautet nämlich nach der heutigen Wahl in Schleswig-Holstein die Bilanz des vermeintlichen Erfolgstrainers Schulz – und die Schlappen werden immer spektakulärer. Der Rückschlag in Saarbrücken ließ sich vielleicht noch mit der guten Spielmacherin auf der anderen Seite erklären, der beliebten CDU-Ministerpräsidenten Annegret Kamp-Karrenbauer. Hinzu kam dort eine beim Wähler verbreitete Angst vor Rot-Rot-Grün, in dem kleinen Bundesland personifiziert durch Oskar Lafontaine.

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Die Landtagswahl in Schleswig-Holstein im Liveticker. Quelle: dpa

An diesem Sontag fiel in Schleswig-Holstein aber nicht nur die Niederlage noch klarer aus, auch die Erklärung ist viel eindeutiger bei Schulz zu suchen. Zwar hat sich der hemdsärmelige SPD-Ministerpräsident Torsten Albig im Wahlkampf etwas zu hemdsärmelig gegeben, als er etwa nonchalant über seine Scheidung plauderte. Aber seinen Herausforderer Daniel Günther kannte wirklich so gut wie niemand – und anders als im Saarland hat Schulz sich in zahlreichen Auftritten durchaus vehement mit in die Schlacht geworfen.

Also lässt sich nicht länger leugnen, dass der „Schulz-Zug“ - über den schon so viel geschrieben wurde, dass er längst selbst wie ein Klischee anmutet - nicht einfach vom Gleis abgekommen ist oder seine Fahrt verlangsamt hat. Er scheint vielmehr im Rückwärtsgang angekommen zu kommen.

Denn Albigs klare Niederlage ist natürlich auch Schulzs klare Niederlage – und es könnte für den SPD-Kandidaten noch schlimmer kommen, sollte kommende Woche Hannelore Kraft im so wichtigen Bundesland Nordrhein-Westfalen gegen einen der harmlosesten Wahlkämpfer der CDU-Geschichte, Armin Laschet, verlieren.

Warum zieht Schulz nicht wie erwartet? Dass sich die Begeisterung für ihn ein wenig legen würde – noch dazu in einem Land, das monatelangen Dauer-Wahlkampf eines Kandidaten ohne andere Beschäftigung nicht kennt – war zu erwarten. Es war auch vorhersehbar, dass Kanzlerin Merkel in einer so volatil wirkenden Welt mit starken Bildern als Weltkanzlerin punkten würde, etwa mit ihrem Besuch bei Donald Trump in Washington.

Aber einige Fehler sind auch hausgemacht: Schulz, vielleicht berauscht von seinen Triumphen zu Beginn und der positiven Reaktionen auf seinen Ruf nach mehr „Gerechtigkeit“, hat seine programmatische Entwicklung als Kandidat schlecht getaktet.



Statt sich etwa rasch mit bisherigen Spitzendenkern seiner Partei zusammen zu setzen, um ein überzeugendes Wirtschaftsprogramm vorzulegen, vertraut er offenbar auf ein Küchenkabinett ohne prägende Denker. Viele wissen nicht, wer in seinem Wahlkampf für welches Thema zuständig sein soll. Schulz scheint sich zu sehr darauf verlassen zu haben, dass die (angenommene) Wechselstimmung im Lande reichen werde, um Merkel zu stürzen „ nach dem Motto „Es ist Zeit“.

Aber Wahlkämpfe werden immer noch auch von Kandidaten gewonnen, die FÜR etwas stehen – und was das sein soll, muss man in Deutschland klarer ausbuchstabieren als in anderen Ländern. Nur mit Anekdoten wird niemand ins Kanzleramt kommen.



Zu einem starken Wahlprogramm gehört aber auch eine starke Wahlkampfplanung, wie es Emmanuel Macron in Frankreich mit seiner En Marche-Bewegung vorgemacht hat. Das ist bei Schulz bislang aber kaum zu erkennen.

Kleines Beispiel: Der Kandidat wird am Montag, direkt nach der Wahl, seine wirtschaftspolitische Grundsatzrede in Berlin halten. Am selben Tag stellt dort Außenminister Sigmar Gabriel unter großem Rummel und mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker im Schlepptau sein neues Buch vor. Der Beinahe-Kandidat der SPD und der tatsächliche Kandidat der SPD stehlen sich also gegenseitig mediale Aufmerksamkeit.

So eine Wahlkampfführung ist nicht Champions League, sie wirkt eher abstiegsreif. Martin Schulz hat weiter eine Chance, den Abstiegskampf zum Sturmlauf zu drehen. Aber er muss dringend seine Taktik ändern.



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