Steigende Mieten: Wirkungslose Wahlprogramme

ThemaImmobilien

kolumneWirtschaft im Weitwinkel: Wirkungslose Wahlprogramme gegen steigende Mieten

Kolumne von Stefan Bielmeier

Die Wohnungspreise und Mieten in den Metropolen steigen und steigen. Alle Parteien haben sich dieses Themas angenommen und Lösungsvorschläge im Wahlprogamm. Bringt die Wahl etwa die Wende? Wohl kaum.

Tatsache ist, dass die Wohnungspreise kräftig steigen. Im zweiten Quartal verteuerten sich Eigenheime gegenüber der Vorperiode um beachtliche 1,9 Prozent. Davor ging es langsamer aufwärts, wodurch der jährliche Preisanstieg mit aktuell 5,3 Prozent gut einen Prozentpunkt niedriger als 2016 ausfällt. In den sieben größten Städten steigen die Preise dagegen fast doppelt so schnell. Hier ziehen auch die Mieten spürbar mit rund fünf Prozent jährlich an. Vergessen wird aber oft, dass sich in Abwanderungsregionen Eigentümer freuen können, wenn sie überhaupt einen Käufer oder einen geeigneten Mieter finden.

Wohnungsmieten Wo Studenten am teuersten und günstigsten wohnen

Andere fahren in den Urlaub, für Erstsemester beginnt die anstrengende Suche nach Studienplatz und Wohnung. Unser Vergleich der 50 größten Uni-Städte zeigt, wo Studenten günstig unterkommen und wo es richtig teuer wird.

Berlin, Freiburg, München oder Duisburg: Die günstigsten Städte für Studenten. Quelle: Getty Images

Dass das Wohnen in strukturschwächeren Regionen günstig ist, nutzt den von hohen Preisen und Mieten geplagten Großstadtbewohnern nichts. Weil Wohnen viele Menschen bewegt, ist es zum Thema im Wahlkampf geworden.

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Die Konzepte sind dabei größtenteils „alte Bekannte“: So wollen SPD, Grüne und Linke mit Hilfe des sozialen Wohnungsbaus günstigen Wohnraum schaffen und mit einer verschärften Mietpreisbremse den Mietanstieg verlangsamen. Unionsparteien und FDP wollen dagegen den Mietwohnungsbau durch ausgeweitete Abschreibungsmöglichkeiten ankurbeln. Mit Zuschüssen für Familien wollen SPD und Unionsparteien den Eigentumserwerb erleichtern. Letztere wollen wie auch die FDP Freibeträge bei der Grunderwerbsteuer einführen, damit der Eigenheimkauf nicht an hohen Nebenkosten scheitert.

Doch kann mit diesen Maßnahmen die Lage am Wohnungsmarkt nachhaltig entspannt werden? Zweifel sind berechtigt, weil das Kernproblem nicht gelöst wird. Die zugespitzte Lage auf den Wohnungsmärkten in Groß- und Universitätsstädten resultiert aus einem kräftigen Zuzug in die Städte, dem ein über viele Jahre zu geringer Neubau gegenüber gestanden hat. Dadurch sind viele regionale Wohnungsmärkte wie leergefegt. Dieses knappe Angebot treibt zusammen mit dem hohen Wohnungsbedarf und der verbesserten wirtschaftlichen Lage vieler Haushalte die Mieten nach oben.

Die Kaufpreise steigen zudem durch niedrige Hypothekenzinsen. Dagegen kommt der dringend benötigte Wohnungsbau nicht in Fahrt, erstens weil Bauflächen fehlen und zweitens weil die Kapazitäten der Bauwirtschaft schon ausgelastet sind.

Parteien gießen Öl ins Feuer

Der Engpass Bauland wird auch nach der Wahl fortbestehen. Mit diesem konfliktträchtigen Thema verprellt man aber eher Wähler als das man neue dazugewinnt. Schließlich geht der Ausweis von Bauflächen oft mit ausgeprägtem Widerstand, etwa von Anwohnern oder Umweltschützern einher, die sich Gedanken um den Charakter ihres Wohnviertels, Schul- und Kita-Plätze, die schon stark belasteten Verkehrswege und um eine lebenswerte Umwelt machen.

Am fehlenden Geld scheitert der Neubau dagegen nicht. Schließlich suchen viele Investoren händeringend nach Anlagemöglichkeiten, entsprechend hoch ist die Immobiliennachfrage.

Die Ideen der Parteien gießen also noch zusätzlich Öl ins Feuer. Sie sorgen für weithin steigende Immobilienpreise: Mit Steuervorteilen, Eigenheimzuschüssen und Mitteln für den sozialen Wohnungsbau werden die Nachfrage nach Grundstücken, Wohnimmobilien sowie Bauleistungen wie auch insgesamt die Preise weiter in die Höhe getrieben.

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