Wirtschaftskrise: Wie die Unternehmenssteuerreform die Krise verschärft

Wirtschaftskrise: Wie die Unternehmenssteuerreform die Krise verschärft

Bild vergrößern

Einzelhändler Gerd Pieper

Mit der Unternehmenssteuerreform wollte die große Koalition die Wirtschaft entlasten und Beschäftigung sichern. Doch jetzt, in der Krise, verschärft das Gesetzeswerk die Not vieler Unternehmen. Nötig ist eine schnelle Reform der Reform.

Auf Peer Steinbrück ist der Bochumer Mittelständler Gerd Pieper schlecht zu sprechen. Erst verkündet der Bundesfinanzminister im Namen der großen Koalition eine Steuerreform, derzufolge Unternehmen wie Piepers Parfümeriekette künftig nicht mehr als 30 Prozent Steuern zahlen müssten. Aber kaum ist die Reform in Kraft, stellt Pieper fest, dass er statt bisher 39,6 Prozent nun sogar 50,9 Prozent Steuern berappen muss. Pieper, der im Ruhrgebiet 100 Filialen betreibt, schreibt deswegen an Steinbrück einen Brief. Doch dieser lässt einen seiner Ministerialbeamten mit freundlichen Grüßen antworten, „nur in ganz seltenen Fällen“ könnten durch die Unternehmenssteuerreform Mehrbelastungen auftreten. Pech für Pieper, der sich kräftig „in den Hintern getreten“ fühlt.

Rund 400 Kilometer südlich wirkt Steinbrücks Unternehmenssteuer sogar als Investitionsbremse. In Echterdingen, ganz in der Nähe des Stuttgarter Flughafens, plante der mittelständische Unternehmer Wolfgang Scheidtweiler den Bau eines Tagungshotels. 240 Zimmer, 180 Stellplätze und 1500 Quadratmeter Konferenzfläche sollten es sein. Sollten! „Plötzlich stellten wir fest“, sagt Scheidtweiler, „dass wir bei einem Investitionsvolumen von 25 Millionen Euro mehr als eine Million Euro Zinsen gezahlt und damit die sogenannte Zinsschranke gerissen hätten.“ Scheidtweiler, der in Pforzheim bereits das Parkhotel betreibt, hätte deshalb kaum noch Schuldzinsen vom Gewinn absetzen können. Also strich der Hotelier seine Investitionspläne um sechs Millionen Euro zusammen, um unter der Freigrenze von einer Million Euro Schuldzinsen zu bleiben. Jetzt baut Scheidtweiler das Hotel eine Nummer kleiner, kann dafür aber einen deutlich höheren Zinsanteil steuerlich verrechnen.

Anzeige

Verstanden? Falls nicht, keine Sorge. Denn mit gesundem Menschenverstand und marktwirtschaftlichem Empfinden hat die Unternehmenssteuerreform der großen Koalition wenig zu tun. Vielmehr enthält die von Bundesfinanzminister Steinbrück (SPD) und dem hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) 2007 ausgetüftelte Reform im Detail viele unverdauliche Brocken, die den Unternehmen jetzt in der Krise auf die Füße fallen.

Damit entzaubert sich ein vermeintliches Prunkstück der schwarz-roten Regierung von Bundeskanzlerin Angela Merkel. In ihrem Koalitionsvertrag hatten CDU, CSU und SPD im November 2005 vereinbart, sie wollten „zum 1. Januar 2008 das Unternehmenssteuerrecht grundlegend fortentwickeln und international wettbewerbsfähige Steuersätze realisieren“.

Insbesondere wollte die Regierung die Steuersätze für Unternehmen von einst rund 35 Prozent auf unter 30 Prozent drücken. Tatsächlich sank mit der Reform der Körperschaftsteuersatz von 25 auf 15 Prozent; einschließlich Gewerbesteuer liegt die Steuerlast für Kapitalgesellschaften seit vorigem Jahr bei 29,8 Prozent, zumindest theoretisch. Auch für Personengesellschaften beträgt die Steuerlast knapp 30 Prozent – auf dem Papier.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%