Wahlsager: Die Partei, vor der die Demoskopen zittern

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kolumneWahlsager: Die Partei, vor der die Demoskopen zittern

Kolumne von Jan Eric Blumenstiel und Konrad Fischer

Bei keiner Partei haben sich die Demoskopen zuletzt so sehr verschätzt wie bei der FDP. Auch bei der Bundestagswahl 2013 könnte die Partei wieder als Überraschungssieger dastehen.

Der größte Triumph war eigentlich ein kleiner. Bei der Landtagswahl in Niedersachsen im Januar erreichte die FDP 9,9 Prozent der Stimmen – 1,7 Prozent mehr als beim Mal zuvor. Doch die Parteiprominenz war völlig aus dem Häuschen. Es war nicht die nackte Zahl, sondern die Auferstehung eines Totgesagten, was diesen Erfolg so wunderbar schmecken ließ. Noch eine Woche vor der Wahl hatten die meisten Meinungsforscher der Partei prophezeit, dass sie es mit großer Wahrscheinlichkeit nicht einmal in den Landtag schaffen würde.

Unter Demoskopen gilt die FDP nicht erst seit Niedersachsen als schwieriger Fall. Denn seit 2009 hat die Partei in den Meinungsumfragen einen nie dagewesenen Schwund erlebt. Von fast 20 Prozent ist sie abgestürzt auf zeitweise deutlich unter fünf Prozent, in sechs Bundesländern misslang gar der Wiedereinzug in den Landtag. Seitdem fragen sich die Beobachter: Ist das nur ein Zwischentief oder echter Substanzverlust?

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Das vorläufige amtliche Endergebnis – hier sehen Sie, wie die politische Stimmung im Land ist.

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Für den Substanzverlust spricht auf den ersten Blick, dass die FDP vor ihrem Höhenflug im vergangenen Jahrzehnt stabil in der Nähe der Fünfprozentmarke eingerichtet hatte. Die neuen Wähler wären dann vor allem taktische Wähler, die Stimmen der FDP Leihstimmen von CDU/CSU. 2009 hätten die ihr Kreuzchen vor allem deswegen bei der FDP gemacht, um die große Koalition abzuwählen und eine schwarz-gelbe Regierung zu ermöglichen. Nach der Wahl kehrten sie zu ihrer eigentlichen Herzenspartei CDU zurück. So schlüssig sich diese These begründen lässt, mit der Realität hat sie wohl wenig zu tun. Das zeigt zum einen die Parteiidentifikation der FDP-Wähler. Wäre der FDP-Erfolg 2009 ein reiner Leihstimmen-Sieg gewesen, hätte der Anteil der Wähler mit langfristiger Parteibindung deutlich geringer sein müssen als bei den vorhergegangenen Wahlen. Mit 38,5 Prozent lag er aber im langfristigen Mittel (2005: 34 Prozent, 1998: 41,5 Prozent). Wer seine Stimme aus taktischen Gründen splittet, bewertet zudem meist seine Stammpartei weiterhin besser als die gewählte Partei. Das aber war 2009 nicht der Fall: Die FDP-Wähler bewerteten die Arbeit der FDP im Mittel besser als die der CDU.

Stattdessen scheint es so zu sein, dass Steuersenkungen sich für die FDP schlichtweg besonders gut eignen, um ihre Wähler zu mobilisieren. So gaben bei den vergangenen Wahlen jeweils zwischen 14 und 16 Prozent der FDP-Wähler an, dass die Themen Steuern und Wirtschaft für sie ausschlaggebend für die Wahlentscheidung gewesen seien. Bei der CDU sagten das nur fünf Prozent der Wähler, bei der SPD gar nur zwei Prozent.

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