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Winfried Kretschmann: "Für neue Straßen fehlt das Geld"

von Bert Losse und Dieter Schnaas

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann attackiert die Kanzlerin, will drastisch Stellen einsparen – und fordert eine Maut auf allen Straßen.

Wolfgang Grupp, Trigema-Chef

"Offen gesagt, Herr Kretschmann ist top, mir fällt nichts ein, was er falsch gemacht haben könnte. Er macht das, was letztlich jede Regierung tun muss: Er regiert nicht gegen die Unternehmer, die ihren Job machen und Arbeitsplätze schaffen, sondern er kümmert sich um solche Unternehmen.

Seine Orientierung auf alternative Energien und Produkte finde ich gut. In der Schulpolitik ist es allerdings wichtig, dass wir nicht nur Abiturienten und Hochschulabgänger produzieren, denn wir brauchen die Facharbeiter auch in Zukunft mehr denn je, denn Europa wird ohne Produktionsarbeitsplätze nicht zukunftsfähig sein."

Bild: dapd

WirtschaftsWoche: Herr Ministerpräsident, als Sie vor einem Jahr zum ersten grünen Ministerpräsidenten gewählt wurden, herrschte in der Wirtschaft große Skepsis. Haben Sie die Bedenken zerstreuen können?

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Winfried Kretschmann: Es gab anfangs einige Irritationen – auf beiden Seiten. Wir haben aber intensive und fruchtbare Gespräche mit der Wirtschaft geführt. Ich glaube, man ist unter dem Strich mit uns zufrieden. Dass ökologische Modernisierung die Weltmarktchancen erhöht, haben die meisten Betriebe ohnehin längst begriffen.

Die IHK Stuttgart bezeichnet die Energie- und Verkehrspolitik Ihrer Koalition als Investitionshindernis. Das klingt jetzt nicht ganz so wohlwollend.

Einige Funktionäre der IHK Stuttgart kommentieren so ziemlich alles negativ, was wir machen. Fakt ist, dass ich eine kaum zu bewältigende Flut von Einladungen zu Veranstaltungen der Wirtschaft erhalte und eine Vielzahl persönlicher Kontakte zu Unternehmern pflege. Mit den Vorstandschefs von Porsche, Daimler und Bosch etwa stehe ich in regelmäßigem Austausch...

...die Sie bei Amtsantritt mit der Aussage verschreckten, weniger Autos seien besser als mehr. Sehen Sie das heute anders?

Nein. Mir ist aber bewusst, dass über die Zahl der Autos in Deutschland und der Welt nicht der Ministerpräsident von Baden-Württemberg entscheidet. Wir werden noch viele Autos weltweit verkaufen, umso wichtiger ist es, dass wir andere, umweltfreundlichere Autos bekommen. Da sind die Hersteller in Baden-Württemberg auf gutem Weg, etwa bei der Elektromobilität.

Ein besonders wichtiger Manager wird für Sie Frank Mastiaux, der neue Chef des baden-württembergischen Energiekonzerns EnBW. Was erwarten Sie von ihm?

Er soll die EnBW zu einem Dienstleistungsunternehmen entwickeln, das nicht nur Strom verkauft, sondern seine Wertschöpfungskette verlängert. Die Rückkehr in die alte Welt ist dem Konzern versperrt. Die EnBW verfügt über großes technisches Know-how, das sie den Kunden nutzbar machen muss, etwa durch Service und intelligente Netze. Das Unternehmen hat zudem langfristig nur eine Chance, wenn es eng mit den Stadtwerken zusammenarbeitet.

Die Energiewende in Ihrem Land läuft schleppend an: 2012 sind bisher ganze zwei neue Windräder aufgestellt worden.

"Wir haben bei der Energiewende ein wertvolles Jahr verloren"

Eine neue Regierung kann die Windräder nicht selbst bauen. Aber wir haben unterschätzt, wie lange es dauert, den rechtlichen Rahmen zu ändern. Die alte Landesregierung hat die Windkraft ja mehr oder weniger verhindert. Die Änderung des Landesplanungsgesetzes soll aber in Kürze im Landtag verabschiedet werden. Ab 2013 starten wir bei der Windkraft durch...

...indem jedermann ein Windrad aufstellen darf, wo immer er möchte?

Kretschmann: Nein, es wird weiter Ausschlussgebiete geben, etwa in Naturschutzgebieten. Regionalverbände und Kommunen können nach der neuen Regelung Flächen so planen, dass eine Konzentrierung der Anlagen in Windparks möglich ist. Bis 2020 brauchen wir rund 1.000 zusätzliche Anlagen – also rund 150 pro Jahr. Die Gemeinden werden sich um Windkraftanlagen reißen, sie bedeuten eine neue Form der Wertschöpfung für den ländlichen Raum. Investoren stehen Schlange, lokale Energiegenossenschaften schießen wie Pilze aus dem Boden. Auch die Bürger ziehen mit, die Widerstände vor Ort sind weit geringer als erwartet.

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