Merkel betonte, Kirchhof wolle das Regierungsprogramm der Union umsetzen, ohne seine langfristigen Visionen aufzugeben. „Ich sehe da überhaupt gar keine Widersprüche.“ Ähnlich äußerten sich auch mehrere Ministerpräsidenten der CDU. Niebel wertete Kirchhofs Berufung als „freundlichen Akt von Frau Merkel“, die damit deutlich mache, dass ein Umbau des Steuersystems unter einer Bundesregierung von Union und FDP eher den Vorstellungen der FDP entsprechen werde. In den vergangenen Wochen hatte die FDP massive Kritik an den Plänen der Union geübt, die Mehrwertsteuer zum Jahreswechsel anzuheben. Allerdings ließ die FDP offen, ob sie auch eine Berufung von Kirchhof zum Bundesfinanzminister mittragen würde, wie sie von CDU-Chefin Merkel angestrebt wird. Die aktuellen Kurse der Wahlprognosebörse "Wahlstreet" Merkel bekräftigte wie Niebel, das für Mittwoch geplante Spitzentreffen von CDU, CSU und FDP werde keinen Auftakt für einen gemeinsamen Koalitionswahlkampf bilden. „Wir werden auch keine Koalitionsverhandlungen führen“, sagte Merkel. Die Runde mit dem CSU-Vorsitzenden Edmund Stoiber, FDP-Chef Guido Westerwelle sowie den Generalsekretären der Parteien und weiteren Spitzenvertretern diene dazu, dass die potenziellen Regierungspartner ihre Gemeinsamkeiten herausstellen könnten. Schwarz-Gelb hat Vorsprung Nach einer am Montag veröffentlichten Forsa-Umfrage konnte die FDP um einen Punkt auf acht Prozent zulegen und erreicht zusammen mit der Union die absolute Mehrheit von 51 Prozent der Stimmen. Damit liegt eine schwarz-gelbe Koalition sechs Punkte vor SPD (29 Prozent), Grünen (sieben Prozent) und Linkspartei (neun Prozent) zusammen. Nach Ansicht von Meinungsforschern stärkt Kirchhofs Berufung zum Unions-Wahlkämpfer sowohl CDU und CSU als vermutlich auch die FDP. Finanzminister Hans Eichel kritisierte, in Kirchhofs Äußerungen komme die notwendige Konsolidierung der staatlichen Kassen so gut wie nicht vor. Der Heidelberger Steuerrechtlicher nenne allenfalls als Ziel, 2009 wieder unter die Defizitobergrenze von drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes zu kommen. Dies werde aber fatale Konsequenzen haben. „Wenn wir nicht 2007 wieder unter drei Prozent sind, dann drohen Deutschland Strafzahlungen von rund elf Milliarden Euro.“
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