Weniger Erwerbslose: Arbeitsmarkt: Grauen auf leisen Sohlen

KommentarWeniger Erwerbslose: Arbeitsmarkt: Grauen auf leisen Sohlen

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WirtschaftsWoche-Redakteur Rolf Ackermann schreibt über die Entwicklung der Konjunktur

Die Arbeitslosigkeit ist im August um 14.000 zurückgegangen und liegt jetzt unter 3,2 Millionen. Rechnet man saisonale Schwankungen heraus, ergibt sich sogar ein Minus von 40.000. Die Erwerbstätigkeit hat saisonbereinigt um 37.000 zugenommen. Ein Kommentar von WirtschaftsWoche-Redakteur Rolf Ackermann.

Offenbar stellen die Unternehmen weiter kräftig ein – und das, obwohl die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal geschrumpft ist und die meisten Experten auch für das laufende Quartal einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts erwarten.

Wie passt das zusammen? Ganz einfach: Der Arbeitsmarkt hinkt der Konjunkturentwicklung in der Regel ein halbes Jahr hinterher und sagt daher wenig über den tatsächlichen Zustand der Wirtschaft aus. Viele Unternehmen haben eben aus den vergangenen Monaten noch ein Auftragspolster, das abgearbeitet werden muss – die Mitarbeiter werden also noch gebraucht. Dieses Polster wird aber immer dünner, die Auftragseingänge zeigen seit Monaten steil nach unten. Irgendwann wird sich die Konjunkturschwäche deshalb auch auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar machen.

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Hinzu kommt: Die aktuelle Krise breitet sich langsamer aus als die letzte, als die New-Economy-Blase mit lautem Getöse platzte und die Konjunktur mit nach unten riss. Diesmal geht der Abschwung vom amerikanischen Immobilienmarkt aus, und aus solchen Blasen entweicht die Luft viel langsamer. Das trägt dazu bei, dass ein nachhinkender Indikator wie der Arbeitsmarkt sich noch lange halten kann und viele die Krise noch immer unterschätzen. Sie wird aber ihren Lauf nehmen. Langsamer, aber auch heimtückischer als die letzte. Sie folgt nicht der Dramaturgie eines Horrorfilms, sondern eher der eines alten Hitchcock-Thrillers: Das Grauen kommt auf leisen Sohlen.

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