Als Renate Köcher am 9. September der Spitze der Unions-Fraktion ihre streng vertraulichen Grafiken und Analysen präsentierte, war die Sonntagsstimmung von Fraktionschef Volker Kauder schnell dahin. In einer Stimmungsanalyse, die erst jetzt bekannt wurde, stellte die Chefin des Instituts für Demoskopie Allensbach zwar fest, dass die Union stärker als die SPD mit dem Wirtschaftsaufschwung identifiziert wird. Doch zugleich, warnte Köcher, werde „das Vertrauen in den Aufschwung schwächer“. In der Union wird deshalb befürchtet, dass die Zustimmungswerte für die Partei nach unten gehen könnten. Antworteten im Frühjahr noch 56 Prozent der befragten Bürger, es werde mit der Wirtschaft „eher bergauf“ gehen, so stürzte dieser Wert im August auf 37 Prozent ab. In der Unions-Führung wird dies vor allem deshalb als gefährlich bewertet, weil 31 Prozent der Befragten der Union und Kanzlerin Angela Merkel zutrauen, den Aufschwung zu stabilisieren. Dass die SPD dies schafft, glauben nur 15 Prozent. „Mit dem Kippen der wirtschaftlichen Stimmung kippen auch die Werte für die Union“, sagt ein Abgeordneter. Dies deckt sich auch mit der Rangliste der wichtigsten Themen für die Regierung: Als zentrale Aufgabe sehen 67 Prozent der Bevölkerung die Stabilisierung des Aufschwungs an. 65 Prozent nennen die Vereinfachung des Steuersystems, 55 Prozent die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Durchwachsen wird das Thema Umweltschutz in der Unions-Klientel bewertet. 43 Prozent der CDU/CSU-Anhänger sagen, in Sachen Klimaschutz werde „eher zu viel“ oder „gerade richtig“ agiert. 38 Prozent meinen, es würde „zu wenig“ getan. Auch bei den Klimaschutz-Kosten wird die Union noch überzeugen müssen: 53 Prozent der Deutschen sind nicht bereit, „für den Klimaschutz höhere Energiepreise zu zahlen“. Defizite der Union sieht Köcher auch beim sozialen Profil. Hier liegt der Zeitgeist links: 82 Prozent der Deutschen halten den Begriff „sozial“ für „sympathisch“. Beim Wort „Reformen“ sind es nur 53 Prozent. Und nicht einmal jeder Dritte mag den Begriff „konservativ“. Probleme bereiten der Kanzlerin aus dem Osten ausgerechnet die Ostdeutschen. „Wie keine andere Partei“ werde die Union durch schlechte Sympathiewerte im Osten in ihrem Gesamtergebnis „nach unten gezogen“. Einziger Trost für die Union: Ihre Bewertung fällt auf vielen Feldern besser aus als die der SPD. 41 Prozent der Deutschen halten CDU/CSU für die prägende politische Kraft in Deutschland, nur 13 Prozent sehen die SPD in dieser Rolle. Das ist so viel, wie einst der FDP als Juniorpartnerin in der schwarz-gelben Koalition zugemessen wurde.
Weniger Zustimmung: Warnung an Unions-Politiker
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