Wahlwerbung: Plakative Genossen

ThemaWahlen 2017

Wahlwerbung: Plakative Genossen

von Henning Krumrey

Endlich kommt er auf Touren, der Wahlkampf der SPD. Heute haben die Genossen ihre Wahlkampagne vorgestellt, also vor allem ihre Plakatmotive. Sie zeigen die zwei Gesichter der Partei.

Pfiffig und offensiv, wenn es gegen Angela Merkel und ihre Regierungstruppe geht; bieder und gähnend langweilig, wenn die Sozialdemokraten ihre wesentlichen Inhalte vorstellen wollen. So attackieren die Wahlkampfstrategen um Generalsekretärin Andrea Nahles die Regierungschefin unter anderem mit dem Motiv „Merkels Kompetenzteam“, das sie im Kreis ihrer beiden aktuellen Problemminister Thomas de Maizière und Ronald Pofalla zeigt. Der eine ist im Sturzflug, seit er die Aufklärungsdrohne Euro Hawk vom Himmel holte; der andere soll aufklären, was die Telefonaufklärer der amerikanischen Abhörbehörde NSA in Deutschland aufgeklärt haben. Die „beste Regierung seit der Einheit“, wie Merkel ihr Kabinett inzwischen hartnäckig nennt, bebildern die Genossen mit einer schläfrigen Kanzlerin und einem gelangweilten Vizekanzler Philipp Rösler. Nur etwa für politische Feinschmecker ist das Handtaschen-Poster, auf dem Merkel in den Untiefen eines roten Lederbeutels wühlt. Die Zeile „Neuland für Merkel“ erschließt sich nur jenen, die in den vergangenen Wochen die Debatte um die Netzkenntnisse der Kanzlerin ("Das Internet ist für uns alle Neuland.") mitbekommen hatten. Aber lustig sind die Merkel-Plakate allemal.

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SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück stellt in Berlin die Wahlkampagne der SPD zur Bundestagswahl vor. Quelle: dpa

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück stellt in Berlin die Wahlkampagne der SPD zur Bundestagswahl vor.

Bild: dpa

So leicht sich die SPD mit flotten Personalattacken tut (übt sie ja auch immer in den eigenen Reihen), so schwer fällt es ihr, ihre inhaltlichen Forderungen optisch vorzubringen. Ein Blitzblank-Putzduo dient zur Illustration der Forderung „Wir für den gesetzlichen Mindestlohn“. Ein Rentnerpaar steht für ein „Alter ohne Armut“. Eine (alleinerziehende?) Mutter wirbt „für mehr Kitaplätze“, eine vierköpfige Familie mit Umzugskartons auf schick abgezogenen Dielen wünscht sich „bezahlbare Mieten“. Wie diese schönen Ziele erreicht werden sollen, steht auf den Plakaten nicht. Die meisten der Forderungen – mit Ausnahme des Mindestlohns – könnte auch jede andere Partei aufstellen oder unterschreiben. Das Herausragende ist deshalb des große „Wir“. Es ist das neue Dauermotiv der SPD, seit sie den Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück aufs Schild hob. Denn „das Wir entscheidet“, heißt die Parole. Es soll sich abheben vom „ich“, dass die SPD anderen Parteien unterstellt.

Die Sozialdemokraten legen Wert darauf, dass es sich bei den abgebildeten Personen nicht um Fotomodelle handelt, sondern um reale Eltern, Rentner, Reinigungskräfte. Die zumindest kann die Kanzlerin nicht so einfach für ihren Wahlkampf kopieren wie die Themen, mit denen die SPD eigentlich punkten wollte. Und die Merkel-Plakate wird die CDU nicht übernehmen. Auf dem Terrain des humorvoll-aggressiven Wahlkampfs sind die Genossen ohnehin von den Schwarzen gefährdet. Die Unionsparteien sind traditionell zu ängstlich, den Gegner plakativ anzugreifen.

Dennoch gibt es schon die erste Kritik an der SPD-Kampagne in den eigenen Reihen. Sieben Stunden nach Vorstellung der Plakate gibt es auf der betreffenden SPD-Seite im Internet vier Kommentare - alle negativ. Drei davon stammen eindeutig von Genossen. Verärgert über die frische Munition zeigt sich beispielsweise Sebastian Forck, Vorsitzender der SPD-Abteilung Südliche Friedrichstadt in Berlin Mitte. „Ich habe bei meinem ersten Wahlkampf gelernt, der politische Konkurrent wird nicht erwähnt!“, erinnert der Ortschef an seine ersten Erfahrungen. „Jetzt eine solche Kampagne, die an der Teflon-Merkel abprallen wird und uns um die Ohren fliegt! Herzlichen Glückwunsch!“

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