Werner knallhart: Bald braucht ein Spaghetti-Eis drei Jahre

kolumneWerner knallhart: Bald braucht ein Spaghetti-Eis drei Jahre

Kolumne von Marcus Werner

Wenn es den Leuten beim Bundesinstitut für Berufsbildung langweilig wird, dann denken sie sich mal eben einen neuen Ausbildungsberuf aus. Aus dem/der „Speiseishersteller/-in“ (zwei Jahre Ausbildung) wird die „Fachkraft für Speiseeis“ (drei Jahre). Wird Eis jetzt endlich bereit gemacht fürs 21. Jahrhundert?

Wer in den Sommern der vergangenen Jahrzehnte beim Genuss eines Amarena-Bechers, Krokant-Bechers, Schwarzwald-Bechers oder eines Coupe Dänemark immer dachte: „irgendwas stimmt hier nicht“, der weiß jetzt warum: Die Eisverkäufer waren allesamt inkompetent. Aber das wird nun anders: Mit einer richtig schön langen Ausbildung. Drei Jahre statt zwei.

Bislang gab es probeweise die Ausbildung zum/zur Speiseeishersteller/-in. Zukünftig formt uns die „Fachkraft für Speiseeis" die Bällchen. Das hat gleich mehrere Vorteile. Erstens spart es Schrägstriche und zweitens liegt dem Ganzen die Überlegung zugrunde, dass jemand, der Eis herstellt, noch lange nicht weiß, wie man es über die Theke reicht.

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Zitat Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB):

„Die Zubereitung und Verarbeitung von Eismixturen unter Berücksichtigung hygienischer (...) Anforderungen sowie das Gestalten von (...) Eisbechern sind ein wesentlicher Bestandteil der Tätigkeit. Fachkräfte können zudem kleine Gerichte sowie Aufguss- und Heißgetränke zubereiten, Verkaufsräume herrichten und sind für die Beratung von Gästen qualifiziert. (...) Im Hinblick auf eine mögliche Existenzgründung werden außerdem kaufmännische Grundlagen zur Führung eines Eiscafés vermittelt.“

Fachkräftemangel Abiturienten sollten in die Lehre gehen

Der Fachkräftemangel könnte Deutschland womöglich weniger hart treffen als befürchtet. Dafür müssten vor allem mehr Gymnasiasten eine Ausbildung beginnen, so eine Studie.

Malerutensilien Quelle: dpa

Verstehen Sie mich nicht falsch: Eis zu verkaufen ist eine ehrenwerte Aufgabe und wer mit Lebensmitteln arbeitet, braucht neben viel Liebe zum Essen auch gut trainiertes Fingerspitzengefühl. Aber ich frage mich: Muss man jungen Leuten so viel Zeit als schlecht bezahlte Azubis abfordern? Der RTL-Restaurant-Tester möbelt erfolglose Gastro-Klitschen doch auch an einem verlängerten Wochenende auf.

Überschlagen wir mal:

1. Zubereitung und Verarbeitung von Eismixturen: Ich habe mit 17 mal in einer Eisdiele gejobbt, um mir meinen Führerschein zu verdienen. Pistazien-Eiszubereitung ging so: Hände waschen, Milch in den großen Mixerbottich, Sack mit der Pistazien-Eiszubereitung holen, aufschneiden, Pulver abmessen, in die Eismaschine, mixen lassen, Masse mit Spachtel in Vitrinentrog umfüllen, fertig. Walnuss-Eis war etwas komplizierter zu machen, denn der Sack mit dem Pulver lag weiter oben im Regal. Da brauchte ich eine kleine Leiter.

2. Berücksichtigung hygienischer Anforderungen. Bei uns hieß es immer: Wenn die Terrasse gefegt wird, muss das Fenster der Eis-Theke geschlossen werden. Und beim Bällchen-Formen nicht mit den Fingern durchs Eis, wenn gerade Kunden gucken.

3. kleine Gerichte zubereiten: Toast Hawaii, wie lange lernt man das? Aufguss- und Heißgetränke zubereiten: Ist ein Aufgussgetränk nicht so etwas wie ein Tee? Vor kurzem durfte meine Nichte schon ganz vorsichtig und unter Anleitung ihren eigenen Früchte-Tee mit Wasser aus dem Wasserkocher aufgießen. Meine Nichte ist drei.

4. Eisbecher gestalten: Da gibt es doch diese witzigen Schaschlik-Spieße mit den Glitzer-Puscheln an der Spitze. Die sind immer total gut!

5. Beratung von Gästen: „Ja, der Nussbecher kann Spuren von Nüssen enthalten.“

6. kaufmännische Grundlagen. Ok, das dauert ein paar Wochen.

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