Wahlsager: Noch ist nichts verloren – außer für die SPD

ThemaWahlen 2017

kolumneWahlsager: Noch ist nichts verloren – außer für die SPD

Kolumne von Konrad Fischer und Jan Eric Blumenstiel

An den Zustimmungswerten für die Parteien kann sich in den letzten Monaten vor der Wahl viel ändern. Wovon das abhängt und warum es den Sozialdemokraten wohl nicht mehr helfen wird.

Wenn es diese Vermutung nicht gäbe, man könnte sich den Wahlkampf sparen: Alles kann sich noch ändern, auch in den letzten Tagen. Selbst wenn Monate vor der Wahl die Mehrheitsverhältnisse schon klar erscheinen, abgerechnet wird am Wahlabend, 18 Uhr.  Dass es diese Veränderungen tatsächlich gibt, haben wir bereits anhand des Vergleichs der Meinungsforschungsinstitute angedeutet: Nur in sechzig Prozent der Fälle lag das tatsächliche Wahlergebnis innerhalb der vier Monate vor der Wahl in den Umfragen erhobenen Ergebnisspanne.  

Angesichts der Ergebnisse von Wählerbefragungen kann das nicht verwundern. So ergeben die Daten der uns vorliegenden German Longitudinal Election Study, dass sich bei der Wahl 2009 nur knapp 45 Prozent der Wähler schon lange vor dem Wahltermin auf eine Partei festgelegt hatten. 14,3 Prozent gaben an, dies "ein paar Monate" vor der Wahl getan zu haben, 32,9 Prozent waren sich erst ein paar Wochen oder ein paar Tage vor der Wahl sicher. 8,1 Prozent hatten sich nach eigener Angabe sogar erst am Wahltag selbst entschieden.  Der Anteil dieser Spätentschlossenen steigt in den vergangenen Jahren kontinuierlich, so hatten sich noch 1998 und 2002 rund zwei Drittel aller Wähler früh entschieden. Damit wird auch das Werben um sie immer bedeutsamer.

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Parteianhänger, Kristallisierer und Zauderer

Konservative legen sich zuerst fest

Konservative legen sich zuerst fest

Im Verlauf des Wahlkampfs können sich die Präferenzen der Wähler auf ganz unterschiedliche Weise verändern. Manche Wähler ("Parteianhänger") geben stets der gleichen Partei ihre Stimme und ändern dies auch nicht mehr, egal wie der Wahlkampf verläuft. Sie machten 2009 ungefähr die Hälfte (48 Prozent) der gesamten Wählerschaft aus. Rund 23 Prozent der Wähler ("Kristallisierer") wissen zwar zu Beginn des Wahlkampfs noch nicht, was sie wählen sollen, sobald sich jedoch einmal eine Präferenz gebildet hat, wird diese auch nicht mehr verändert. 

WiWo Lunchtalk Wie glaubwürdig sind Wahlprognosen?

Jeden Tag um 12 Uhr sprechen wir im WiWo Lunchtalk für 15 Minuten über ein Thema. Heute zu Gast: Konrad Fischer, einer der Köpfe hinter unserer neuen Kolumne "Die Wahlsager".

WirtschaftsWoche Lunchtalk Logo Quelle: WirtschaftsWoche Online

Weitere neun Prozent der Wähler gelten als sogenannte "Zauderer": Am Anfang nennen sie eine Partei, wechseln im Verlaufe des Wahlkampfes zwischenzeitlich zu einer anderen, kehren in der Wahlkabine aber zu ihrer ursprünglichen Entscheidung zurück. Aus politischer Sicht besonders interessant sind die verbleibenden 20 Prozent der Wähler ("Parteiwechsler"). Sie wählen am Ende eine andere Partei als sie zu Beginn angeben.

25 Prozent nutzen "Stimmensplitting"

Gründe Spätzünder

Gründe Spätzünder

Wie viele der Wähler aus den einzelnen Gruppen zur Wahl gehen und wem sie ihre Stimme geben, hängt von einer Reihe von Effekten ab. Vor allem für die Parteianhänger und Kristallisierer von Bedeutung ist der Mobilisierungseffekt: Ein Parteiwechsel kommt bei Ihnen ohnehin nicht infrage, wie ihre Partei im Wahlkampf auftritt entscheidet allein darüber, ob sie zur Wahl gehen. Hier sind  tendenziell die linken Parteien im Nachteil, bei ihnen gelingt die Mobilisierung seltener. Externe Ereignisse können die Mobilisierung zusätzlich erleichtern, klassisches Beispiel dafür ist die Oderflut 2002. Einen erstaunlich starken Effekt hat zudem das Fernsehduell, mit dem wir uns in einem späteren Beitrag genauer befassen werden.

Mindestens ebenso bedeutsam sind aber taktische Überlegungen. Auch wenn es empirisch kaum möglich ist, taktisches Wahlverhalten nachzuweisen, so deutet doch einiges darauf hin, dass es in den vergangenen Jahren immer wichtiger geworden ist. So machten noch 1980 nur 10 Prozent der Wähler vom sogenannten "Stimmensplitting" Gebrauch, auch 1990 waren es erst 16 Prozent. Dabei wird mit der Erststimme eine andere Partei gewählt als mit der Zweitstimme. Bei der vergangenen Wahl nutze schon jeder vierte Wähler (25,4 Prozent) diese Möglichkeit.

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