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Wirtschaftskrise: Krisenzeiten durch mehr Vertrauen in eigene Stärken überwinden

Die Krise ist auch eine Chance. Bürger und Wirtschaft müssen nur mehr Vertrauen in ihre eigenen Stärken haben. Ein Plädoyer gegen die Larmoyanz von Abtprimas Notker Wolf.

Notker Wolf, Abtprimas des Benediktinerordens in Rom Quelle: Laif/Alessandro Cosmeli
Notker Wolf, Abtprimas des Benediktinerordens in Rom Quelle: Laif/Alessandro Cosmeli

Fast täglich übertreffen sich Ökonomen, Markt- und Meinungsforscher in Szenarien, die uns, je nach Absicht und Auftraggeber, schaudern oder hoffen lassen. Klimakrise, Finanzkrise, Konsumkrise, Wirtschaftskrise: Krisen in allen Variationen begleiten uns durch das Jahr 2009, präsentiert durch ratlose Politiker und befördert durch eine mediale Kampagne von höchster Intensität.

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Aber was ist eigentlich eine „Krise“? Weil der Begriff bei uns a priori meist negativ besetzt ist, lohnt es sich, den ursprünglichen Sinngehalt des griechischen Wortes „Krísis“ zu betrachten. Es bedeutet so viel wie: Beurteilung, Unterscheidung, Entscheidung. Krísis bezeichnet auch eine entscheidende Wende oder den Wendepunkt einer Entwicklung. Mit diesem Wissen lässt sich vielleicht ein positiverer Zugang finden, um die aktuellen Krisensituationen in unserem Leben bewerten und bewältigen zu können.

Die Krise als Chance begreifen und wahrnehmen? Das ist eine viel zitierte Redewendung in diesen Tagen. Doch so abgegriffen und banal dies auch klingen mag: Dahinter steht tatsächlich ein tiefer Sinn, eine wirkliche Chance. Nehmen wir nur die viel beklagte Konsumkrise: Wir wissen, dass wir Teil eines Wirtschaftssystems sind, aber sehen jetzt auch klar, wie verwundbar dieses System ist. Und wir lernen gerade in diesen Tagen, wie viel Einfluss wir nehmen können auf unsere Volkswirtschaft – nicht ohne Grund ermutigen uns Politiker und Wirtschaftsverbände, in unserem Konsumverhalten nicht nachzulassen. Andererseits beginnen immer mehr zu begreifen, dass sich unsere Menschenwürde keineswegs auf unsere Bedeutung als Konsumenten, als Wirtschaftsfaktor, reduzieren darf. So schlimm die Konsumflaute ökonomisch sein mag: Reflektiert das zurückhaltende Verbraucherverhalten jetzt nicht vielleicht eher unsere tatsächlichen Bedürfnisse?

Fehlentwicklungen beim Konsumverhalten korrigieren

Wir sind als Kinder Gottes zu einem Leben in Freiheit und Fülle berufen, dürfen aber keinesfalls zu Sklaven des Konsums werden. Jetzt haben wir die Chance, Fehlentwicklungen bei unserem Konsumverhalten zu korrigieren. Wir gewinnen so die Freiheit von vielen Abhängigkeiten und geben der Wirtschaft die Chance, sich zu restrukturieren. Die Unternehmen werden die Kraft dazu entwickeln, da bin ich mir sicher. Nur ein Beispiel: Neue, verbrauchsärmere und emissionsfreiere Autos werden unter dem Druck, nicht das Schicksal von Dinosauriern erleiden zu müssen, viel schneller auf den Markt kommen. Regenerative Energien werden schneller zur Verfügung stehen, als die Versorger ursprünglich geplant haben.

Die größte Herausforderung dieses Jahres (und auch der nächsten Jahre) wird hingegen sein, die große Vertrauenskrise zu bewältigen. Dass sich der Finanzmarkt in den vergangenen Jahren immer mehr von der realen Wirtschaft abgekoppelt und in einer surrealen Scheinwelt existiert hat, ist ein Phänomen, das nicht nur diejenigen traumatisiert zurücklässt, die dabei Geld oder sogar die Existenz verloren haben. Wem können wir denn noch vertrauen, wenn wir erleben, wie finanzielle Konstruktionen ohne Fundament in sich zusammenbrechen und nur Trümmer hinterlassen? Die Antwort lautet: An erster Stelle uns selbst, unserer eigenen Stärke, unserem Urteilsvermögen – und unserem gesunden Menschenverstand! Er lehrt uns immer wieder, vor allem in der Krise, das Mögliche, das Machbare zu erkennen und uns flexibel darauf einzustellen. Er lehrt uns, dass Gier und Habsucht ein Irrweg sind.

