Weblog Berlin intern: Warum Distanz zu den USA falsch ist

kolumneWeblog Berlin intern: Warum Distanz zu den USA falsch ist

Kolumne

Wenn eigenes Versagen kaschiert werden soll, sucht man einen Sündenbock. Den haben Finanzminister und Kanzlerin gefunden: Die USA sind schuld an fast allem, was schiefläuft.

Fast gewinnt man den Eindruck, den Protagonisten der großen Koalition ist die Eskalation der Finanzkrise gerade recht gekommen: Denn bereits seit Wochen war allen Berliner Beteiligten klar, dass der zweijährige Konjunkturaufschwung zu Ende geht. Doch Berlin hoffte auf ein Wunder oder dass man der Finanzkrise mit einem blauen Auge entkommt. Systematisch wurde den Bürgern der Ernst der Lage verschwiegen, obwohl es intern genügend warnende Stimmen gab. Vor allem wurde in den Jahren sprudelnder Steuereinnahmen versäumt, das Haus wetterfest zu machen. Jetzt gibt es für mögliche notwendige Sonderprogramme keinen finanziellen Puffer – es sei denn, man macht neue Schulden.

Um das eigene Versagen zu kaschieren und eine Kehrtwende vorzubereiten, muss man nun in Berlin so tun, als habe die Entwicklung eine völlig neue Qualität erreicht. Schuld an der Eskalation haben vor allem die Amerikaner. Keine Rede von den hausgemachten Problemen – KfW, IKB und auch Hypo Real Estate oder mangelnder Risikovorsorge im deutschen Etat. Stattdessen befindet Finanzminister Peer Steinbrück: „Ursprung und Schwerpunkt der Probleme liegen eindeutig in den USA.“ Dann fallen Worte wie „Rattenrennen“, „Spekulation“ oder „Heizer“ an den Finanzmärkten.

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So erhebt man sich mit Häme über die politischen und wirtschaftlichen Eliten in den USA. Auch die Kanzlerin nutzte jüngst eine Rede, um die amerikanische Regierung vorzuführen, die – anders als die Weitsichtigen in Berlin – keine regulatorischen Auflagen an den Finanzmärkten gewollt hätte.

Natürlich hat das amerikanische System versagt, aber die Amerikaner werden sich – wie immer nach Krisen – reformieren, neu erfinden. Für Häme ist da kein Platz. Nach den Übertreibungen im Finanzsektor wird die amerikanische „Realwirtschaft“ bald wieder eine größere Rolle spielen. Immer noch ist die US-Volkswirtschaft eine der innovativsten der Welt sowie wichtiger Absatzmarkt und Partner Deutschlands. Wenn Amerika taumelt und wir nicht helfen, dann wird auch Deutschland mit in den Abgrund gerissen.

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