Werner knallhart: Die drei fiesesten Totschlag-Argumente

kolumneWerner knallhart: Die drei fiesesten Totschlag-Argumente

Kolumne von Marcus Werner

Man muss nicht recht haben. Aber man kann zumindest den Argumenten des Gegners den Teppich wegziehen. Lassen Sie sich das nicht gefallen – machen Sie es selber!

Ich erinnere mich an einen kleinen rhetorischen Triumph als Teenager, da war ich etwa 15. Ich war allein zu Hause, da klingelte es an der Tür und vor mir stand ein etwa 60 Jahre alter Mann mit einem Jungspund, ganz offenbar sein Eleve, etwas jünger als ich. Die beiden waren dem Wachturm nach von den Zeugen Jehovas und der Mann sagte zum Jungen: „Ach guck mal, auch ein junger Mann, dann überlasse ich einfach mal dir das Wort. Der junge Mann wird doch sicher nicht böse sein, wenn du ihm ein paar Fragen stellst.“

Ich sagte: „Doch.“

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„Wie? Sie würden ihm böse sein?“

„Ja.“

„Ach so, na dann: Komm, wir gehen lieber.“

Diskussion beendet. Der Kleene hatte seine Lektion gelernt: Billige rhetorische Tricks gehen nach hinten los, wenn der andere das Spiel entlarvt. Und das ist ja das Prinzip rhetorischer Kniffe: Dem anderen keine Wahl lassen, als dem, was Sie sagen, gedanklich zuzustimmen. Wer das durchschaut, kann kontern.

Totschlag-Argument 1: „Das kann man doch gar nicht miteinander vergleichen.“

Zunächst einmal gilt: Man kann alles mit einander vergleichen. Sogar Äpfel mit Birnen. Ein Apfel ist kugeliger als eine Birne. Fertig ist der Vergleich.

Oft kommt bei einem Vergleich auch heraus, dass Gemeinsamkeiten bestehen.

„Ich mag Eis mit Schlagsahne viel lieber als Schweinshaxe.“

„Was ist das denn für ein abstruser Vergleich?“

„Wieso? Beides sind Kalorienbomben.“

Jeder Vergleich ist also erlaubt, es kommt nur auf den Aspekt an, den man herausgreift. Und das ist die Crux. Denn hier gräbt man sich ganz schnell selber eine Grube:

„Ich verstehe nicht, warum in Berlin in Kneipen immer noch geraucht werden darf. In Thailand darf man mitunter sogar nicht mal mehr unter freiem Himmel rauchen.“ Hier zielt der Vergleich auf das Verbot unter freiem Himmel, das weit über deutsche Standards hinausgeht. Aber Achtung. Jetzt der Konter: „Sie wollen doch nicht ernsthaft unser Berlin mit der sich an die Macht geputschten Militär-Regierung in Thailand vergleichen!“

Autsch! Das Das-kann-man-nicht-vergleichen-Argument, das auf einen ganz anderen Aspekt des Vergleichs abzielt: die politische Lage jeweils vor Ort. Ein häufiger Trick. Jetzt müssten Sie eine Erklärung nachliefern, oder noch besser: Sie graben dem vorhersehbaren Konter von vornherein das Wasser ab:

„Warum kriegt es Berlin nicht hin, Nichtraucher in der Gastronomie zu schützen, wenn selbst Länder wie Thailand, das im Moment wirklich andere politische Sorgen hat, das Rauchen zum Schutz der Bevölkerung mitunter sogar unter freiem Himmel verbieten?“

Faustregel: Wenn Sie schillernde Vergleiche ziehen, um dem Gegner die Augen zu öffnen, sagen Sie mit dazu, welchen Aspekt des Vergleichs Sie meinen. Dann können Sie sogar einen Opel mit einem Elefanten vergleichen. Der Elefant hat einen längeren Rüssel, der Opel verbraucht mehr Sprit.

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