Winfried Kretschmann: "Durchgreifende Reformen in kleinen Schritten"

Winfried Kretschmann: "Durchgreifende Reformen in kleinen Schritten"

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Winfried Kretschmann

von Bert Losse und Dieter Schnaas

Der neue Ministerpräsident Baden-Württembergs, Winfried Kretschmann, über politische Innovationspeitschen, die Zukunft von EnBW und Porsche, über die Pkw-Maut, den Bahnhof Stuttgart und neue Windparks im Schwarzwald.

WirtschaftsWoche: Herr Kretschmann, fahren Sie gern Auto?

Kretschmann: Nicht wirklich. Mein Verhältnis zum Auto ist nüchtern. Ich nutze es als Fortbewegungsmittel. In meiner Garage steht ein Mercedes-Diesel, C-Klasse. Er hat 160.000 Kilometer runter und wird bald sein Ende erleben.

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Und Ihr Dienstwagen?

Auch ein Mercedes. Erdgasbetrieben. E-Klasse. Mittelfristig wollen wir die Fahrzeugflotte des Landes auf Hybrid- oder Elektrofahrzeuge umstellen.

Sie haben die Branche mit der Äußerung verschreckt, wir bräuchten künftig weniger Autos. Können Sie den Ärger der Konzernchefs und Betriebsräte verstehen?

Ja, schon. Aber niemand darf erwarten, dass der designierte grüne Ministerpräsident beim Thema Mobilität und Verkehr so redet wie seine Vorgänger. Unsere Lebens- und Wirtschaftsweise mit der Umwelt in Einklang zu bringen – das ist die vielleicht größte Herausforderung dieses Jahrhunderts. Dazu gehört, dass wir andere Autos brauchen, die die Ressourcen schonen. Und wenn die Verkehrsträger besser vernetzt werden, brauchen wir auch weniger Autos.

Wie soll die Produktpalette von Daimler und Porsche in fünf Jahren aussehen?

Ich erwarte von den Premiumherstellern, dass sie energie- und ressourcensparende Produktlinien schaffen. Die können durchaus ein wenig teurer sein, weil das die meisten Käufer dieser Limousinen verkraften. Vor allem aber sollten sich Daimler und Porsche in fünf Jahren als Mobilitätskonzerne verstehen. Und nicht mehr nur als Autofabrik. Daimler geht mit dem Car2Go-Projekt in Ulm auch schon in diese Richtung.

Die chinesische Mittelschicht dürfte an deutschen Mobilitätskonzepten nur mäßig interessiert sein.

Das mag ja sein. Aber wer, wenn nicht wir mit unseren gut aufgestellten und innovativen Unternehmen, wäre in der Lage, zu demonstrieren, dass es auch anders geht? Spritfressende Luxuslimousinen sind nicht die Zukunft. Wir sollten nicht nur Fahrzeuge exportieren, sondern auch eine neue Idee davon, was das künftig sein soll: ein schickes Auto. Ich glaube, dass die Konzerne das inzwischen genauso sehen. Auch in China macht ein Auto seinen Besitzer nicht dadurch glücklich, dass es 20 Liter schluckt.

Es gibt ein Gesprächsangebot von Porsche-Chef Matthias Müller. Werden Sie es annehmen?

Sicher, so bald wie möglich.

Auf welche Politik darf er sich einrichten? Was verstehen Sie unter der „Ökologisierung der Automobilbranche“?

Wir werden uns in Berlin und Brüssel für einen schärferen Ordnungsrahmen einsetzen, etwa was den zulässigen Schadstoffausstoß angeht. Die Erfahrung zeigt, dass ambitioniertere Auflagen wie eine Innovationspeitsche wirken. Wie ich höre, sind die Unternehmen, was die Entwicklung klimaschonender Motoren anbelangt, auf einem sehr guten Weg, seitdem die EU sich auf entsprechende Standards geeinigt hat.

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