Wahlkampfauftakt der AfD: AfD sagt Ja und Nein zur EU

Wahlkampfauftakt der AfD: AfD sagt Ja und Nein zur EU

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Bernd Lucke machte in Köln Stimmung für die AfD - der Wahlkampf zur Europawahl hat begonnen.

von Timo Stukenberg

Zum Wahlkampfauftakt wandelt die AfD auf einem schmalen Grat. Auf der einen Seite will sie die EU, auf der anderen ist sie ihre liebste Zielscheibe.

Die rund 30 Gegendemonstranten haben Bernd Lucke einen Gefallen getan. Ihre schrillen Pfiffe und Sprechchöre dringen schwach bis zur Bühne. Der Spitzenkandidat der Alternative für Deutschland nutzt die Gelegenheit, um sich als Verfechter der Meinungsfreiheit darzustellen. Nach dem ersten Applaus richtet sich Luckes Kritik dann wieder gegen seinen Lieblingsgegner: die EU.

AfD bekräftigt Forderung Südländer müssen raus aus der Eurozone

Die AfD will bei der Europawahl mit ihrem Kernthema punkten: Die Südländer sollen raus aus der Eurozone, die Lage in Griechenland sei viel schlimmer als zugegeben. Rechtspopulistisch sei das nicht, so AfD-Chef Lucke.

Der AfD-Parteichef Bernd Lucke (l) und Hans-Olaf Henkel, der AfD-Kandidat für die Europawahl, beantworten auf einer Pressekonferenz der Alternative für Deutschland (AfD) zum Europawahlprogramm Fragen von Journalisten. Quelle: dpa

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Zum Auftakt ihres Europawahlkampfes zeigt die Partei ein zwiegespaltenes Verhältnis zu Europa und seinen Institutionen. Auf der einen Seite bekräftigen Lucke und Hans-Olaf Henkel, Listenkandidat Nummer zwei, immer wieder, dass sie „für Europa“ seien. Andererseits ist es die Zielscheibe Europa, mit der sie die Unterstützung ihrer Zuhörer gewinnen. Der ehemalige BDI-Präsident Henkel vergleicht die europäische Idee gar mit dem ideologischen Überbau der Sowjetunion.

Und jetzt noch mal ganz langsam: Subsidiarität

Das zentrale Thema der AfD klingt zu abstrakt, als dass es bei den Zuhörern Begeisterungsstürme auslösen könnte. Und so spricht Lucke es erst einmal ganz langsam aus: „Subsidiarität“. Entscheidungen sollen auf unterster Ebene getroffen werden, also in den Mitgliedsstaaten. Das heiße für seine Wähler, dass sie Entscheidungen nicht anderen überlassen müssten, erklärt er.

Die wichtigsten Köpfe in der AfD

  • Bernd Lucke

    Professor, Gründer des Plenums der Ökonomen

    Der 51-Jährige wurde bei Gründung der AfD ihr Sprecher. Der Vater von fünf Kindern lehrt Makroökonomie an der Universität Hamburg. Über 300 Wissenschaftler schlossen sich seinem „Plenum der Ökonomen“ an, das als Netzplattform Wirtschaft erklärt. Nach 33 Jahren trat Lucke Ende 2011 aus der CDU aus. Er trat als Spitzendkandidat der AfD für die Europawahlen an und wechselte im Sommer 2014 nach Brüssel.

  • Beatrix von Storch

    Anwältin, Gründerin der Zivilen Koalition

    Die Juristin, die zunächst 2012 Mitglied der FDP war, ist seit 2013 Mitglied der AfD. Sie wird dem rechtskonservativen Flügel der Partei zugerechnet. Sie engagiert sich neben der Euro-Rettung vor allem für eine christlich-konservative Familienpolitik. Am 25. Januar 2014 wurde von Storch vom Bundesparteitag der AfD in Aschaffenburg mit 142 von 282 Stimmen auf Platz vier der Liste zur Europawahl gewählt - und zog anschließend ins Europaparlament ein.

  • Joachim Starbatty

    Emeritierter Professor für Volkswirtschaft

    Im Kampf gegen den Euro hat er die größte Erfahrung: 1998 klagte er gegen dessen Einführung vor dem Bundesverfassungsgericht, 2011 gegen die Rettungsmaßnahmen. Der 72-Jährige, einst Assistent von Alfred Müller-Armack, führt den wissenschaftlichen Beirat der AfD – so etwas hat keine andere Partei.

  • Frauke Petry

    Promovierte Chemikerin und Unternehmerin

    Nach dem Studium gründete die Mutter von vier Kindern 2007 ihr eigenes Chemieunternehmen Purinvent in Leipzig – mit dem Patent auf ein umweltfreundliches Dichtmittel für Reifen. Sie fürchtet, ihre demokratischen Ideale würden „auf einem ideologisierten EU-Altar geopfert“. Seit 2013 ist sie eine von drei Parteisprechern und Vorsitzende der AfD Sachsen

  • Konrad Adam

    Journalist, Publizist, Altsprachler und Historiker

    Bei den bürgerlichen Blättern – 21 Jahre im Feuilleton der „Frankfurter Allgemeinen“, sieben Jahre als politischer Chefkorrespondent der „Welt“ – erwarb er sich den Ruf als konservativer Vordenker. Sozial-, Bildungs- und Wissenschaftspolitik sind auch im Sprecheramt der AfD seine Schwerpunkte.

  • Alexander Gauland

    Beamter, Politiker, Herausgeber, Publizist

    Der promovierte Jurist leitete die hessische Staatskanzlei unter CDU-Ministerpräsident Walter Wallmann. Dann Geschäftsführer und Herausgeber der „Märkischen Allgemeinen“ in Potsdam. Führte die brandenburgische AfD bei den Landtagswahlen zu einem überraschend starken Ergebnis und führt nun die Fraktion im Landtag an.

Abgesehen von den Klatschpausen, gleicht der Stil seiner Ausführungen eher dem einer Vorlesung. Auf die anfänglichen Begeisterungsstürme folgt pflichtbewusstes Klatschen. Etwa wenn er auseinanderrechnet, wie die deutsche Bundesregierung den Primärüberschuss Griechenlands schönrechne. Oder wenn er erklärt, dass die hohe Nachfrage nach griechischen Staatsanleihen kein Zeichen der Gesundung sei.

Das Allheilmittel der AfD sind Volksentscheide auf nationaler Ebene. Zum Beispiel in der Ukraine, wo die blutigen Auseinandersetzungen fast täglich neue Todesopfer fordern. Lucke schlägt vor, das Problem mit einem „fairen, demokratischen, international überwachten“ Volksentscheid zu lösen. Die Menschen auf der Halbinsel Krim sollten selbst entscheiden, zu welchem Staat sie gehören sollen.

Ginge es nach Lucke, sollten auch die Walonen in Belgien, die Schotten, die Katalanen und die Basken von ihrem Selbstbestimmungsrecht Gebrauch machen. „Wir müssen Volksentscheide akzeptieren“, sagt er. Das klingt nach: Alle Macht dem Volk. Das kommt gut an bei den Zuhörern auf der Domplatte in Köln.

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