Wahlkampf: Die SPD wird nervös

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Wahlkampf: Die SPD wird nervös

von Max Haerder

Peer Steinbrücks Pannen zeigen Wirkung: Die Genossen werden nervös – und schlagkräftige Gewinnertypen bleiben außen vor.

Es lässt sich viel Ernüchterndes sagen über Zustand, Stimmung und Zuversicht in der SPD, aber eines muss man den Sozialdemokraten dann doch lassen: Die besten Witze über die Genossen machen immer noch die Genossen selbst. Einer, den sie sich gerade erzählen, geht so: „Wie heißt das Gegenteil von nett?“ Die Antwort: „Schattenkabinett.“

Der Galgenhumor zielt auf das sogenannte Kompetenzteam, das Kanzlerkandidat Peer Steinbrück um sich geschart hat und das selbst innerhalb der Partei – vorsichtig formuliert – bestenfalls ein Achselzucken auslöst. Eine doppelte Pointe entfaltet der Spruch aber seit vergangenem Wochenende – da machte Steinbrück kurz vor einem Parteikonvent in Berlin seinem angestauten Frust über Parteichef Sigmar Gabriel Luft, öffentlich, per Illoyalitätsattacke. Kein Genosse, der bei Schattenkabinett jetzt nicht auch an Gabriel und Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier denkt. Und genau diese Troika aus Steinbrück, Steinmeier und Gabriel ist gerade dabei, sich nach allen Regeln der Kunst zu zerlegen. Nett ist wahrlich was anderes.

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Kompetenzteam steht Steinbrücks fragwürdige Zwölfertruppe

Die Wahlkampfmannschaft von Peer Steinbrück ist komplett. Der vor sich hin dümpelnden Kampagne des SPD-Kanzlerkandidaten sollen die Fachleute endlich den dringend benötigten Schwung verleihen. 

Peer Steinbrück mit Mitgliedern seines Kompetenzteams Quelle: dpa

Nicht einmal mehr 100 Tage vor der Bundestagswahl liest sich die Oppositions-Bilanz zum Auftakt der wirklich heißen Wahlkampfphase so: Es gibt ein zwölf Frauen und Männer starkes Kompetenzteam, dessen Kabinettstauglichkeit ziemlich begrenzt ist. Daneben existiert ein Schattenkabinett der SPD-Granden, dessen Kompetenz zur Demontage nahezu grenzenlos wirkt; und etliche schlagkräftige Genossen mit Außenwirkung konnte der Kandidat nicht für seine Kerntruppe gewinnen.

Gereizt und dünnhäutig wirkt der Herausforderer in diesen Tagen häufig, auch weil er mit inhaltlichen Attacken auf Bundeskanzlerin Angela Merkel bisher nicht durchdringt. In Wahlumfragen verharrt die sonst so stolze SPD seit Monaten im Loch von 20 plus x Prozent (siehe Grafik). Unerträglich wenig für eine Volkspartei. Aber die harte Realität.

Umfragen zur Bundestagswahl Quelle: Pollytix

Umfragen zur Bundestagswahl*; Antworten in Prozent (Klicken Sie für eine detaillierte Ansicht bitte auf die Grafik)

Bild: Pollytix

Das Skurrilste: Die geringste Chance auf einen Sitz im Kabinett hat ausgerechnet – der Spitzenkandidat. Denn noch einmal Minister als Juniorpartner in einer großen Koalition hat Steinbrück kategorisch ausgeschlossen, ebenso eine Kanzlerschaft durch Rot-Rot-Grün. Und Rot-Grün wirkt nach Lage der Dinge unerreichbar.

Frank Stauss, Geschäftsführer der Werbeagentur Butter, hat für Gerhard Schröder, Hannelore Kraft und Olaf Scholz erfolgreiche Wahlkämpfe orchestriert – und auch schon, 2005 in Nordrhein-Westfalen, für Peer Steinbrück. „Wer antritt, muss ein Feuerwerk zünden“, lautet Stauss’ Lehre. „Die Regierung aus dem Phlegma treiben – das ist die einzige Option.“ Das Kanzlerduell 2013 allerdings? Findet er bisher viel, viel zu lahm. „Wenn die SPD Themen setzt, ist das bisher nur ein Aufflackern.“ In seinem Buch „Höllenritt Wahlkampf“ hat Stauss ein treffendes Bild über den Kandidaten und dessen Markenkern formuliert: Steinbrück und Frauenquote, das sei wie Nivea und Schleifpapier. Und wer kaufe schon Schleifpapier von Nivea?

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