Wahlsager: Eine Herde von Individualisten

ThemaWahlen 2017

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Wahlumfragen sorgen vor allem dann für Aufsehen, wenn sie einen vermeintlich neuen Trend aufzeigen. Welches Institut profiliert sich in dieser Hinsicht am stärksten?

In dieser Woche war es eine Forsa-Umfrage, welche die größte Aufmerksamkeit bekam. Nur noch 22 Prozent für die SPD, sogar weniger als bei der vergangenen Bundestagswahl – diese Schlagzeile ließen sich die wenigsten Medien entgehen. Aber sind das die tatsächlich erhobenen Ergebnisse oder steckt dahinter Methode? Zumindest vermuten das einige Beobachter, so schrieb der Medienkritiker Stefan Niggemeier tags darauf von Forsa, dem „Institut mit dem Umfrage-Schock-Generator“. Wissenschaftlich belastbare Belege für die These bleibt er aber schuldig.

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Wie in den ersten Wahlsager-Beiträgen gezeigt, veröffentlichen Institute nicht die erhobenen Rohdaten, sondern gewichten diese zunächst nach geheimer Methode. Das bietet Spielraum für Ergebniskosmetik. Die in den Umfragen erhobenen Rohdaten, welche die Forschungsgruppe Wahlen mit ihren Umfragen veröffentlicht, zeigen, wie groß dieser Spielraum ist. Aus ihren Erfahrungen wissen die Institute jedoch, dass das tatsächliche Wahlverhalten ziemlich stabil ist. Sie glätten deshalb die Ausschläge. Die Frage ist bloß, wie stark. Gibt es wirklich ein bestimmtes Institut, das die Ausschläge seltener korrigiert und so besonders häufig dramatische Bewegungen verzeichnet?

Da es an realen Vergleichswerten zur Überprüfung der Daten mangelt (schließlich findet nicht jeden Sonntag eine Bundestagswahl statt),  bleibt nur die Möglichkeit, die Werte der Institute untereinander zu vergleichen. Das sagt zwar nichts über die Realitätsnähe von Umfragen, aber etwas darüber, welches Institut besonders oft ausschert.

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Um dies herauszufinden werden die Institute, die in gleichen Abständen Befragungen durchführen, verglichen. Wöchentliche Daten erheben zurzeit Emnid, Forsa und Infratest dimap. Da Infratest dimap seinen Befragungsmodus im Laufe der Wahlperiode verändert – je größer der Abstand zur Wahl, desto seltener wird abgefragt – werden nur die Daten aus dem Jahr 2013 verglichen. Als Indikatoren zum Vergleich eignet sich zunächst (a) die durchschnittliche wöchentliche Veränderung der Werte einer Partei. Je dramatischer die ausfällt, desto eher lässt sich eine gute „Geschichte“ rund um die Werte erzählen („SPD stürzt ab“, „Piraten stürmen ins Parlament“ etc.).

 

Mittlere wöchentliche Veränderung

 

CDU/CSU

SPD

Grüne

FDP

Durchschnitt

Infratest dimap

0,78

1

0,74

0,26

0,7

Emnid

1

0,61

0,56

0,48

0,66

Forsa

0,96

0,65

0,87

0,52

0,75

Die Institute unterscheiden sich in dieser Hinsicht jedoch kaum. Für die vier etablierten Parteien CDU/CSU, SPD, Grüne und FDP erzielt Forsa zwar mit 0,75 Prozentpunkten die größte durchschnittliche Veränderungsrate. Infratest dimap (0,7) und Emnid (0,67) liegen jedoch nicht wirklich weit zurück.

Auch ein Vergleich  für die einzelnen Parteien ergibt kein klares Bild. Bei der CDU weist Emnid mit einer Veränderungsrate von einem Prozentpunkt die größte Dynamik auf, bei der SPD liegt Infratest dimap vorne (1 Prozentpunkt), bei den Grünen (0,87) und der FDP (0,52) Forsa.  

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