Wahlsager: Wie der Wahl-O-Mat die Wahl beeinflusst

ThemaWahlen 2017

kolumneWahlsager: Wie der Wahl-O-Mat die Wahl beeinflusst

Kolumne von Konrad Fischer und Jan Eric Blumenstiel

Jeder zehnte Wähler nutzt das Tool vor seiner Stimmabgabe. Damit hat es erheblichen Einfluss auf die Stimmverteilung zwischen den Parteien – vor allem bei der Mobilisierung der Stammwähler. Wem das nützt.

Es ist wohl die ehrlichste Art, seine Wahlentscheidung zu treffen: Einmal durch die Fragen im Wahl-O-Mat der  Bundeszentrale für politische Bildung klicken, die Partei mit der größten Trefferquote auswählen, Kreuzchen machen, gut ist es. Aber wer macht das wirklich? Erstaunlich viele. Vor der Bundestagswahl 2009 haben fast sieben Millionen Menschen den Wahl-O-Mat genutzt, dieses Mal dürften es noch deutlich mehr werden. Dabei ist das Tool nicht nur gute Unterhaltung, sondern hat auch für die Wahlentscheidung eine große Bedeutung. Ja, inzwischen lässt sich sogar nachweisen, dass der Wahl-O-Mat einigen Parteien tatsächlich zusätzliche Stimmen bringt. Das geht aus den Zahlen der German Longitudinal Election Study (GLES) hervor.

Erfunden wurden Online-Wahlhilfen in den Niederlanden, wo es inzwischen knapp 40 Prozent der Wahlberechtigten nutzen. Als die Bundeszentrale für politische Bildung das Instrument in Deutschland einführte, war das erklärte Ziel, damit die Wahlbeteiligung unter jungen Menschen zu erhöhen. Die hatten sich in Umfragen oft beklagt, dass sie gar nicht wüssten, wofür die einzelnen Parteien eigentlich stünden. Offenbar hält das viele von der Wahl ab. Diese Lücke sollte die Konfrontation mit den konkreten Positionen der Parteien lösen. Zumindest zum Teil scheint der Wahlautomat das zu leisten. Gleichzeitig geht aus den GLES-Daten allerdings hervor, dass den Test vor allem die Wähler nutzen, bei denen die Wahrscheinlichkeit der Wahlbeteiligung ohnehin besonders groß ist: Junge, gut Gebildete und politisch Interessierte.

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60 Prozent der Testnutzer waren bei der vergangenen Wahl unter 40 Jahre alt, in der Gesamtbevölkerung liegt dieser Anteil nur bei 36 Prozent.  Nur etwa 10 Prozent der Nutzer haben ein geringes politisches Interesse. Die meisten Nutzer des Wahlautomaten (90 Prozent) haben sich zudem bereits vorher dazu entschlossen, wählen zu gehen. Als Grund für die Nutzung geben 56 Prozent der politisch Interessierten an, dass sie ihren Standpunkt überprüfen wollten. Bei den Politikfernen hingegen überwiegt der Wunsch, überhaupt eine passende Partei zu finden: 50 Prozent dieser Teilnehmer gaben 2009 an, dass sie nach Rat bei der Wahlentscheidung suchten.

Nach dem Selbsttest fühlen sich die meisten Wähler bestätigt: Zwei Drittel der Nutzer gaben an, das Ergebnis habe ihren Erwartungen entsprochen. Besonders in diesem Fall hat der Wahlautomat dann auch Auswirkungen auf das Wahlverhalten. So gaben insgesamt 81 Prozent der Befragten an, zur Wahl gehen zu wollen. Bei den Nutzern des Tests, die vom Ergebnis überrascht waren, lag der Anteil bei 85 Prozent, bei denen, die sich bestätigt fühlten, sogar bei 91 Prozent.

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