Wahlsager: Neue Information aber dafür schwierige Auswertung

ThemaWahlen 2017

Wahlsager: Wie glaubhaft sind Internet-Prognosen?

Neue Information aber dafür schwierige Auswertung

Social-Media-Prognosen wie das Wahl-o-meter oder das Wiwo-Tool basieren auf der Auswertung veröffentlichter politischer Meinungen in sozialen Netzwerken. Sie sind ebenso wie die election.de-Prognose vor allem deshalb interessant, weil sie eine neue Informationsquelle erschließen. Genau das macht ihre Auswertung aber auch besonders schwierig.

Infografik So wählt das Netz

Während der Bundestagswahlkampfs analysieren die WirtschaftsWoche und der Datenspezialist Attensity mit einer Sprachanalysetechnik, wie das Netz über Parteien und Politiker diskutiert.

Attensity Einspalter und Themenseite

Denn die hier abgebildeten Beiträge stammen von einer Untergruppe der Internetnutzer, die in ihrer Gesamtheit schon Verzerrungen bei der Abbildung der Gesellschaft aufweisen. Als „Political Net Activists“(Renate  Köcher und Oliver Bruttel 2011: 1. Infosys-Studie: Social Media IT & Society)  werden jene Internetnutzer bezeichnet, die mindestens drei der folgenden Beteiligungsformen schon einmal politisch genutzt haben: Online-Unterschriftenaktion, Online-Abstimmung, Soziale Netzwerken, Kommentar auf Nachrichtenseite/im Chat, Blog, Twitter.

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Man wird davon ausgehen können, dass die erfassten Meinungsäußerungen ausschließlich von solchen „Aktivisten“ kommen. Sie unterscheiden sich jedoch deutlich von der Gesamtbevölkerung: Der Männeranteil ist rund doppelt so hoch, sie sind deutlich jünger, verdienen deutlich mehr Geld als der Durchschnitt und sind deutlich höher gebildet.

Diese Verzerrung  müsste statistisch ausgeglichen werden, was bisher jedoch aufgrund geringer Erfahrungen nicht möglich ist. Für die Zukunft versprechen diese Beobachtungen jedoch ein großes Potenzial: Zum einen dürfte die Zahl der „Aktivisten“ weiter zunehmen und damit die Verzerrung geringer werden. Zum anderen wird mit jedem Abgleich mit einem realen Wahlergebnis die statistische Korrektur einfacher.

Ein Vergleich der aktuellen Prognosen:

Projektion

CDU/CSU

SPD

FDP

Linke

Grüne

Piraten

AfD

Wahlsager-Masterprojektion

40,4

25,0

5,0

7,2

13,2

2,5

2,6

Political-Economy-Modell

41

28

6

9

10

2,5

1,2

Election.de

39

24

7

8

13

3

2

Naives Sonntagsmodell

40,3

26,8

7,4

7,7

11,7

1,7

1,2

Prognosemarkt PESM

36,0

24,0

7,2

7,1

12,2

2,8

7,3

Wahl-o-meter

41,0

22,0

4,0

6,0

11,0

4,0

9,0

pollyvote

39,4

24,7

6,1

7,0

12,5

2,4

4,2

All diese Verfahren zu kombinieren versucht das Projekt „pollyvote“ (http://pollyvote.ifkw.uni-muenchen.de/prognose/) von der Münchner Ludwig-Maximilian-Universität. Auf den ersten Blick scheinen dabei jedoch die Verzerrungen der Prognosemärkte etwas zu deutlich einzufließen. Sobald die geplanten Experteneinschätzungen verfügbar sind, könnte sich das jedoch reduzieren.

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Was die Tools wirklich leisten, wird sich nach der Wahl zeigen. Schon jetzt sind sie aber eine interessante zweite Informationsquelle, weil sie entweder die Dynamik des öffentlichen Wahlkampfs  abbilden (Börsen und Social-Media-Tools) oder gerade aufzeigen, wie wenig die öffentliche Dynamik das Gros der Wähler beeinflusst (quantitative Verfahren).

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