_

Wasser- und Schifffahrtsverwaltung: Eine Megabehörde widersetzt sich der Kritik

von Max Haerder

Schwarz-Gelb im Bundestag ringt mit der eigenen Regierung. Der Streit: Darf es unreformierbare Behörden geben?

Zahlreiche Bojen in deutschen Gewässern müssen regelmäßig kostspielig gewartet werden. Quelle: dpa/dpaweb
Teure Wartung: In anderen Ländern sind modernere Tonnen längst Standard Quelle: dpa/dpaweb

Der deutsche Beamte prüft jede Anregung penibel und unbestechlich – besonders darauf, ob sie ihm selbst gefährlich werden könnte. 2001 legte der Bundesrechnungshof (BRH) dem Bundesverkehrsministerium eine Idee vor, die ziemlich vernünftig klang. Ob man nicht über die mehr als 6600 Schifffahrtstonnen nachdenken müsse, die in Nord- und Ostsee dümpeln, um Containerriesen und Autofähren die Fahrrinnen anzuzeigen?

Anzeige

Weil mit jeder Welle salzige Gischt an den eisernen Pylonen nagt, müssen sie regelmäßig eingeholt, entrostet und mit einem neuen Anstrich versehen werden. Die zuständigen Ämter, befanden die Rechnungsprüfer, könnten Geld sparen, wenn auf Plastiktonnen umgestellt würde: kein Rost mehr, weniger Personal, weniger Werkstätten.

Gute Idee? Kommt auf die Perspektive an. Als der BRH im vergangenen Jahr die Einsparungen überprüfen wollte, musste er feststellen, dass die Strahlkraft der Argumente bei der verantwortlichen Wasser- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) genauso verblasst war wie die Signalfarbe auf den Metalltonnen. Über ein paar Tests mit der Plaste war die WSV nämlich bislang nicht hinausgekommen.

Streit füllt Aktenordner

Und das, obwohl die rostfreie Variante bei europäischen Nachbarn längst Standard ist. Die Reaktion des Bundesrechnungshofs fiel entsprechend harsch aus: Man könne nicht erkennen, dass das übergeordnete Verkehrsministerium „sein Verwaltungshandeln am Grundsatz der Wirtschaftlichkeit“ ausrichte.

Der Clinch zwischen den hartnäckigen Rechnungsprüfern und der besonders eigenwilligen Verwaltung füllt mittlerweile ganze Aktenordner. Die WSV, Teil des Verkehrsressorts von Minister Peter Ramsauer (CSU), ist so etwas wie der Quastenflosser der deutschen Bürokratie – ein von der Evolution nahezu unberührter Organismus.

Der verästelte Apparat preußischer Provenienz, mit mehr als 15 000 Mitarbeitern und rund 625 Millionen Euro jährlichem Personalbudget gesegnet, hat sich bislang noch fast allen Reformbemühungen entzogen, ganz egal, wie der Hausherr im zuständigen Ministerium hieß.

3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 17.05.2012, 10:25 UhrHarder-Fan

    So lange die Wirtschaftswoche Redakteure beschäftigt, die unreflektiert wiedergeben, was ihnen von interessierter Seite in die Feder diktiert wird, wird man wohl damit leben müssen, dass der Unterhaltungswert der Artikel im Vordergrund steht und Fakten nicht entscheidend sind. Allein der Satz von "dümpelnden" Tonnen belegt, dass dem Verfasser die Verhältnisse vor Ort nicht geläufig sind. Vom warmen Büro aus mit ein paar gelegentlichen Ausflügen zum Berliner Wannsee ist es eben einfach, einige lustige Zeilen zusammenzutippen und darzulegen, dass die dumme Verwaltung noch nicht mal versteht, dass Stahl = schlecht und Plastik = gut ist.

    Ein jämmerlicher Artikel, der ebenso gut in der BILD hätte erscheinen können.

  • 14.05.2012, 07:07 UhrSchade

    Schade dass in der Wirtschaftswoche seriöser Journalismus nicht gefragt ist ... Aber wenn es der Wirtschaft hilft ....

  • 12.05.2012, 09:51 UhrMafia

    Enak Ferlemann wird schon dafür sorgen, dass sich hier nichts ändert, schließlich sitzt er ja im Aufsichtsrat von Grontmij. Komischerweise bietet dieses Unternehmen Leistungen im Bereich Wasserbau und Wasserstraßen an!!!!!!!!!!!!

Alle Kommentare lesen
weitere Fotostrecken

Blogs

Flattern auf der Stelle
Flattern auf der Stelle

Die SPD feiert pompös 150 Jahre Vergangenheit – und hat keine Zukunft, weil sie sich erst vergessen und dann selbst...

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 18.05.2013

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche

    Folgen Sie uns im Social Web

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.