Wirtschaftsminister Brüderle: "Energieumbau nicht zum Nulltarif"

Wirtschaftsminister Brüderle: "Energieumbau nicht zum Nulltarif"

Bild vergrößern

Rainer Brüderle

von Henning Krumrey und Roland Tichy

Wirtschaftsminister Rainer Brüderle erwartet höhere Strompreise und wirbt für Kohlekraftwerke sowie mehr Strommasten.

WirtschaftsWoche: Herr Minister, die Debatte über den Ausstieg aus der Kernenergie läuft auf vollen Touren. Hält das Energiekonzept der Bundesregierung?

Brüderle: Die christlich-liberale Bundesregierung ist von Anfang an einen Ausstiegskurs gefahren. Keine Regierung hat so stark auf die erneuerbaren Energien gesetzt. Wir haben lediglich gesagt: Die Brücke zu den Erneuerbaren muss ausreichend lang sein. Und da hilft die Kernkraft als Brückentechnologie. Wir müssen die Debatte jetzt in aller Redlichkeit führen und auch prüfen, welche Konsequenzen ein schnellerer Ausstieg hätte.

Anzeige

Halten Sie einen kompletten Verzicht auf Kernenergie bis 2022 für machbar, wie ihn Rot-Grün beschlossen hatte?

Wie lange Deutschland zur Sicherung der Stromversorgung noch Kernenergie brauchen wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Im Moment sind die erneuerbaren Energien noch nicht grundlastfähig. Wir müssen daran arbeiten, dass sich das ändert, zum Beispiel, indem wir bei der Speicherung von Energie Fortschritte machen und Erzeugung und Verbrauch intelligenter miteinander verknüpfen. Bis wir so weit sind, bleiben wir auf grundlastfähige Kraftwerke angewiesen. Das können Gas- oder Kohlekraftwerke, aber auch Kernkraftwerke sein.

Braucht man Bauernopfer, um die Debatte zu entschärfen? Müssen also die alten Kernkraftwerke endgültig vom Netz, um die jüngeren zu retten?

Wenn man ergebnisoffen prüft, dann kann man das Ergebnis ja noch nicht vorher kennen. Das wäre nicht glaubwürdig. Es gilt: erst prüfen, dann entscheiden.

Können die Kernkraftwerkbetreiber Schadensersatz wegen der – kurzfristigen oder endgültigen – Stilllegung verlangen? Oder setzt die Bundesregierung darauf, dass die sich gar nicht erst trauen?

Die rechtliche Grundlage haben die Experten für Nuklearsicherheit geprüft.

Rechnen Sie mit einer Erhöhung der Strompreise?

Das kann die Konsequenz sein. Bereits zum 1. Januar dieses Jahres haben sich der Einspeisevorrang für erneuerbare Energien und die garantierte Vergütung in höheren Preisen ausgewirkt. Als Wirtschaftsminister sage ich eindeutig: Absolute Priorität hat weiter die Sicherheit. Klar ist aber auch: Ein schnellerer Umbau unserer Energieversorgung hin zu den Erneuerbaren ist nicht zum Nulltarif zu haben. Dabei denke ich insbesondere auch an den Netzausbau.

Für all die Investitionen wird wohl ein dreistelliger Milliardenbetrag fällig. Wer soll den schultern?

Zusätzlich zu den Sicherheitsüberprüfungen analysieren wir gegenwärtig auch die wirtschaftlichen Auswirkungen eines schnelleren Ausstiegs aus der Kernenergie eingehend. Am Ende tragen wir die Kosten der Energieversorgung alle gemeinsam. Dabei müssen wir die Energiepreise genauso im Blick haben wie zum Beispiel Abgaben, die sich aus dem EEG ergeben.

Also wieder noch mehr Subventionen?

Ich bin grundsätzlich für den marktwirtschaftlichen Weg.

Welche Kosten sehen Sie?

Wenn wir schneller aus der Kernenergie aussteigen wollen, brauchen wir zur Kompensation Gas- und Kohlekraftwerke. Das wird zu höheren CO2-Emissionen und zu höheren Kosten führen. Weil wir das Klima schonen und nicht weiter belasten wollen, brauchen wir eine Rechtsgrundlage, um das anfallende CO2 unter der Erde zu speichern. Wir haben bei dieser Technologie ein für Deutschland typisches Problem: Wir sind bei dieser Technologie Weltmarktführer, aber hierzulande fehlt die Akzeptanz – leider auch bei denjenigen, die eigentlich für Klimaschutz sind. Das Zweite ist: Wir haben in Deutschland schon das anspruchsvollste Programm zum Ausbau der erneuerbaren Energien. Aber uns fehlen heute mehr als 3500 Kilometer Stromleitungen. Wenn wir mehr dezentrale regenerative Energieerzeugung wollen, brauchen wir auch neue Netze, um den Strom aufzunehmen und zu den Verbrauchszentren zu transportieren. Heute dauert es im Schnitt etwa fünf bis zehn Jahre, bis man die planungsrechtliche Genehmigung für solche Stromleitungen hat. Das muss künftig schneller gehen.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%