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Wahlkampf: Mit Facebook ins Rathaus

von Oliver Voß

Auch im Lokalwahlkampf setzen die Parteien auf die neuesten Internettechniken. So zeigt die SPD in Hamm beispielhaft, wie Online-Wahlkampf funktionieren kann und welche Probleme die etablierten Parteien mit dem Netz haben. Ein Ortstermin.

Wahlkämpfer Justus Moor
Wahlkämpfer Justus Moor
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Die Internet-Begeisterung bei der SPD im westfälischen Hamm wird erst auf den zweiten Blick deutlich. „Mitglieder & Unterstützer können hier kostenlos W-LAN nutzen“ steht auf einem Aufkleber im Eingangsbereich des Parteibüros. Doch der Hinweis ist links oben neben der Tür versteckt.

Auch der Bundestagsabgeordnete des Wahlkreises Hamm-Unna II, Dieter Wiefelspütz, ist bislang nicht als Vorreiter im Online-Wahlkampf aufgefallen. StudiVZ-Profil? Twitter-Account? Facebook-Seite? Auf der Website des innenpolitischen Sprechers der SPD findet sich kein Hinweis auf die Nutzung der im Superwahljahr angesagten Webspielzeuge.

Doch ein Link auf Wiefelspütz´ Homepage führt auf das Portal Abgeordnetenwatch, wo seit 2006 die Arbeit der Bundestagsabgeordneten protokolliert wird und Bürger direkt Fragen an ihre Volksvertreter richten können. Niemand ist dabei so fleißig, wie Wiefelspütz: Von 1526 Fragen hat er 1515 beantwortet.

Piraten stehlen den etablierten Parteien im Netz die Show

Die Zurückhaltung von Wiefelspütz im Web2.0 ist daher überraschend, zumal einige seiner Mitarbeiter im Lokalwahlkampf mit einer großen Online-Kampagne für Aufsehen sorgen. Die  Parteien nutzen im Superwahljahr das Internet so intensiv wie nie.

Vor allem die SPD wollte mit einem furiosen Online-Wahlkampf Barack Obama nacheifern und hat dabei auf die Expertise von Netzexperten wie Nico Lumma, Chef für Web2.0-Aktivitäten bei Scholz & Friends, oder Deutschlands erfolgreichsten Twitterer Sascha Lobo gesetzt.

Allerdings hat sich die Partei mit Ihrer Zustimmung zu den geplanten Internetsperren ein Eigentor geschossen, mehrere Mitglieder des SPD-Online-Beirates distanzierten sich und die Piratenpartei stiehlt den etablierten Parteien im Netz die Show.

Thorsten Schäfer-Gümbel zum Internet-Politsternchen gemacht

Im Lokalwahlkampf spielt die neue Konkurrenz allerdings keine Rolle, zum Glück, denn auch bei den Kommunalwahlen setzen die Genossen in Hamm massiv auf das Netz. Monika Simshäuser ist die Bürgermeisterkandidatin und soll am kommenden Sonntag nach Jahren der CDU-Dominanz das Hammer Rathaus für die SPD zurückerobern. Um der politischen Konkurrenz im Netz Paroli zu bieten, hat sich die SPD einen ganz besonderen Experten geholt: Oliver Zeisberger.

Der Inhaber der Kölner Internetberatung Barracuda ist einer der profiliertesten deutschen Experten für Internetwahlkampf. Zeisberger war es, der den hessischen Ypsilanti-Nachfolger Thorsten Schäfer-Gümbel von einer unbekannten Notlösung zum ersten deutschen Internet-Politsternchen machte. 

Doch als der 38-Jährige zur Strategiesitzung nach Hamm kommt, ist die Bürgermeisterkandidatin Simshäuser selbst gar nicht anwesend. Versammelt hat sich eine Gruppe von „Milchgesichtern“, einige von Ihnen kaum wahlberechtigt. Es sind die örtlichen Jusos, denen die Federführung für den Lokalwahlkampf im Netz übertragen wurde.

„Ich hatte gehofft, dass ein paar mehr vom Ortsvereinen kommen“, sagt der Juso-Chef Justus Moor. Doch nur ein SPD-Veteran hat sich mit seinem Hund in die Sitzung verirrt.

5 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 25.08.2009, 00:53 UhrAnonymer Benutzer: Christoph

    Hab mir die Seiten der Hammer Sozis mal in Ruhe angeguckt. Alle Achtung, dass hat wirklich den größten Respekt verdient. Die Stecken ihre eigene bundes- und Landespartei mal locker in die Tasche. So geht eine richtige internetkampagne.

  • 24.08.2009, 19:18 UhrAnonymer Benutzer: Else

    Dass Oliver Zeisberger twitter für überschätzt hält finde ich interessant. immerhin hat er Thorsten Schäfer-Gümbel zum Twitterer gemacht und dann durch seinen Fauxpas, einen persönlichen TSG-Tweet erst unter seinem eigenen und dann - nach Löschung - unter dem Account von TSG zu twittern dem SPD-Politiker in Sachen Netz-Credibility erheblich Schaden zugefügt - da half dann auch die Ausrede "Technische Hilfeleistung" nichts mehr. Via twitter war das im Netz nämlich schnell rum und der Ruf von TSG im Eimer. Und wenn man sich dessen Aktivitäten nach der verlorenen Wahl bei twitter ansieht, verwundert es nicht, dass er bei den Netzlern kein Standing hat.

  • 24.08.2009, 11:59 UhrAnonymer Benutzer: Anonym

    "Doch sobald sie sich mehr damit beschäftigen, werde sich auch die derzeitige begeisterung für die Piraten legen."

    Oder auch nicht. Hier geht es nicht um einen Trend, sondern um bürgerrechte, um die Verteidigung der per Grundgesetz zugesicherten Freiheiten. CDU/CSU/SPD haben diese mit der groben Axt zurechtgestutzt, und "ein bißchen Facebook" wird das nicht in Vergessenheit geraten lassen.

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