Wehrpflicht: Nur noch die falschen Rekruten

KommentarWehrpflicht: Nur noch die falschen Rekruten

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Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (vorn l - CSU) und US-Botschafter Philip Murphy begrüßen am Dienstag (24.08.2010) bei ihrem Besuch des Truppenübungsplatzes Grafenwöhr (Oberpfalz) Bundeswehrsoldaten, die einen Brückenschlag demonstriert haben. Guttenberg besuchte im Rahmen seiner diesjährigen Sommerreise das Panzerpionierbataillon 701 auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr.

von Thomas Stölzel

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg will die Wehrpflicht abschaffen. Warum dies eine schlechte Idee ist, analysiert WirtschaftsWoche-Redakteur Thomas Stölzel.

Auf den ersten Blick ist es ein vernünftige Entscheidung von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, die Wehrpflicht in Deutschland abzuschaffen.

Junge Soldaten aufwendig auszubilden, um sie sechs Monate später wieder zu entlassen und nie wieder zu benötigen, ist alles andere als ökonomisch. Doch auf den zweiten Blick offenbaren sich fatale Nebenwirkungen.

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Wer jemals in der Bundeswehr gedient hat, dürfte sich an diejenigen Wehrpflichtigen erinnern, die sich zu Beginn sofort verpflichten wollten, länger zu bleiben. Tatsächlich aber wurde von diesen Kameraden fast nie jemand zum Zeitsoldat.

Das hatte seine Gründe: Viele waren - diplomatisch ausgedrückt - nicht reif für einen Dienst an der Waffe, hatten mitunter eine rechtsextreme Einstellung oder schlicht die falsche Vorstellung vom Alltag in der Truppe.

Diejenigen, die die Bundeswehr am Ende der Wehrpflichtzeit tatsächlich als Zeitsoldaten rekrutiert, sind die anderen. Es sind Soldaten, die sich anfangs nie freiwillig gemeldet hätten, die (oft) nicht schießwütig sind, die ausschließlich aufgrund der Wehrpflicht in der Armee landeten.

Eine Tatsache, die der Truppe gut tut. Schließlich braucht eine verantwortungsvolle Armee, die in Regionen wie Afghanistan Frieden bringen und das Vertrauen der dortigen Bevölkerung gewinnen soll, intelligente Soldaten.

Innenansichten der US-Streitkräfte, wie sie etwa Rolling-Stone-Reporter Evan Wright in seinem Buch "Generation Kill" niederschrieb, zeigen dagegen eindrucksvoll die Schattenseiten einer reinen Berufsarmee. Und wer kann sich nicht mehr an die Folter-Bilder aus dem irakischen Gefängnis Abu Ghraib erinnern, die ungeeignete Soldaten als Erinnerung schossen.

In einer Wehrpflichtarmee ist so etwas zwar nicht unmöglich, doch um einiges unwahrscheinlicher.

Aber nicht nur die nun schwierigere Rekrutierung von geeigneten Zeitsoldaten sollte ein Argument für die Wehrpflicht sein. Für Politiker ist es sehr viel ungemütlicher, eine Wehrpflichtarmee in den Kampf zu schicken.

Könnte es doch theoretisch auch die unfreiwillig dienenden Söhne der Wählerinnen und Wähler treffen, falls Zeitsoldaten nicht mehr ausreichen. Selbst wenn dieses Szenario in der Realität unwahrscheinlich ist, dürfte der Rückhalt für Kampfeinsätze bei einer Wehrpflichtarmee deutlich geringer sein.

Hätte Tony Blair seine Truppen je in den Irak entsenden können, wenn es sich nicht um eine reine Berufsarmee gehandelt hätte? Wahrscheinlich nicht.

Ob der Verteidigungsminister letzteren Punkt bei seiner Entscheidung ins Kalkül gezogen hat, kann hier nicht beantwortet werden.

Eines ist aber sicher. Eine bessere Bundeswehr schafft er mit der Abschaffung der Wehrpflicht nicht.

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