Werbeprofi der Rechten: "Bei der AfD geht es wie im Kindergarten zu"

InterviewWerbeprofi der Rechten: "Bei der AfD geht es wie im Kindergarten zu"

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Alexander Segert betreibt in Andelfingen bei Zürich die Werbeagentur "Goal". Seit Beginn der 1980er Jahre arbeitet die Goal AG auch für die rechtspopulistische SVP.

von Thomas Schmelzer

Die AfD sollte Björn Höcke rausschmeißen, empfiehlt Alexander Segert. Der Werber, der Rechtspopulisten in der Schweiz und Österreich berät, sieht innerhalb der AfD noch ein größeres Problem.

Er ist ein Mann fürs Grobe: Alexander Segert entwirft seit Jahren Kampagnen für Rechtspopulisten. In der Schweiz arbeitet der Deutsche vor allem für die SVP und provozierte mit schwarzen Schafen, bedrohlichen Minaretten und roten Ratten. In Deutschland wird ihm eine Nähe zur AfD nachgesagt. Mit Journalisten spricht Segert selten. Die WirtschaftsWoche empfängt er im Sitzungszimmer seiner Werbeagentur Goal AG in Zürich. Den genauen Ort will er nicht veröffentlicht sehen. Segert hat Angst vor Anschlägen - vor ein paar Jahren ging sein Wagen in Flammen auf.

WirtschaftsWoche: Herr Segert, die AfD zerfleischt sich seit Wochen selbst. Woran liegt das?
Alexander Segert: Junge Parteien laufen immer Gefahr, sich selbst im Weg zu stehen. Da gibt es Querelen, Richtungskämpfe, persönliche Streitereien. Keiner schaut mehr, wofür man die Politik überhaupt macht. Geht es da noch um die Menschen – oder um Politik als Selbstbefriedigung.

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Bei der AfD scheint es vor allem um Posten zu gehen.
Scheinbar. Schaut man sich zum Beispiel die Listengestaltung für die Bundestagswahl in vielen Landesverbänden an, dann werden gute, talentierte Leute auf die hinteren Plätze gewählt. Einfach, weil sie gut sind! Für die anderen Parteien ist das natürlich super. Die können nun zusehen, wie sich diese Partei selbst zermürbt. Die AfD muss deshalb rasch ihre Hausaufgaben machen und wieder Fokus gewinnen, sich auf Themen und auf ihren Markenkern konzentrieren.

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AfD-Machtkampf und Umfragen im Abwärtstrend. Quelle: Marcel Stahn für WirtschaftsWoche

Hat die AfD überhaupt noch einen Markenkern?
Klar: die Begrenzung der Zuwanderung. Wenn man heute eine Umfrage machen und die Leute fragen würde: "Welche Partei steht für die Begrenzung der Zuwanderung?" dann würden sehr viele die AfD nennen. Das ist der zentrale Pluspunkt der Partei, ihr Alleinstellungsmerkmal.

Und sonst?
Die ganze Eurokritik war mal der Wirtschaftskern der Partei. Aber das ist sehr abstrakt, denn die Folgen dieser Politik merken die Leute in ihrem Leben nicht direkt. Es braucht mehr Erklärungen, um den Menschen die Folgen der Europolitik zu erklären und dafür besteht zumeist keine Zeit.

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AfD-Chefin Frauke Petry Quelle: AP

Hat die Partei mit dieser Ausrichtung eine Zukunft?
Wenn man den Anspruch hat, eine Volkspartei zu werden und sich bei 20 oder 25 Prozent etablieren will, muss man thematisch breiter werden.

Braucht die Partei dafür Frauke Petry?
Ich kenne mich in der Partei personell zu wenig aus, bin aber sicher, dass die Partei alle klugen Köpfe braucht, um zu punkten. Das Problem ist aber, dass es bei der AfD wie im Kindergarten zugeht. Das ist wie früher im Sandkasten: Keiner will seine Förmchen teilen. Jeder schaut nur auf seinen Sandhaufen und im Zweifelsfall wird mit der Schaufel auf den Kopf des Spielgefährten eingedroschen.

"Wer im braunen Sumpf spielt, hat generelles Sandkastenverbot!"

Woher kommt dieses Verhalten?
Die AfD ist - wie andere Parteien auch - eine Partei mit vielen Egos, die sich nicht zurücknehmen können, die das gemeinsame Ziel aus den Augen verlieren und nicht mehr Politik für die Sache, für die Menschen, sondern Politik für sich machen. So ein Verhalten ist grundsätzlich, aber natürlich vor allem vor Wahlen, tödlich. Alle Parteivertreter müssen innehalten und sich fragen: Was wollen wir eigentlich erreichen? Wollen wir etwas für die Sorgen und Nöte der Menschen in Deutschland tun und so Wahlen gewinnen oder wollen wir so weitermachen und die Wahlen verlieren?

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Quelle: dpa

Das Petry-Lager würde den Rechtsaußen Björn Höcke am liebsten ganz aus dem Sandkasten schmeißen.
Wer im braunen Sumpf spielt, hat generelles Sandkastenverbot! Bei allen Parteien, die ich beraten habe, habe ich immer gesagt: Sofort rauswerfen! Denn solche Leute erzielen vielleicht kurzfristig Aufmerksamkeit, schaden aber mittel- und langfristig der Partei und damit dem Wahlerfolg. Eine Partei, die einigermaßen politisch Erfolg haben will, muss sich konsequent von diesem Sumpf distanzieren.

In der AfD hat dieses Lager ein ganz schönes Gewicht.
Diese Häutung muss die Partei machen. Ich hoffe für die Partei, dass sich der gemäßigte Flügel durchsetzt – aber das wird nicht ganz einfach werden.

Und wenn sich der andere Flügel durchsetzt?
Dann hat die Partei keine Überlebenschancen. Vielleicht kommt sie aufgrund der großen Frustration bei den Wählern noch in den Bundestag rein – aber danach ist sie fertig.

Leute wie Alexander Gauland sehen das anders.
Bei Alexander Gauland habe ich manchmal das Gefühl, dass er kein Gespür für Politikmarketing hat, sondern sich in strategischen Ränkespielen verirrt und Positionen vertritt, die nicht kommunizierbar sind. Zum Beispiel die Position, dass die AfD noch nicht für die Regierung bereit sei.

Fundamental-Opposition.
Ja, aber wer will denn schon eine Partei wählen, die sagt, sie möchte keine Verantwortung übernehmen, und Politik nicht aus der ersten, sondern aus der zweiten Reihe gestalten will? Eine Partei muss Ihren Wählern – vor allem angesichts der Misere in Deutschland – deutlich zeigen: Wir wollen verändern und zwar so rasch als möglich. Alles andere ist nicht glaubwürdig. Man wählt sich ja auch keinen Partner, der erklärt: Wähl mich, nimm mich, aber ich übernehme keine Verantwortung. So funktioniert das nicht.

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