Weiter Spannungen um Kosovo: Serben-Demonstration eskaliert in Wien

Weiter Spannungen um Kosovo: Serben-Demonstration eskaliert in Wien

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Polizei-Einsatz in Wien bei Demonstration von Serben gegen die Unabhängigkeit des Kosovo.

Das Kosovo sorgt weiter für Spannungen: Nur eine Woche nach der Unabhängigkeit des jüngsten europäischen Staates zeichnete sich im Kosovo selbst eine innere Spaltung ab.

Das Kosovo sorgt weiter für Spannungen: Nur eine Woche nach der Unabhängigkeit des jüngsten europäischen Staates zeichnete sich im Kosovo selbst eine innere Spaltung ab, während im benachbarten Serbien die Regierung nach den gewalttätigen Demonstrationen der vergangenen Woche wegen interner Streitigkeiten blockiert war.

Die Bundesregierung mahnte unterdessen bei Reisen nach Serbien zu Vorsicht.

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In Deutschland und Österreich gingen am Wochenende Tausende von Serben zu Demonstrationen gegen die Unabhängigkeit des Kosovos auf die Straßen. Im Kosovo zog die UN-Verwaltung am Wochenende alle albanischen Mitarbeiter aus dem fast nur noch von Serben bewohnten Norden des Landes ab.

Auch die EU habe aus Sicherheitsgründen ihr Personal aus dem Gebiet abgezogen, sagte der EU-Kosovo-Beauftragte Pieter Feith. Zum Abzug der Albaner aus den Institutionen der UN-Kosovo-Verwaltung sagte Serbenführer Milan Ivanovic: „Der Rückzug der Albaner von einem Territorium, auf dem die Serben die Mehrheit stellen, ist eine logische Folge der Gesamtsituation“.

Proteste der Serben in der Stadt Kosovska Mitrovica verliefen am Sonntag ohne Zwischenfälle. Der Streit um die Bewertung der schweren Gewalt in Belgrad mit einem Toten und 150 Verletzten sowie knapp 200 Festgenommenen hat die serbische Regierung in die Selbstblockade geführt. „Man weiß nicht mehr, wer was arbeitet, sondern schaut nur, wer wen attackiert“, beschrieb Infrastrukturminister Velimir Ilic die Atmosphäre im Kabinett von Regierungschef Vojislav Kostunica. Wie Kostunica hatte auch die größte Zeitung „Novosti“ am Sonntag die Verwüstung der US- Botschaft als Ausdruck des Volkszorns gerechtfertigt.

Der europafreundliche Spitzenpolitiker Dragoljub Micunovic warnte, Teile der Regierung strebten die Ausrufung des Ausnahmezustandes und die Unterbrechung aller Kontakte mit der EU an. „Der Mini-Krieg in der Regierung“ könne „in einem Krieg der verschiedenen Parteimilizen enden“, sagte der frühere Außenminister Goran Svilanovic der Zeitung „Blic“.

Die Bundesregierung mahnte zu Vorsicht bei Reisen nach Serbien. Da mit weiteren Demonstrationen gerechnet werden müsse und sich die Sicherheitslage rasch ändern könne, werde Bundesbürgern „empfohlen, ihr Verhalten darauf einzustellen und Menschenansammlungen nach Möglichkeit zu meiden“.

In mehreren deutschen Städten gingen am Wochenende mehrere Tausend Serben aus Protest gegen die Unabhängigkeit des Kosovos auf die Straßen. Die Demonstrationen - unter anderem in Dortmund, Düsseldorf, Frankfurt und Stuttgart - verliefen friedlich. Auch in der österreichischen Hauptstadt Wien kamen am Sonntag mehrere Tausend Serben zu einer Protestveranstaltung zusammen. In Frankfurt am Main feierten am Sonntag rund 2500 Kosovaren die Unabhängigkeit ihres Landes.

In Belgrad wurden am Montag der russische Präsidentschaftskandidat Dimitri Medwedew und Außenminister Sergej Lawrow erwartet. Sie wollten mit der serbischen Staats- und Regierungsspitze das Kosovo- Problem erörtern. Russlands scheidender Präsident Wladimir Putin hatte am Freitag das Kosovo als „fürchterlichen Präzedenzfall“ bewertet, durch den „das ganze System der internationalen Beziehungen, wie es sich in den letzten Jahrhunderten gebildet hat, zerbrochen“ werde. Der CDU-Politiker Ruprecht Polenz erwartet keine Belastung der Beziehungen zu Moskau wegen des Streits um die Anerkennung des Kosovos. Ein gutes Verhältnis der Europäischen Union und Moskau liege objektiv im beiderseitigen Interesse, sagte er am Sonntag der Wochenzeitung „Das Parlament“.

Eine Demonstration von tausenden Serben gegen die Unabhängigkeit des Kosovos ist gestern in Wien eskaliert. Eine Gruppe von etwa 500 Protestierern habe sich abgespalten und angefangen, Geschäfte zu demolieren und die Polizei mit Flaschen und Steinen zu bewerfen, sagte ein Polizeisprecher. Zwei Beamte wurden verletzt, mindestens vier Menschen wurden festgenommen. Am frühen Abend hatte die Polizei die Lage noch nicht unter Kontrolle. Mittags hatten nach Polizeiangaben rund 6000 Serben aus vielen Teilen Österreichs in der Wiener Innenstadt zunächst friedlich demonstriert; eine US-Fahne wurde verbrannt. Die Menschen riefen Parolen wie „Kosovo ist das Herz und die Seele Serbiens“ oder „Kosovo war und wird immer Serbien bleiben“. Nach Schätzungen leben in Österreich rund 300 000 Serben.

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