Ich erlebe in diesen Wochen überall eine tiefe Spiritualität, die sich an den ewigen Werten orientiert: Glaube, Hoffnung und Liebe. Unsere Kirchen sind wieder gut besucht, und unsere Seelsorger sehen viele neue Gesichter voller Erwartung nach den Worten der Schrift. Natürlich dürfen wir hoffen – nicht nur darauf, dass nach der alttestamentarischen Erzählung auf sieben magere Jahren wieder sieben fette Jahre folgen. Wir alle kennen schließlich die Wechselbäder des Lebens. Wenn wir uns auf unsere eigenen Stärken verlassen und auf den, der uns trägt, ist die Hoffnung auf eine gute Zukunft wohlbegründet.

Zuversicht ist deshalb der gerade, schnellere Weg aus der Krise. Weil wir aus der Krise lernen und uns neu orientieren. Ja, sogar dem Kapitalismus in seiner offenbar gewordenen Sinnkrise traue ich zu, sich zu läutern, indem er sich von maßlosen Renditevorstellungen auf ein realistisches Werteniveau reduziert. Zumindest hielte ich diese notwendige Selbstreinigung für den weit besseren Weg als den jetzt überall heraufbeschworenen und drohenden Staatskapitalismus. Denn der ist, so lehrt uns die Geschichte, am wenigsten befähigt, Marktprobleme zu lösen. Ein omnipotenter Staat und ein wachsender Staatseinfluss auf alle Wirtschafts- und Lebensbereiche führt langfristig zu einer Kette von neuen Krisen – zulasten der Bürger.

Wir dürfen uns nicht durch düstere Szenarien in die Hoffnungslosigkeit treiben lassen, sondern müssen neue Kraft aus positivem Denken schöpfen. Und die Unternehmen sind aufgerufen, sich wieder mehr um die verborgenen Schätze ihrer Mitarbeiter zu kümmern. Es wäre ein verhängnisvoller Fehler, nun in der Krise eine Entlassungswelle in Gang zu setzen, die wertvolles Know-how in den Betrieben vernichtet. Die Unternehmen müssen künftig nachhaltiger denken und handeln. Sie müssen nicht mehr nach kurzfristigem Gewinn schielen, sondern bleibende Werte schaffen, die auch unseren Nachkommen noch Gewinn bringen.

12 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 09.02.2010, 17:57 UhrAnonymer Benutzer: Maria Wilhelm

    Seriöse beobachter wissen, dass es beim bVMW um einen Machtkampf ging, der eher zu Gunsten von Härthe ausging. Zwar hatte der bVMW Härthe versucht durch strafrechtliche Anzeigen aus dem Vertrag zu drängen, aber in mehreren Gerichtsverhandlungen wurde klargestellt, dass an den Vorwürfen nichts war. im Gegenteil, der bVMW muss noch bis heute an Härthe monatlich eine Abfindung zahlen. So kann man es auch in verschiedenen Quellen nachlesen. Das Gericht hat Härthe jedenfalls Recht gegeben.

  • 13.07.2009, 23:39 UhrAnonymer Benutzer: Gast

    @Ulf 29.06.2009
    Sie schreiben u.a. "... wegen Untreue und Unterschlagung vorbestrafte ehemalige bVMW-Geschäftsführer Dieter Härthe ..."
    ich wäre an beweise für diese behauptung sehr interessiert! Mir hat Dieter Härthe nämlich erzählt, dass die Vorwürfe gegen ihn unberechtigt waren und er somit in allen Punkten freigesprochen wurde. Ganz im Gegenteil bvMW musste an ihn sogar Schadenersatz bezahlen.
    Vielen Dank!

  • 29.06.2009, 13:28 UhrAnonymer Benutzer: Ulf

    Der unternehmerische Mittelstand in Deutschland hat es über Jahrzehnte hinweg sträflich vernachlässigt, seine interessen durch seriöse, tragfähige Verbandsstrukturen wahrzunehmen. Das rächt sich in der Krise in existenzbedrohender Weise. Es gibt keine Lobby für KMU, nur die Konzerne haben das Sagen. in diese Organisationslücke sind äußerst dubiose Scheinverbände wie der
    sogenannte \"bundesverband mittelständische Wirtschaft\" (bVMW) gestoßen, die unter dem Deckmantel der interessenvertretung ihre eigenen Geschäfte knallhart betreiben. Wenn sich Leute wie der mehrfach vorbestrafte Mario Ohoven, der mit seiner investor Treuhand (iT) tausende von Anlegern abgezockt und ins Verderben gestürzt hat, als Sachwalter des Mittelstands aufspielen darf, dann ist das so, als hätte man Al Capone zum Justizminister gewählt.
    Auch seine Ehefrau Ute-Henriette Ohoven, die sich ständig als Unesco-botschafterin in die Medien drängt, partizipiert - wie man in Düsseldorf seit langem weiß - persönlich an den mit Charity-Veranstaltungen eingespielten Geldern. [...]

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