Wahlkampf: Zweifel an Steinbrück beim Heimspiel in Mettmann

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Wahlkampf: Zweifel an Steinbrück beim Heimspiel in Mettmann

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Peer Steinbrück kämpft im Wahlkreis Mettmann um ein Direktmandat für den Bundestag. Doch der SPD-Kanzlerkandidat hat es schwer. Das zeigt auch der Besuch des 66-Jährigen bei Landwirt Gisbert Münster (li.). Der ist besorgt, ob der SPD-Pläne nach einer Einführung der Vermögenssteuer und stellt Steinbrück zur Rede.

von Tim Rahmann

SPD-Kandidat Peer Steinbrück kämpft in seinem Wahlkreis um ein Direktmandat – und gegen skeptische Bürger.

Tarek ist aufgeregt. Der Vierjährige hält drei Sonnenblumen und ein selbst gemaltes Bild in der Hand. „Das ist für Steindruck“, erklärt der Deutschtürke. Mit seinen Freunden steht er im Familienzentrum der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Monheim Spalier. Peer Steinbrück hat sich angemeldet. Unweit der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt Düsseldorf kämpft der 66-Jährige – wie schon 2009 – um ein Direktmandat für den Einzug in den Deutschen Bundestag. Damals scheiterte der Sozialdemokrat, dieses Mal, als Kanzlerkandidat, will er es schaffen.

Gut gelaunt betritt Steinbrück die Ganztagseinrichtung, schüttelt die Hände von Jungen und Mädchen sowie den Betreuern – und nimmt Geschenke entgegen. Der Wahlkämpfer erfährt, dass 70 Prozent der Kinder hier – wie Tarek – einen Migrationshintergrund haben. Die Sprachförderung, sagen die Betreuer, sei deshalb ihre wichtigste Aufgabe. „Wichtig ist uns, dass die Jungen und Mädchen schon in jungen Jahren zu uns kommen“, sagt Jürgen Otto, Geschäftsführer des AWO-Bezirksverbands Niederrhein – und liefert Steinbrück eine Steilvorlage, um gegen die Regierung zu wettern. „Das Betreuungsgeld wirkt dem entgegen. Familien werden belohnt, ihre Kinder zu Hause zu lassen. Das ist eine fatale Fehlentscheidung.“

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So einfach wie Otto macht es Landwirt Gisbert Münster dem SPD-Kandidaten bei dessen zweitem Stopp nicht. Seit 102 Jahren wird auf dem Hof der Familie in Langenfeld schon Milch produziert. Ob auch die Kinder in die Fußstapfen des Bauern treten werden? Münster ist sich da nicht so sicher: „Uns Landwirten bleibt immer weniger Fläche. Immer mehr Windräder werden aufgestellt, wo noch Land frei ist, werden Straßen gebaut.“ Seine rund 100 Hektar Land seien auf 43 Parzellen verstreut. So könne man kaum wirtschaftlich arbeiten. Sollte jetzt noch – wie von der SPD gefordert – die Vermögenssteuer kommen, sei der Hof bald Geschichte. „Die Bauern sind in großer Sorge. Unsere geringe Rentabilität lässt eine Besteuerung der Substanz nicht zu“, unterstreicht Martin Dahlmann, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Mettmann. Steinbrück versucht zu beruhigen. „Wir wollen große Privatvermögen besteuern. Betriebsvermögen bleibt durch hohe Freibeträge weitgehend unangetastet.“ Die Landwirte schauen irritiert.

Steinbrück hat es schwer in seinem Wahlkreis. Er ist engagiert, sucht den Kontakt zu den Bürgern, hört zu und erklärt – und wirkt dennoch zuweilen verloren. Schon 2009 unterlag er im Kampf um das Direktmandat der CDU-Kandidatin Michaela Noll deutlich. Nur der Absicherung auf der SPD-Landesliste verdankt der ehemalige Ministerpräsident von NRW sein Bundestagsmandat. Nun wagt Steinbrück einen neuen Anlauf. „Ich wurde vor ein paar Jahren gebeten, diesen Wahlkreis zu übernehmen. Das habe ich gemacht. Und dann macht man sich auch nicht vom Acker, wenn man mal verliert“, sagt der Sozialdemokrat. Er werde kämpfen. „Wir schaffen das schon“, gibt sich Steinbrück optimistisch. Bei den Landtagswahlen im vergangenen Jahr gewann die SPD alle vier Direktmandate im Kreis Mettmann.

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