Wegen Anschlagsgefahr: Bundesweite Razzien in Islamistenszene

Wegen Anschlagsgefahr: Bundesweite Razzien in Islamistenszene

, aktualisiert 04. Februar 2016, 15:04 Uhr
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Einsatzfahrzeuge der Polizei vor dem Erstaufnahmeauflager für Flüchtlinge in der Rundturnhalle in Attendorn. Bei einem Großeinsatz der Polizei sind am Donnerstag zwei Islamisten festgenommen worden.

Im Morgengrauen schlagen die Ermittler zu. Seit Wochen hatten sie eine Gruppe von Algeriern im Visier. Die Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat sollen Anschläge geplant haben. Im Visier: die deutsche Hauptstadt.

Vier Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) haben womöglich einen Anschlag in der deutschen Hauptstadt geplant. Bei einer großangelegten Razzia Hunderter Polizisten in Berlin, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen wurde die islamistische Terrorzelle am Donnerstag zerschlagen. Ermittelt wird gegen vier Algerier im Alter zwischen 26 und 49 Jahren wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat, wie die Polizei in Berlin weiter mitteilte. Es gab zwei Festnahmen.

„Es geht um mögliche Anschlagsplanungen für Deutschland - konkret für Berlin“, sagte der Sprecher der Ermittlungsbehörde, Martin Steltner, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Eine Verbindung zu den Terrorwarnungen an Silvester in München oder zur Absage eines Fußball-Länderspiels in Hannover im November sei derzeit nicht zu erkennen, hieß es in Sicherheitskreisen.

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Nach dpa-Informationen hatte einer der Verdächtigen, der bei einer Durchsuchung in Hannover gefunden, aber nicht festgenommen wurde, Verbindungen zu belgischen Islamisten. Der 26-Jährige sei vor wenigen Wochen mindestens einmal in die Brüsseler Gemeinde Molenbeek gereist, hieß es in Sicherheitskreisen. Dort hatte auch der getötete mutmaßliche Drahtzieher der islamistischen Anschläge in Paris vom 13. November, Abdelhamid Abaaoud, gelebt.

Aus diesen Ländern kommen Asylbewerber in Deutschland

  • Afghanistan

    Fünf Prozent der Flüchtlinge, die in Deutschland Asyl suchen, kommen aus Afghanistan.

  • Irak

    Genauso viele (fünf Prozent) suchen aus dem Irak Zuflucht in Deutschland.

  • Serbien

    Aus Serbien im Balkan kommen sechs Prozent der Asylbewerber.

  • Albanien

    Aus Albanien kommen deutlich mehr Flüchtlinge, nämlich 15 Prozent.

  • Kosovo

    Der gleiche Anteil (15 Prozent) sucht aus dem Kosovo Zuflucht in Deutschland.

  • Syrien

    Mit 22 Prozent ist der Anteil der syrischen Asylbewerber in Deutschland mit Abstand am größten.

Als Hauptverdächtiger der am Donnerstag aufgeflogenen Terrorzelle gilt ein 35-Jähriger, der in einem Flüchtlingsheim in Attendorn im Sauerland festgenommen wurde. Der Islamist, der zu den vier Verdächtigen gehört, wurde laut Polizei aber nicht wegen der möglichen Anschlagsplanungen festgenommen. Ob dies daran lag, dass zu diesem Verdachtsmoment bislang nicht genügend Beweismaterial vorlag, blieb zunächst offen.

Polizeisprecher Stefan Redlich sagte, die deutsche Seite habe bei dem 35-Jährigen einem Festnahme-Ersuchen algerischer Behörden wegen dessen IS-Mitgliedschaft entsprochen. Der Islamist, der wahrscheinlich auch militärisch ausgebildet ist und laut Polizei im syrischen Kampfgebiet war, kam nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur über die sogenannte Balkanroute nach Bayern und wurde dort als Flüchtling registriert. Nach ersten Hinweisen auf Anschlagspläne sei der Mann dann in Nordrhein-Westfalen ausfindig gemacht worden.

Konkrete Hinweise auf geplante Anschläge gegen Karnevalsumzüge in Deutschland gab es bei den Behörden nicht. In Sicherheitskreisen wurde ein solcher Zusammenhang aber nicht ausgeschlossen. „Wir haben derzeit keine Hinweise, dass Anschläge in NRW - auch nicht im Zusammenhang mit Karneval - geplant worden sind“, sagte ein Sprecher des nordrhein-westfälischen Innenministeriums in Düsseldorf.

Ein zweiter Algerier im Alter von 49 Jahren wurde in Berlin festgenommen - auch er aber nicht wegen möglicher Anschlagsplanungen. Laut Polizei lag gegen ihn ein Haftbefehl wegen Urkundenfälschung aus einem anderen Verfahren vor. Ein weiterer Verdächtiger wurde in Berlin angetroffen, jedoch nicht festgenommen. Beide Männer lebten schon länger in Berlin und arbeiteten auch hier, wie der Polizeisprecher sagte.

Auch ein Backshop am Berliner Alexanderplatz wurde durchsucht. Die „Bild“-Zeitung hatte berichtet, das Anschlagsziel sei offenbar der Alexanderplatz selbst gewesen. Laut „Tagesspiegel“ stand der „Checkpoint Charlie“ als Touristenmagnet im Visier. Zu beiden Orten habe man keine Hinweise, sagte der Polizeisprecher.

Weitere Artikel

Die mutmaßlichen Mitglieder der Terrorzelle haben verschlüsselt kommuniziert, wie die dpa aus Sicherheitskreisen erfuhr. Die Verdächtigen hätten unter großer Geheimhaltung verdeckt operiert. Ein Bezug der Verdächtigen ins Bürgerkriegsland Syrien ergab sich demnach bei den wochenlangen Ermittlungen. Die Erkenntnisse gegen die Männer hätten sich um den Jahreswechsel herum verdichtet. Demnach wollte die Gruppe in Berlin zusammenkommen, um Attentate vorzubereiten.

Nach den Informationen erhielt die Polizei den ersten Hinweis auf den Hauptverdächtigen in NRW vom Bundesamt für Verfassungsschutz. Bei den weiteren Ermittlungen seien Kontakte des Mannes zu Islamisten in Berlin und Hannover festgestellt worden.

Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) erklärte, die Bedrohungslage durch militante Islamisten bleibe hoch. „Wir haben weiterhin allen Grund, wachsam und vorsichtig zu sein.“ Ein konsequentes Vorgehen gegen die Islamistenszene sei geboten - vor allem, wenn es um mögliche IS-Bezüge geht.

Das Berliner Landeskriminalamt leitete die Aktion der zeitgleichen Durchsuchungen. Rund 450 Beamte stellten Computer, Mobiltelefone und Aufzeichnungen sicher. Die Beweismittel sollten nun ausgewertet, die beiden Festgenommenen einem Haftrichter vorgeführt werden.

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