Wahlsager: Erstmals Mehrheit für Schwarz-Gelb

ThemaWahlen 2017

kolumneWahlsager: Erstmals Mehrheit für Schwarz-Gelb

Kolumne von Konrad Fischer und Jan Eric Blumenstiel

Pünktlich zum Duell der Kandidaten ist eine Wiederwahl der amtierenden Koalition zum ersten Mal wahrscheinlicher als eine Sitzmehrheit für das linke Lager.

Die große Aufholjagd könnte zu spät kommen. Am Tag nach dem Kanzlerduell sind sich die meisten Beobachter einig: Punkt für Steinbrück. Nach einer langen Folge von politischen Eigentoren sei der Kandidat auf Augenhöhe mit der Kanzlerin gewesen. In der Wählerschaft geht der Trend währenddessen in die entgegengesetzte Richtung. Erstmals stehen die Chancen für eine Koalitionsmehrheit aktuell besser als für das gesamte linke Lager.  In der Wahlsager-Prognose ist die Wahrscheinlichkeit für eine Mehrheit von CDU/CSU und FDP größer als für die drei Parteien SPD, Grüne und Linke. Zur Erinnerung: Über das tatsächliche Zustandekommen von Koalitionen sagt die Wahrscheinlichkeit natürlich nichts aus. Die Zahlen dokumentieren zudem die Wahrnehmung der Wähler in der vergangenen Woche, Auswirkungen des Duells werden frühestens kommenden Montag sichtbar sein.

Es ist dennoch eine erstaunliche Entwicklung, sah es doch noch vor Wochen so aus als habe das linke Lager eine bereits stark verfestigte Mehrheit. So lag die Wahrscheinlichkeit, dass SPD, Linke und Grüne gemeinsam eine Mehrheit der Sitze erlangen, noch Ende Mai nahe bei 100 Prozent (Kalenderwoche 20: 96 Prozent). Zum gleichen Zeitpunkt erreichte die schwarz-gelbe Koalition nur die nahezu aussichtslos erscheinende Wahrscheinlichkeit auf eine eigene Mehrheit von vier Prozent. Seitdem hat sich vor allem eines verändert: Die Werte der FDP haben sich erholt, der Einzug ins Parlament ist inzwischen wieder recht sicher (aktuelle Wahrscheinlichkeit 88 Prozent). 

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Und so kletterte auch die Wahrscheinlichkeit auf eine Koalitionsmehrheit mit jeder Woche um ein paar Punkte. Mitte Juni lag sie erstmals über zehn Prozent, Anfang Juli dann der Sprung über die 20-Prozent-Marke. Inzwischen liegt sie bei 57 Prozent. Zugleich sackte die Wahrscheinlichkeit für eine linke Mehrheit mit jedem Prozentpunkt, den SPD oder Grüne verloren. Mitte Juni erstmals unter 90 Prozent, im Juli dann unter 80. Im August beschleunigte sich der Abstieg rasant: Von 77 Prozent fiel die Wahrscheinlichkeit auf 72, dann auf 60. In der aktuellen Woche besteht jetzt nur noch eine 42-Prozent-Chance auf eine Mehrheit für das linke Lager.

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Noch sind es zwar drei Wochen. Die Tendenzen aber sind aus Oppositionssicht im Moment erschreckend eindeutig. Die Wahrscheinlichkeit für Rot-Grün, im Mai noch beinahe so hoch wie für Schwarz-Gelb, verabschiedet sich währenddessen an den Rande des messbaren: Seit Juni liegt sie bei einem Prozent. Eine eigene Mehrheit zu erreichen, wird für SPD und Grüne also sehr schwierig, eine schwarz-gelbe Mehrheit zu verhindern ist aber nach wie vor möglich, denn zwei Unsicherheiten bleiben für Schwarz-Gelb:

  • Die veröffentlichten Umfragedaten für die FDP beinhalten zum Teil Vermutungen über sehr schlecht abschätzbare Effekte taktischen Stimmverhaltens. So liegen die Liberalen in den Rohdaten der Forschungsgruppe Wahlen aktuell nur bei 4%, in der Projektion aber bei 6%.

  • Die Union liegt vor allem in telefonischen Umfragen derzeit stabil über 40 Prozent. In anderen Umfragemethoden oder Prognoseverfahren, seien es die persönlichen Allensbach-Umfragen, Online-Panels, Prognosemärkte oder Experteneinschätzungen, liegt die Union nur bei ca. 38 oder 39 Prozent.

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